Dieser Camper auf Basis des langen Mercedes Sprinter mit Allradantrieb zielt auf Vanlifer ab, die sich nicht mit halben Lösungen zufriedengibt. Der Ausbau setzt konsequent auf Vier-Jahreszeiten-Tauglichkeit, hohen Komfort und Offroad-Fähigkeiten. Bemerkenswert ist, wie Technik, Stauraum und Alltagstauglichkeit ineinandergreifen – ohne den Charakter eines Reisefahrzeugs zu verlieren, das mehrere Wochen autark stehen kann.
Basisfahrzeug und Technik für lange Touren

Die Basis bildet ein 2023er Sprinter 170 mit Allradantrieb, also die lange Version mit viel Innenraum und genügend Radstand für ein ausgewachsenes Wohnkonzept. Für Langstrecken und abgelegene Regionen ist der vergrößerte Kraftstofftank interessant: Der Serienbehälter wurde durch einen 45-Gallonen-Tank ersetzt, das entspricht etwa 170 Litern. Zusammen mit dem sparsamen Basisfahrzeug entsteht so eine enorme Reichweite, was gerade in dünn besiedelten Gegenden Nordskandinaviens oder im Süden Europas ein Sicherheitsplus ist.
Zur technischen Ausstattung gehören ein 3000-Watt-Inverter/Ladegerät von Xantrex, ein 280-Ampere-Zusatzgenerator von Nations und ein 30-Ampere-Landstromanschluss. In Kombination mit einem 640-Amperestunden-Lithiumsystem von Lithionics ergibt sich ein Energiekonzept, das den Betrieb moderner Haushaltsgeräte ermöglicht, ohne ständig auf die nächste Steckdose schielen zu müssen. Besonders im Vanlife-Kontext, wo häufig Laptop, Kameraequipment und Küchengeräte parallel laufen, ist das ein spürbarer Komfortgewinn.
Vier-Jahreszeiten-Isolierung und Innenausbau für Vanlife

Der Innenraum ist klar auf ganzjährigen Einsatz ausgelegt. Havelock-Wolle als Dämmmaterial sorgt für Feuchtigkeitsregulierung und einen stabilen Temperaturhaushalt – ein Punkt, der über den reinen R-Wert hinaus wichtig ist. Wer schon einmal im Herbst länger im Van stand, weiß, wie schnell sich Kondenswasser und muffige Luft einstellen können. Die Kombination mit isolierten Fensterabdeckungen für Fahrerhaus- und Seitenscheiben sowie einem isolierten Vorhang hinter den Vordersitzen macht den Aufbau zu einer Art thermischer Kapsel.
Die Möbel sind in Fenix ausgeführt, mit Softclose-Mechanik, hochwertigen Blum-Auszügen und durchdachten Benchmark-Organizer-Systemen. CNC-gefräste Schaumeinsätze für Besteck, Yeti-Becher und Kochgeschirr verhindern Klappern und sorgen dafür, dass Ausrüstung auch auf Wellblechpisten an ihrem Platz bleibt. Ein Lagun-Tisch mit Walnussplatte, Innenbeleuchtung in den Schränken und eine speziell dimensionierte Kaffeestation mit einer Breville Grind Control Kaffeemaschine zeigen, dass hier Alltagsdetails ernst genommen werden, die im Vanlife häufig den Unterschied zwischen „im Van leben“ und „im Van überleben“ ausmachen.
Kochen, Wasser und Autarkie an Bord

