Der Name „Lolo“ fällt bislang eher in US-Vanlife-Kreisen, doch dieser ausgebauter 2020 Mercedes Sprinter 170 4×4 trifft auch exakt den Nerv vieler deutscher und europäischer Camperfans. Auf einem der längsten Sprinter-Radstände aufgebaut, kombiniert dieser Van kompromisslose Offroad-Tauglichkeit mit einem Innenausbau, der eher an eine kleine Designwohnung erinnert als an ein Nutzfahrzeug. Technisch wie handwerklich bewegt sich Lolo in einer Liga, die man sonst eher von Einzelanfertigungen kennt – und genau das ist er.
Focus-Keyphrase: Benchmark Vehicles Lolo

Als Basis dient der 170er Sprinter mit Allradantrieb – für europäische Verhältnisse in etwa die Langversion mit 4×4, also prädestiniert für längere Reisen, Wintercamping und Pisten abseits des Asphalts. Die Offroad-Komponenten sind kein Show-Zubehör: BF Goodrich K02 Reifen auf 17-Zoll-Black-Rhino-Havasu-Felgen, ein Agile Off Road RIP Kit für Fahrwerksoptimierung und ein Türträger für das Reserverad sorgen für Bodenfreiheit, Traktion und eine sinnvolle Gewichtsverteilung. Dazu kommen Terrawagen Kotflügelverbreiterungen und eine Roambuilt-Cargorack mit Arbeitsleuchten auf der Beifahrerseite – ein Paket, das Lolo klar in die Kategorie „Expeditionsvan“ einordnet, ohne dabei völlig übertrieben zu wirken.
Spannend ist, dass Benchmark Vehicles diesen robusten Außenauftritt mit einem Innenraum kombiniert, der praktisch so weit wie möglich vom rustikalen „Selbstausbau im Baumarktstil“ entfernt ist. Die Verarbeitungsqualität und Materialwahl zeigen klar, für welchen Einsatzzweck Lolo gebaut wurde: lange Reisen, Vier-Jahreszeiten-Bewohnbarkeit und ein hoher Wohnkomfort, der auch an Regentagen oder im skandinavischen Winter noch Laune macht.
Vier-Jahreszeiten-Komfort: Dämmung, Wärme und Kälte im Griff

Das Herzstück des Konzepts ist die konsequente Vier-Jahreszeiten-Ausrichtung. Die Isolierung erfolgt mit Havelock Wool – Schafwolle statt synthetischer Matten. Für Vanlife bedeutet das: gute Feuchtigkeitsregulierung, angenehmes Raumklima und ein Dämmmaterial, das nicht nur im Sommer gegen Hitze hilft, sondern vor allem in der Übergangszeit und im Winter für stabile Temperaturen sorgt. Kombiniert mit isolierten Fensterabdeckungen für die Frontscheibe sowie Fahrer- und Beifahrerfenster entsteht ein Innenraum, der weniger nach blecherner Kiste und mehr nach Tiny House wirkt.
Ergänzt wird das Ganze von einem Ausbau, der Wärmebrücken reduziert. Der Boden ist mit Lonseal-Belag versehen, inklusive ausgearbeiteter Einstiegsbereiche – praktisch, weil die stark beanspruchten Zonen robust und leicht zu reinigen bleiben. Wer schon einmal mit nassen Wanderschuhen im Van stand, weiß diese Details zu schätzen. Auch die Verwendung von Flarespace-Flares erweitert den nutzbaren Innenraum: Die seitlichen Ausbuchtungen am Heck erlauben ein Querschlafen, was bei einem 170er Sprinter Platz für mehr Stauraum oder eine komfortablere Raumaufteilung schafft.
Innenraum mit Charakter: Pendleton, Madrone und Corian

Der Innenausbau von Lolo ist mehr als nur funktional. Eine speziell angefertigte Dachverkleidung mit Pendleton-Stoff zieht sich wie ein roter Faden durch den Wohnbereich und verleiht dem Van eine eigene visuelle Identität. In Kombination mit Möbeln, die mit South Co-Hardware ausgestattet sind, und Arbeitsflächen aus Corian entsteht ein Look, der eher an hochwertigen Innenausbau im Yacht- oder Wohnbereich erinnert. Das ist nicht nur Optik: Corian ist widerstandsfähig, pflegeleicht und ideal für die Küche, in der eine Webasto-Dieselkochstelle, ein Edelstahlspülbecken mit Armatur sowie ein Vitrifrigo-Kühlschrank arbeiten.
Ein weiteres Detail mit echtem Alltagsnutzen ist der Lagun-Tischfuß, auf dem eine Tischplatte aus Pacific Madrone thront. Diese Lösung ist unter Vanlifern beliebt, weil der Tisch flexibel dreh- und verschiebbar ist und sich so an verschiedene Situationen anpassen lässt – vom mobilen Büro bis zum Frühstück für zwei. Dazu kommt eine Zwei-Panel-Bettkonstruktion mit einer etwa 11,5 Zentimeter dicken Memory-Foam-Matratze, die auf Langzeitkomfort ausgelegt ist. Wer dauerhaft im Van lebt oder mehrere Wochen am Stück unterwegs ist, weiß, wie viel Lebensqualität eine wirklich gute Matratze bringt.
Wasser- und Sanitärsystem: Autarkie auch abseits von Campingplätzen

Im Bereich Wasser setzt Lolo klare Statements in Richtung Autarkie. Ein Edelstahltank mit rund 132 Litern Frischwasser inklusive Vier-Jahreszeiten-Frostschutz ist für längere Touren dimensioniert und dank Materialwahl lebensmittelecht und robust. Das Guzzle-H2O-Filtersystem sorgt dafür, dass Wasser aus unterschiedlichen Quellen aufbereitet werden kann – ein echtes Plus, wenn nicht immer an klassischer Infrastruktur aufgefüllt wird. Für Vanlife in Regionen mit zweifelhafter Wasserqualität ist das ein entscheidender Sicherheits- und Komfortfaktor.
Erstaunlich durchdacht ist das Badkonzept. Eine Innenraumdusche mit „Phantomtür“ – also einer Lösung, die bei Nichtgebrauch kaum Platz wegnimmt – ermöglicht echtes Duschen im Fahrzeug, ohne dass der Van sich in eine Tropfsteinhöhle verwandelt. Ergänzt wird das durch eine eingebaute Vollspültoilette von Thetford mit außenliegendem Fäkalientank. Damit bewegt sich Lolo deutlich über dem Level klassischer Chemietoiletten mit Kassette. Wer länger autark stehen möchte oder häufig in Regionen unterwegs ist, in denen Entsorgungspunkte rar sind, profitiert von dieser trennscharfen Lösung.
Faszination Stromsystem: 630 Ah Lithium für echtes Offgrid-Leben

