Jahrelang lag das kleine Thermacell-Gerät auf dem Campingtisch. Gaskartusche dran, blaues Plättchen rein, fertig war die mückenfreie Zone von rund 20 Quadratmetern. Kein Spray auf der Haut, kein Rauch, kein Gestank. Einschalten, sitzen bleiben, Abend genießen. Wer aber in dieser Saison neue Plättchen gekauft hat, merkt schnell: Die Mücken stechen wieder. Das liegt nicht am Wetter. Das Produkt selbst ist anders geworden, bzw. gibt es alternative Plättchen, die anders wirken. Und aus unserer Sicht keinesfalls besser.
Vom Insektizid zum Duftstoff

Thermacell hat den Wirkstoff seiner Plättchen (mit der Bezeichnung PT18) für den europäischen Markt durch einen weiteren ausgetauscht. Die klassischen blauen Plättchen enthielten jahrelang ausschließlich Pyrethroid-Wirkstoffe. Der Stoff wirkte als Insektizid mit sogenannter Knock-down-Wirkung: Mücken, die in die verdampfte Schutzzone flogen, wurden beeinträchtigt. Genau das machte die Sache über Jahre so stark und so beliebt am Campingplatz.
Die neue Generation, als PT19 bezeichnet, setzt auf eine Formel mit Citriodiol®, einem Wirkstoff auf Basis von Zitroneneukalyptus. Daher kommt auch der citronella-artige Geruch, der sofort auffällt. Der entscheidende Punkt: Citriodiol ist kein Insektizid, sondern ein Repellent. Es tötet oder lähmt keine Mücken, es soll sie fernhalten. Aus einem chemischen Abwehrsystem ist damit faktisch eine verdampfte Duftbarriere geworden – näher an der Citronella-Kerze als am alten Thermacell.
Warum die Umstellung?

Der Hintergrund ist regulatorisch. Die EU-Biozidverordnung, national umgesetzt durch die Biozidrechts-Durchführungsverordnung (ChemBiozidDV), hat die Abgaberegeln für insektizide Produkte verschärft. Seit dem 1. Januar 2025 gilt für die PT18-Plättchen ein Selbstbedienungsverbot: Im Laden dürfen sie nicht mehr frei im Regal stehen, sondern nur noch aus einem nicht frei zugänglichen Bereich (etwa hinter der Theke oder in einer verschlossenen Vitrine) abgegeben werden. Zusätzlich ist ein Abgabegespräch durch eine sachkundige Person vorgeschrieben.
Wichtig – und hier korrigieren wir ein verbreitetes Missverständnis: Dieses Selbstbedienungsverbot bedeutet kein generelles Online-Verbot. Der Versandhandel bleibt erlaubt, sofern das vorgeschriebene Abgabegespräch vorab telefonisch oder per Videoübertragung geführt wird. In der Praxis scheitert der Verkauf über große Marktplätze wie Amazon oder eBay allerdings daran, dass dort der Kaufvertrag bereits mit dem Bestellklick zustande kommt – für ein vorgeschaltetes Gespräch bleibt kein Raum. Spezialisierte Fachhändler haben deshalb telefonische Beratungsprozesse eingerichtet.
Wir haben getestet und das ist unser Ergebnis zu den neuen Plättchen
Wie groß der Unterschied in der Praxis ausfällt, zeigen die Nutzerbewertungen: Von „wirkt überhaupt nicht“ ist dort ebenso zu lesen wie von Campern, die sich Ersatz mit dem ursprünglichen Wirkstofftyp besorgt haben und damit wieder mückenfrei sitzen. Auch in unserer Redaktion deckt sich das mit den Erfahrungen: Die neuen Plättchen halten dem Mückendruck an Flussufern und Seen schlicht nicht stand. Kein Vergleich zu den alten Plättchen. Und: die neuen sind im Vergleich auch nicht deutlich billiger. Für 48 h „Schutz“ nach Herstellerangaben zahlt man weiter knapp 30 Euro. Unserer Ansicht, auch nach dem Test, zu teuer.