Die Küche setzt auf eine klare Trennung zwischen Gas und Strom: Ein einzelnes Induktionsfeld übernimmt das Kochen, unterstützt von einem GE-Mikrowellenofen mit geringem Stromverbrauch und Konvektionsfunktion. Zusammen mit dem Vitifrigo-Kühlschrank mit rund 139 Litern Volumen (4,9 Kubikfuß) und einem Blanco-Spülbecken mit Brizo-Odin-Wasserhahn entsteht eine Kochzone, die eher an eine kompakte Stadtwohnung erinnert als an einen Camper.
Beim Wassersystem zeigt sich die Langzeitperspektive des Ausbaus. Ein Edelstahl-Frischwassertank mit rund 132 Litern (35 Gallonen) und zwei Grauwassertanks erlauben längere Standzeiten fernab von Ver- und Entsorgungsstationen. Eine Guzzle-H2O-Wasserfilteranlage mit zweitem Füllstandsensor versorgt einen separaten Trinkwasserhahn auf der Arbeitsplatte. Das reduziert Plastikmüll unterwegs und stärkt die Unabhängigkeit von Supermärkten. Gesteuert und überwacht wird das Abwassersystem über einen Votronic-Tankmonitor mit elektrischen Ablassventilen – praktisch, wenn die Entsorgung mal im strömenden Regen stattfinden muss.
Dusche, Schlafbereich und Alltagstauglichkeit

Der Ausbau integriert eine Innendusche mit sogenannter Phantom-Tür und Holzbodenrost. L-Track-Schienen mit flächenbündigen Haken im Duschbereich erlauben es, Kleidung oder Ausrüstung zum Trocknen aufzuhängen, ohne den Wohnbereich zu blockieren. Für viele Vanlifer ist eine vollwertige Dusche nach ein paar Tagen Offgrid ein echter Stimmungsfaktor – hier wird sie klar als integraler Bestandteil des Wohnkonzepts behandelt statt als Notlösung. Ergänzt werden die Optionen durch zwei Außenduschen – eine am Heck und eine an der Seitenseite beim Systems-Case – sowie ein Isotemp-Warmwassersystem, das ein Komfortniveau schafft, das üblicherweise großen Expeditionsmobilen vorbehalten ist.
Der Schlafbereich setzt auf ein Plattformbett mit 11,5 Zentimeter starker Memory-Foam-Matratze und Froli-Federungssystem. Das verbessert Belüftung und Liegekomfort, was auf längeren Reisen entscheidender ist, als es auf dem Papier klingt. An den Hecktüren und im „Garagenbereich“ unter dem Bett finden sich Softbags von Benchmark für flexible Staulösungen. Eine Ladeluke und eine Bunkleiter sorgen für die Trennung zwischen Garage und Wohnraum, ohne die Zugänglichkeit einzuschränken.
Sitze, Sicherheit und Innenraumkomfort

Statt der Seriensitze kommen Scheel-Mann-Sitze zum Einsatz, individuell bezogen und abgestimmt auf das Fahrzeugdesign. Sie ersetzen Fahrer- und Beifahrersitz und bieten mehr Seitenhalt und Unterstützung auf langen Etappen. Ergänzt wird das Setup durch eine Scopema-Neptune-Einzelsitzbank (60 Zentimeter breit), ebenfalls passend bezogen. Eine Sitzbank an der Schiebetür ist im gleichen Stil gepolstert. Damit wird der vordere Fahrzeugbereich zu einer Art Lounge, die sowohl während der Fahrt als auch im Stand funktioniert.
Ein Pedal-Box-Gaspedaltuning und ein Modul zur Tachoanpassung verbessern die Fahrbarkeit und sorgen für korrekte Geschwindigkeitsanzeigen trotz größerer Bereifung. Das Audio-System von Benchmark (Stage 3) mit 3D-gedruckten A-Säulen-Lautsprecherpods bringt Klangqualität ins Cockpit, die auch längere Autobahnetappen akustisch erträglich macht. Ein Element-Feuerlöscher mit Magnetbefestigung ist schnell erreichbar und zeigt, dass Sicherheitsaspekte nicht vergessen wurden.
Offroad-Paket, Fahrwerk und Außenauftritt

