Ein Land Rover Defender 110 Station Wagon, hochbeinig auf grobstolligen Mud-Terrain-Reifen, mit Schnorchel und deutlich erhöhter Bodenfreiheit: Dieses Fahrzeug ist alles andere als ein typischer Campingbus. Rund 300.000 Kilometer auf Asphalt und Schotter haben aus dem britischen Klassiker ein echtes Offroad-Biest gemacht – und genau dieses Biest wurde nun in einen durchdachten Camper verwandelt, der sich konsequent an den Bedürfnissen von Vanlife-Fans orientiert. