Der New Defender gilt vielen als moderner Abenteurer mit enormem Offroad-Potenzial. Für Vanlife und Camping stellt sich jedoch schnell die Frage: Lässt sich dieser SUV überhaupt sinnvoll als Camper nutzen? Der Laderaum ist zwar großzügig, doch im Vergleich zum alten Defender fällt die Innenhöhe vom Boden bis zum Dach deutlich geringer aus. Eine Rückbank im Heck oder gar eine klassische Sitzgruppe aufzubauen, ist im New Defender praktisch ausgeschlossen. Auch die Länge des Laderaums reicht für viele Erwachsene nur dann zum Schlafen, wenn die Lehnen der Vordersitze umgeklappt werden – ein Problem, das man ähnlich auch aus der G-Klasse kennt.
Modularer Ausbau statt fester Camper-Einrichtung

Genau an diesem Punkt setzt eine spezielle Camping-Box an, die den New Defender in einen vollwertigen, aber flexibel nutzbaren Camper verwandeln soll. Statt auf einen fest verschraubten Innenausbau zu setzen, wird auf drei entnehmbare Boxen gesetzt. Das passt gut zum Charakter des Fahrzeugs: Alltagsauto unter der Woche, Reisemobil am Wochenende. Die Besitzer des Fahrzeugs nutzten bereits ein Dachzelt und suchten eine Lösung, die vor allem mehr Stauraum, eine feste Kochstelle, Energieversorgung und eine Kühlmöglichkeit integriert – ohne die Variabilität im Alltag komplett zu opfern.
Die Basis bildet eine untere Box, darüber sitzt eine zweite Staubox, und quer im Fahrzeug kommt eine dritte Box hinzu, die über die seitlichen Türen zugänglich ist. Interessant: Die erste und zweite Box sind mit rund 80 × 80 × 32 cm so dimensioniert, dass sie nicht nur in den New Defender passen, sondern auch in viele andere Fahrzeuge wie kleine Transporter, Hochdachkombis oder Kombis allgemein. Wer also irgendwann das Auto wechselt, muss nicht zwangsläufig die komplette Campinglösung neu kaufen.
Die untere Camping-Box: Küche und Kühlung im Heck

Herzstück des Systems für den New Defender Camper ist die untere Box. Sie wiegt wegen der verbauten Technik rund 55 kg, passt aber so in den Kofferraum, dass die Rücksitze weiterhin aufgestellt und genutzt werden können. Links ist eine Kompressor-Kühlschublade mit rund 30 Litern Volumen integriert, die nach hinten aus dem Fahrzeug gezogen wird. Für längere Touren oder heiße Regionen ist eine echte Kompressorkühlung ein Vorteil gegenüber einfachen Kühlboxen.
Daneben steckt ein Doppelauszug nach dem Prinzip „Schublade in Schublade“. Die eigentliche Box ist nur etwa 75 cm tief, der Auszug fährt jedoch auf bis zu 150 cm heraus und bildet damit eine lange, durchgehende Arbeitsfläche für die Campingküche. Am Beginn dieses Auszugs sitzt ein klappbares und herausnehmbares Spülbecken, das zum Entleeren des Grauwassers herausgenommen werden kann. Die Wasserversorgung erfolgt zunächst per Schwerkraft aus einem Tank, auf Wunsch kann jedoch ein Wasserhahn mit Tauchpumpe ergänzt werden.
Kochen auf 1,50 Meter Auszugslänge

Neben dem Spülbecken ist ein herausnehmbares Schneidbrett platziert, das zugleich ein Besteckfach abdeckt. So bleibt das wichtigste Küchenwerkzeug direkt an Ort und Stelle. Im inneren Teil des Doppelauszugs steckt ein Zweiflammen-Gaskocher, dazu zwei große Gaskartuschen. Damit ist in der Regel genug Reserve vorhanden, um mindestens zwei Wochen autark zu kochen – ein Faktor für längere Offroad-Touren fernab dichter Infrastruktur.
Technisch wird der Doppelauszug von vier Schwerlast-Auszügen getragen, die zusammen bis zu 200 kg tragen können. Die Schubladenwannen bestehen aus robustem Aluminium mit schwarzer Pulverbeschichtung. Trotz der maximalen Auszugslänge von 150 cm bleibt der Aufbau stabil genug, um auch mit Töpfen, Wasser und Proviant sicher zu arbeiten. Gerade für Vanlife-Fans, die gerne abseits klassischer Campingplätze unterwegs sind, bedeutet das eine vollwertige Heckküche in einem Fahrzeug, das auf den ersten Blick gar nicht nach klassischem Camper aussieht.
Obere Camping-Box: Ordnung im Stauraum-Chaos