Für schwierige Pisten setzt der Deso 2023 Sprinter 170 AWD auf ein Agile Offroad RIP-Fahrwerkskit mit Fox-2.0-Stoßdämpfern. Zusammen mit Owl-Talon-Felgen und BFGoodrich-KO2-Reifen in der Dimension 285/70 R17 – also rund 83 Zentimeter Reifendurchmesser – entsteht eine Kombination, die auch Schotterpisten, Schlamm und Schneematsch gewachsen ist. Van-Compass-Unterfahrschutzplatten vorne und ein Tug-Step-Hecktrittschutz bewahren empfindliche Fahrzeugbereiche.
Eine erhöhte Luftansaugung mit Schnorchel und Terrawagen-Vorfilter schützt den Motor bei Staubfahrten. Zusätzliche Sensorabdeckungen von Agile Offroad sichern die Raddrehzahlsensoren. Die unteren Schwellerflächen sind mit Line-X beschichtet, der Kühlergrill mit Ultra-Line-X, um Steinschlag und Kratzern besser zu widerstehen. X-Bull-Kotflügelverbreiterungen schaffen Platz für die größere Bereifung und unterstreichen den funktionalen Offroad-Look, der durch eine Komplettfolierung in Xpel Stealth noch einmal eigenständig wirkt.
Beleuchtung, Dachträger und Außenarbeit

Die Lichtanlage geht weit über das Seriensetup hinaus. Ein Roambuilt Safari Rack 2.0 trägt Baja-LP6-Zusatzscheinwerfer und Rigid-Arbeitsleuchten, dazu kommen weitere LP6 an der Stoßstange, LP4 auf der Motorhaube und Baja-Squadron-Leuchten an Stelle der Nebelscheinwerfer. Ein Piaa-Hornkit erhöht die akustische Präsenz. Für den praktischen Alltag bedeutet das bessere Sicht auf Pisten, Stellplätzen ohne Infrastruktur und beim Rangieren im Dunkeln.
Auf dem Dach sitzen neben dem Träger Zamp-Obsidian-Solarmodule mit 245 Watt Leistung sowie ROAM-Adventure-Boxen mit 83 Litern Volumen. Maxx Tracks-Bergungsschienen sind dort ebenfalls montiert. Ein Nomadic Cooling X3 12-Volt-Klimagerät sorgt zusammen mit einem Maxx-Air-Dachlüfter für Temperaturkontrolle im Innenraum, auch wenn der Motor längst aus ist. Für Arbeit unterwegs ist Starlink mit Oberflächenmontage-Kit verbaut – ein deutlicher Hinweis auf eine Zielgruppe, die unterwegs online arbeiten möchte.
Markise, Türen und Stauraumlösungen außen

Eine elektrisch ausfahrbare Girard-Markise mit LED-Beleuchtung schafft einen wettergeschützten Außenbereich. AMP-Powersteps an Fahrer- und Beifahrertür erleichtern den Einstieg ins höhergelegte Fahrzeug. Hinten sitzt ein Owl-Vans-Hecktürträger mit Reserveradhalter und Leiter sowie ein Sherpa-Trägersystem mit Expeditionsbox, Gear Cage und DMOS-Schaufel. Damit lassen sich nasse, sperrige oder schmutzige Gegenstände außen verstauen, ohne den Wohnraum zu belasten.
An der Hecktür findet sich außerdem eine Außendusche, eine weitere Dusche an der seitlichen Anlageneinheit auf der Beifahrerseite. In Kombination mit den Benchmark-Bug- und Wetterschutzgittern für Heck- und Schiebetür sowie maßgefertigten Chilewich-Matten von Inhabit Design Works von der Fahrerkabine bis in die Garage entsteht ein Wohnraum, der sich nach einem langen Tag auf dem Trail schnell wieder in einen sauberen, bewohnbaren Zustand versetzen lässt.
Zum Preis dieses Ausbaus werden keine Angaben gemacht, doch schon der Umfang der Ausstattung und die Materialwahl lassen klar erkennen, dass der Deso 2023 Sprinter 170 AWD in einer oberen Liga der Vanlife-Fahrzeuge spielt – technisch wie konzeptionell.
Bilder: Hersteller















