Eigenbau-Wohnkabine für den Land Rover Defender
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Eigenbau-Wohnkabine für den Land Rover Defender

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Was macht man, wenn man feststellt, dass der Platz im Landy für die Reisen zu klein geworden ist? Richtig, man erstellt einen Plan für eine Eigenbau-Wohnkabine für seinen Land Rover Defender und setzt anschließend die Flex an. Zumindest hat Mario aus Köln das vor vielen Jahren so gemacht. Herausgekommen ist ein tolles Reisefahrzeug mit ausreichend Platz zum Wohnen.

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Achtung: Verwechslungsgefahr

„Cooler Landy, ist das ein MDX?“ Eine Frage, die Mario öfter hört. Und genauso oft schaut er in ein fragendes Gesicht, wenn er antwortet: „Nein, den Aufbau habe ich selbst gebaut.“ Und die Fragen, die er in derartigen Gesichtern liest, kann er dann auch gleich beantworten. Material, Bauzeit, Abmessungen … all die Infos schüttelt er nur so aus dem Ärmel. „Äh halt –  halt – halt – NOCHMAL – SELBER gebaut?“ „Ja, anfangs in `ner Blechgarage und den Rest auf dem Hof“. Die Fragen im Gehirn verwandeln sich in Unverständnis und weichen dann einer Einzelnen: „Nimmt der mich jetzt auf die Schippe?“ Tut er nicht. Komm Mario, erzählen wir Deine Geschichte!

Die Eingenabu-Kabine von Mario ähnelt dem MDX von Matzker, doch es gibt ein paar Unterschiede.

Fangen wir ganz am Anfang an. 1998, Mario ist grade Vater geworden, steht die Frage nach einem Familienauto an. Und was kauft man, wenn man Oldtimerfan ist? Eben, ein Auto das zwar neu, dessen Form aber aus der Zeit gefallen ist und das vier Türen und hinten reichlich Platz für Kinderwagen und Großeinkäufe hat.

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Info: Der MDX stammt von der Firma Matzker aus Köln und ist das Matzker Expeditionsmobil. Die Wohnkabine mit ihrer typischen Form setzen die Land-Rover-Profis dafür auf den 110er- oder den 130er-Defender, aber auch auf die G- oder die X-Klasse von Mercedes. Die Grundform der Kabine mit ihren nach oben abgeschrägten Seitenwänden bleibt dabei gleich, die Länge variiert aber je nach Fahrzeug. Ein vorne oder hinten angeschlagenes Klappdach sorgt am Übernachtungsplatz für Stehhöhe und beim Fahren im Gelände für eine Fahrzeughöhe, die sich im Rahmen des Basisfahrzeugs bewegt. Damit sind niedrige Brücken oder tiefhängende Äste kein Problem und der Schwerpunkt des Offroad-Campers bleibt niedrig.

Der Wunsch nach mehr Platz im Reise-Defender

An Weihnachten 2013 entstehen die ersten Skizzen zum Umbau.

Doch zurück zu Mario und seinem Defender. Es dauert nicht lange und die junge Familie unternimmt die ersten Touren. Schnell stellt sich heraus, dass da was nicht ganz passt. Das Fahrzeug müsste ein wenig anders, etwas reisetauglicher sein. Schon im Jahr 2000 reift also der Gedanke, dass ein Klappdach nicht schlecht wäre. Da Mario das, was auf dem Markt zu finden war, nicht gefiel, baute er das Dach kurzerhand selbst. Das Ergebnis war vor allem mehr Raumgefühl am Standplatz, denn alles, was den Wohnbereich betraf, blieb erst mal so.

Bis Weihnachten 2013 der Wunsch nach mehr Platz aufkommt. Und da Mario zu dem Zeitpunkt schon lange aus dem Alter raus war, in dem man noch an den Weihnachtsmann glaubt, nimmt er Zeichenbrett und Stift selbst in die Hand und zeichnet einen Plan. Vom gezeichneten Plan bis zum fertigen Ergebnis vergehen nur rund vier Monate. Denn Mario flext kurzerhand die komplette Hütte hinter dem Fahrerhaus ab und schweißt eine Rahmenkonstruktion aus Aluwinkeln. In diesen Käfig wird dann GFK Sandwich eingeklebt.

Danach flext Mario die Karosserie hinter dem Fahrerhaus komplett ab.

Damit geht Mario den umgekehrten Weg, wie ihn viele, die mit Sandwichplatten arbeiten, beschreiten. Meist wird erst aus dem Platten ein Kasten gebaut und dann Aluwinkel an die Ecken geklebt. Die Aluwinkel schweißt Mario mit einem WIG-Schweißgerät, das er extra dafür angeschafft hat, zusammen. Damit hat er nicht nur eine saubere, sondern auch eine haltbare Verbindung. In diesen Käfig klebt er dann GFK-Sandwich ein. Für den Boden und den Übergang von der Wohnkabine zum Fahrerhaus verwendet er Siebdruckplatte.

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Zuerst baut Mario den Rahmen der Wohnkabine und klebt dann die GFK-Sandwichplatten ein.

Eigenbau-Wohnkabine für den Land Rover Defender

Der Einstieg seines Reise-Landys befindet sich auf der Fahrerseite. Damit ergibt sich im Heck eine in der kompletten Breite nutzbare Fläche. Einen Griff zum Öffnen oder gar ein Schloss an der Tür sucht man übrigens vergeblich. Zum Öffnen der zweigeteilten Klappe greift man durch die offene Fahrertür und entriegelt von innen. Damit bleibt nicht nur die Klappe „clean“, Einbrecher überlegen wohl noch, wie man da reinkommt, wenn Mario schon längst weitergefahren ist.