Das vielleicht spannendste Einzelmerkmal von Lolo ist die Energieversorgung. Eine Lithium-Bank von Lithionics mit 630 Amperestunden bildet das Herz des Systems. In einem 12-Volt-System bedeutet das eine enorme nutzbare Kapazität. Zusammen mit einem 3000-Watt-Xantrex-Freedom-XC-Pro-Wechselrichter versorgt das System zahlreiche Verbraucher an Bord; verbaut sind unter anderem ein Webasto-Dieselkochfeld sowie eine Cruise n Comfort-Klimaanlage als verdeckt montiertes Innenraumgerät.
Auf dem Dach arbeitet eine 300-Watt-Solaranlage von Zamp als Primärquelle für den Nachschub an Sonnenstrom. In der Praxis reicht diese Leistung, um im Sommer bei moderatem Verbrauch weitgehend netzunabhängig zu sein. Im Zusammenspiel mit der großen Batteriebank ermöglicht das System, auch mehrere wolkige Tage zu überbrücken, ohne sofort auf Landstrom angewiesen zu sein. Für Langzeitreisende, die gerne abseits klassischer Stellplätze stehen, ist das ein zentraler Baustein.
Bemerkenswert ist zudem die Integration einer Cruise n Comfort-Klimaanlage im Innenraum. Anders als viele nachgerüstete Klimageräte ist dieses System auf verdeckten Einbau ausgelegt und damit leiser und optisch zurückhaltender. Für Vanlife bedeutet das: Auch bei hohen Temperaturen bleibt der Innenraum halbwegs beherrschbar, ohne dauerhaft auf externe Stromquellen angewiesen zu sein – vorausgesetzt, die enorme Lithiumkapazität wird verantwortungsvoll genutzt.
Sitzen, Schlafen, Reisen: Flexible Nutzung für Alltag und Tour
Bei der Sitz- und Schlafkonfiguration geht Lolo eigene Wege. Neben den vorderen Plätzen gibt es einen Einzelsitz im Wohnbereich, der sich zu einem zusätzlichen Bett umbauen lässt. Das ist vor allem für wechselnde Crews interessant: Tagsüber arbeitet dieser Sitz als zusätzlicher sicherer Platz während der Fahrt, nachts verwandelt er sich in eine Schlafgelegenheit, etwa für ein Kind oder einen weiteren Erwachsenen.
Die Hauptschlafzone mit Zwei-Panel-Bett profitiert von den Flares am Heck, sodass quer geschlafen werden kann und die Länge im Wohnraum erhalten bleibt. In Summe entsteht ein Layout, das sowohl für Paare mit gelegentlichem Besuch als auch für Solo-Reisende mit hoher Komforterwartung funktioniert. Dass Benchmark Vehicles zudem alle Fenster im Fahrerhaus und an den vorderen Seiten mit isolierten Covern ausstattet, zahlt direkt auf Wintertauglichkeit, Privatsphäre und Temperaturmanagement ein.
Exterieur und Zugang: Leiter, Dachträger und elektrische Trittstufen
Außen zeigt Lolo, dass Design und Funktion nicht im Widerspruch stehen müssen. Die Roambuilt-Seitenleiter erleichtert den Zugang zum Dachträger, auf dem sich nicht nur das Solarsystem, sondern auch zusätzliche Transportkapazität befindet – etwa für Sportgeräte oder Boxen. Diode-Arbeitsleuchten an der Beifahrerseite machen den Bereich um den Van herum nutzbar, wenn es dunkel wird: Kochen unter der Markise, Ausrüstung sortieren oder einfach ein später Stellplatzwechsel werden deutlich stressfreier.
Ein Komfortdetail, das im Alltag viel ausmacht, sind die elektrischen AMP-Trittstufen an Fahrer- und Beifahrerseite. Sie erleichtern das Ein- und Aussteigen spürbar, besonders bei höhergelegten Fahrzeugen mit Offroad-Fahrwerk. Gleichzeitig verschwinden sie beim Fahren nahezu bündig mit der Karosserie, sodass die Geländegängigkeit und Bodenfreiheit erhalten bleiben.
Fazit: Luxus-Expeditionsvan mit klarer Zielgruppe
Lolo von Benchmark Vehicles ist kein Van für Einsteiger und sicher keiner für kleines Budget. Er richtet sich an Reisende, die ihr Fahrzeug als mobiles Zuhause auf Zeit begreifen und dabei keine Kompromisse bei Ausbauqualität, Autarkie und Vier-Jahreszeiten-Tauglichkeit eingehen möchten. Der Allrad-Sprinter mit Offroad-Fahrwerk, großer Lithium-Batteriebank, 300-Watt-Solaranlage, vollwertigem Sanitärsystem und durchdachtem Innenausbau mit hochwertigen Materialien positioniert sich klar im Premiumsegment moderner Vanlife-Fahrzeuge.
Der Preis für den Benchmark Vehicles Lolo wird von der ausbauenden Manufaktur individuell kalkuliert und orientiert sich am hohen technischen und handwerklichen Niveau des 2020 Mercedes Sprinter 170 4×4 mit Vollausbau.
Bilder: Hersteller