Diese Alternativen wirken noch
Wer die volle Schutzwirkung von früher will, hat mehrere Optionen:
Man findet einen Händler, die die PT18-Plättchen noch verkauft. Oder:
Prallethrin-Verdampfer wie Flextailgear: Der akkubetriebene Verdampfer des Outdoor-Herstellers arbeitet nach einem ähnlichen Prinzip, nutzt aber je nach Matte nicht nur Prallethrin, sondern teils auch weitere Wirkstoffe wie Meperfluthrin. Kein Gas nötig, Laden per USB.
Piastrine aus Italien: In Italien gehören Verdampfer-Plättchen zum Sommeralltag, und der Markt ist deutlich besser sortiert als bei uns. Wichtig zu wissen: Der alte Thermacell-Wirkstoff war nicht durchgängig derselbe Einzelwirkstoff. Die gängigen Produkte setzen heute oft auf Prallethrin (Pralletrina) oder Esbiothrin (Esbiotrina). Das sind eng verwandte Pyrethroide mit ähnlicher Knock-down-Wirkung – funktional also ein naheliegender Ersatz. Konkret verfügbar sind etwa Vape Piastrine und Raid Piastrine. Je nach Produkt und Packung variieren Wirkstoff und angegebene Wirkdauer jedoch, deshalb sollte man die jeweilige Deklaration prüfen. In Deutschland sind sie selten im stationären Handel, online aber oft bestellbar.
Wichtig für den Betrieb im Thermacell-Gerät
Die italienischen Piastrine sind eigentlich für elektrische Steckdosen-Verdampfer konzipiert. In das gasbetriebene Thermacell-Gerät passen sie zwar oft, arbeiten aber bei einer anderen Verdampfungstemperatur. Praktikabler ist daher der Trick vieler Camper: einen flüssigen Refill besorgen und damit ein altes, ausgedampftes Thermacell-Plättchen tröpfchenweise wieder auffrischen. So bleibt man beim vertrauten Gerät und bekommt trotzdem wieder einen pyrethroidbasierten Wirkstofftyp zurück.
Hinweis der Redaktion
Das Umwidmen von Plättchen oder flüssigen Refills, die für elektrische Steckdosen-Verdampfer bestimmt sind, entspricht nicht den Herstellerangaben und muss auf eigene Verantwortung erfolgen. Biozidprodukte sollten grundsätzlich nur gemäß Etikett und Gebrauchsanweisung verwendet werden. Wer auf Nummer sicher gehen will, greift zu einem Gerät, das für den jeweiligen Wirkstoff auch zugelassen ist.
Restbestände der alten Plättchen
Wer noch Original-Plättchen mit Pyrethroid-Wirkstoff findet, kann sie bei Einhaltung der geltenden Abgaberegeln weiterhin legal erwerben. Einige Fachhändler haben dafür telefonische Beratungsprozesse eingerichtet.
Hautrepellents als Ergänzung und physischer Schutz
Für Situationen mit Wind – der jedem Verdampfer die Schutzzone wegbläst – bleiben DEET- oder Icaridin-Präparate die zuverlässigste Wahl, gerade bei hohem Mückendruck in Skandinavien oder am Wasser. Moskitonetze an Fenstern und Türen des Campers, lange helle Kleidung am Abend und ein Standplatz abseits stehender Gewässer kosten nichts an Wirkstoff – und funktionieren regulierungsunabhängig.