Die obere Camping-Box übernimmt vor allem die Rolle des gut strukturierten Stauraums. An der Front sitzt eine Blende in mattem Schwarz, alternativ ist eine matte weiße Ausführung möglich – je nach Geschmack und Fahrzeugfarbe. Im Inneren setzen die Entwickler auf Euroboxen, die auf Auszügen laufen und sich wie Schubladen herausziehen lassen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Boxen können zu Hause in Ruhe gepackt und dann komplett ins Fahrzeug gesetzt werden.
Vorne sind neben einem Wassertank mit etwa 11 Litern Volumen zwei Boxen im Format 30 × 40 × 27 cm vorgesehen, die sich ideal für Vorräte und Geschirr eignen. Im hinteren Bereich folgen zwei weitere Boxen, die sich besonders gut für Kleidung anbieten. Während der Fahrt werden alle Schubladen und Boxen mit robusten Drehverschlüssen (SpinLock) gesichert, damit bei einer stärkeren Bremsung nichts zum Geschoss wird. Zusätzlich ist im oberen Bereich ein Stauraum für einen Campingtisch integriert, der mit elastischen Gurten fixiert wird.
Dritte Box: Querverstauter Allrounder mit Stromversorgung

Die dritte Box spannt sich quer über die Fahrzeugbreite und ist über die seitlichen Türen erreichbar. Oben liegen Klappen mit bündigen Scharnieren, verriegelt über Pushlock-Verschlüsse. Darunter verbergen sich drei große Fächer sowie seitlich herausziehbare Euroboxen. So entsteht eine Mischung aus Stauraum für sperriges Material und geordneten Behältern für Kleinkram – gerade auf längeren Reisen ein echter Nervenretter.
Spannend für Vanlife ist der integrierte Ausschnitt für eine mobile Powerstation. Darüber kann etwa die Kühlbox betrieben oder elektronische Geräte geladen werden. Geladen wird die Station zu Hause, während der Fahrt oder über eine Solartasche. An der Box sind zudem flexible Spanngurte angebracht, um zusätzliche Ausrüstung zu befestigen. Sowohl die untere als auch die dritte Box verfügen über eingefräste Öffnungen in den Deckeln, durch die größere Gegenstände mit Gurten gesichert werden können – wichtig, wenn das Fahrzeug seine Offroad-Fähigkeiten wirklich ausspielen soll.
Material, Alltagstauglichkeit und Einsatz im Vanlife

Alle Boxen bestehen aus ultraleichtem Multiplex-Holz mit einer HPL-Beschichtung, wahlweise in mattem Schwarz oder Weiß. Die Kanten sind mit einem Zwei-Komponenten-Öl versiegelt, sodass Feuchtigkeit, nasse Kleidung oder ein umgekipptes Glas nicht gleich zum Problem werden. Das passt zum Einsatzprofil eines New Defender, der häufig mit Matsch, Regen und Sand konfrontiert wird. Gleichzeitig bleibt das Gewicht der Anlage im Rahmen – ein nicht zu unterschätzender Punkt, wenn zusätzlich Dachzelt, Offroad-Zubehör und Reisegepäck an Bord sind.
Wer lieber im Fahrzeug als im Dachzelt schläft, kann die untere Box mit einer ausklappbaren Liegefläche kombinieren. Damit wird aus dem New Defender ein kompakter Camper, der trotz begrenzter Innenhöhe eine funktionale Schlafgelegenheit bietet. Da der New Defender auch außerhalb Deutschlands in vielen Märkten angeboten wird, dürfte diese modulare Lösung nicht nur für heimische Offroad-Fans interessant sein, sondern auch für Reisende, die mit einem im Ausland gekauften Fahrzeug unterwegs sind. Gerade weil die Innenmaße des New Defender gewisse Grenzen setzen, zeigt dieses modulare Boxensystem, wie sich ein moderner Geländewagen doch noch in eine Vanlife-Basis verwandeln lässt.
Bilder: Hersteller
