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An der Tür zur Wohnkabine gibt es außen kein Schloss und keine Riegel. Geöffnet wird von innen.

Für die Rückleuchten hat Mario LED-Leuchten im Defender-Design verwendet. Nur die Rückfahrkamera, die ist neu. Die Fenster und die Dachluke bestehen aus Glas. Die Dachluke kommt aus dem Yachtbereich, die Fenster stammen von Seitz. Allerdings hat Mario festgestellt, dass er die Fenster zu klein dimensioniert hat. Der Clou aber ist das Hubdach – natürlich auch selbst entworfen und gebaut. Das Dach besteht, im Gegensatz zu den Seitenwänden, aus Alu und hebt sich etwa einen halben Meter nach oben. Damit hat man innen bequem Stehhöhe. Fährt man es nicht nach oben, reicht der Platz trotzdem, um sich zu bewegen und auch, um im Fahrzeug zu schlafen. So man fällt nicht auf, wenn man nicht auffallen will.

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Bleibt das Dach geschlossen, ist dennoch genug Platz, um in der Kabine schlafen zu können.

Haben wir es schon geschrieben? Ja, haben wir. Marios Werkstatt ist gar keine. Die ersten Arbeiten hat er in einer Blechgarage gemacht. Da ging der Landy noch rein, solange er Serie war (obwohl er ja gar keine „Serie“ ist – ob das Wortspiel einer versteht?*). Eine Weile konnte er sich noch mit abgelassener Luft und zusammengezurrten Federn behelfen, aber irgendwann war die Blechgarage einfach zu niedrig. Also ging es draußen weiter. Wir reden übrigens immer noch von Winter in Deutschland.

Wenn man eh schon mal am Umbauen ist …

Unter der Fahrerkabine hat Mario Rockslider aus Alu montiert und am Heck einen Tank für 105 Liter Diesel. Natürlich sind Druckluft, 44 Liter Trinkwasser und ein 200-Watt-Solarmodul ebenfalls an Bord. Eine Eberspächer Luftheizung sorgt dafür, dass es nicht kalt wird, eine 30-Liter-Kühlbox dafür, dass es nicht warm wird – also das Bier.

Die Farbe des Landys ist übrigens Bronzegrün und nicht Oliv, wie man glauben mag, und die Türen sind gegen welche mit Schiebefenster vom Militär getauscht. Für Campingtisch und -stühle hat Mario noch einen Dachträger aus Alu gebaut, der auf dem Fahrerhaus sitzt. Damit muss man das nicht mehr im Innenraum transportieren.

War´s das? Nö, natürlich nicht. Der Defender hat noch ein paar andere spannende Umbauten. So ist die Stoßstange, die eine Hydraulik-Seilwinde beherbergt, ebenfalls ein Eigenbau. Der Motor ist nicht mehr der Tdi, sondern der International-HS-2,8-Liter-Motor, und das Getriebe schaltet mittlerweile automatisch. Da tut es gut zu hören, dass das Fahrwerk noch das Serien-Fahrwerk ist, zumindest teilweise. Gedämpft wird nämlich mit Koni Heavy Track und gerollt auf 285er Reifen. Geht es im Gelände mal nicht mehr voran, kann vorne und hinten gesperrt werden. Die Winde bekommt also selten etwas zu tun.

In der Fahrzeuggröße, in der man eben im Wohnbereich ein wenig umbauen muss, wenn man schlafen gehen will, ist damit ein perfektes Reisemobil entstanden, das kaum Vorzüge des Defenders einbüßt. Lediglich die Abmessungen sind etwas größer, aber vor allem durch das Klappdach noch in einem Rahmen, der viel mehr Strecken abseits der Straße erlaubt, als man sie schon mit einer klassischen Absetzkabine fahren könnte – vom ausgewachsenen Fernreise LKW ganz zu schweigen.

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Ja, Marios Umbau ähnelt dem MDX der Firma Matzker. Aber es gibt eben auch deutliche Unterschiede. Vorne angeschlagenes Klappdach da, Hubdach hier. Einstieg hinten da, Einstieg seitlich hier. Damit einhergehend eine komplett andere Innenaufteilung. Der größte Unterschied ist aber, dass Mario mit seinem Umbau zeigt, dass es auch ohne top ausgestattete Profi-Werkstatt und ohne CAD-Planung geht. Was man dazu jedoch braucht, sind Mut und Entschlossenheit. Den Mut, die Hütte hinten komplett wegzuflexen, und die Entschlossenheit, das auch zu tun. Hut ab!

* Als Serie werden heute die ersten drei Modelle des Land Rover bezeichnet. Man unterscheidet zwischen Serie I, Serie II und Serie III. Ab Herbst 1983 wurden die Modelle zunächst als One Ten (110) oder Ninety (90) bezeichnet, was dem Radstand der beiden Landys in Zoll entspricht. Als Defender wird der Land Rover mit seiner typischen Form erst seit September 1990 bezeichnet. Das kantige Modell wurde 2016 eingestellt. Seit 2020 wird der Defender in neuer, rundlicherer Form und mit moderner Technik gebaut und meist als New Defender bezeichnet. Einen Umbau des New Defender, der als Basis für ein Reisemobil taugt, hat ebenfalls Land-Rover-Spazialist Matzker auf die Beine gestellt.

Fotos: Mario Kasten, Matzker Köln

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