Fazit zu den neuen Thermacell-Erfahrungen
Thermacell hat sich mit den neuen Plättchen grundlegend verändert: Aus einem pyrethroidbasierten Insektizid-Verdampfer wurde in Europa bei den fuel-powered Geräten ein zusätzliches Citriodiol-Repellent. Wer das Gerät liebgewonnen hat, kann es behalten – sollte aber wissen, dass die Schutzwirkung der neuen Plättchen mit der alten Generation nicht vergleichbar ist. Für mückenintensive Standorte führen derzeit oft eher pyrethroidbasierte Alternativen oder klassische Hautrepellents zum Ziel. Wir selber nutzen die Geräte weiter, kaufen aber keine Plättchen von Thermacell mehr. Sie sind uns zu teuer und die Wirkung ist gemäß unserer Tests nicht mehr ausreichend für den zu bezahlenden Preis.
FAQ
1. Warum wirkt mein neues Thermacell plötzlich viel schwächer als früher?
Viele Nutzer erwarten beim Nachkauf dieselbe Wirkung wie bei den früheren blauen Plättchen. Genau hier liegt das Missverständnis: Das Gerät sieht zwar fast unverändert aus, doch der Wirkstoff wurde durch einen zusätzlichen ausgetauscht. Statt eines pyrethroidbasierten Insektizids mit Knock-down-Effekt kommt nun in den neuen Plättchen Citriodiol zum Einsatz, also ein Repellent-Wirkstoff auf Basis von Zitroneneukalyptus. Dieser soll Mücken fernhalten, aber nicht lähmen oder abtöten. Deshalb fällt die Schutzwirkung vor allem an Seen, Flüssen oder bei starkem Mückendruck deutlich schwächer aus. Das Problem ist also meist kein Bedienfehler, sondern eine grundlegende Änderung des Wirkprinzips. Das alte Thermacell-Gefühl lässt sich mit den neuen Plättchen oft nicht mehr erreichen.
2. Kann ich mein altes Thermacell-Gerät weiterhin sinnvoll nutzen?
Ja, das alte Gerät kann weiterhin genutzt werden, weil die neuen Nachfüllpacks mechanisch kompatibel sind und es die alten Plättchen ja auch immer noch gibt. Dennoch sollte man klar zwischen Nutzbarkeit und Wirksamkeit unterscheiden. Wer nur an einem windstillen Abend mit wenig Mücken draußen sitzt, kann mit der neuen Formel durchaus zurechtkommen. Wer jedoch den früheren, deutlich stärkeren Schutz erwartet, wird meist enttäuscht. Deshalb nutzen viele Camper ihr vorhandenes Gerät nur noch eingeschränkt oder kaufen, aufwendiger, die „alte“ Alternative mit pyrethroidbasierten Wirkstoffen. Wichtig ist außerdem, keine improvisierten Lösungen leichtfertig einzusetzen. Sobald Plättchen oder Flüssigkeiten zweckentfremdet werden, verlässt man die vom Hersteller vorgesehene Anwendung und handelt auf eigene Verantwortung.
3. Welche Lösung ist für Camper heute wirklich am sinnvollsten?
Die beste Lösung hängt stark vom Reiseziel und vom Mückendruck ab. Für entspannte Stellplätze mit wenigen Insekten kann die neue Thermacell-Variante ausreichen. In mückenreichen Gebieten, etwa an Gewässern oder in Skandinavien, sind stärkere Alternativen meist sinnvoller – oder eben die PT18 Plättchen mit dem alten Wirkstoff. Dazu zählen pyrethroidbasierte Verdampfer, klassische Hautrepellents mit DEET oder Icaridin und vor allem physischer Schutz wie Moskitonetze und lange Kleidung. Gerade beim Camping ist die Kombination oft am effektivsten: draußen gezielter Verdampfer, bei Wind zusätzlich Hautschutz, im Fahrzeug konsequente Barrieren. Wer sich nicht auf ein einziges Produkt verlässt, sondern mehrere Schutzmethoden kombiniert, sitzt am Ende meist deutlich entspannter vor dem Van.
Hinweis der Redaktion: in einer früheren Version haben wir falsch erklärt, dass die neuen PT19 Plättchen die einzigen noch erhältlichen Plättchen sind.















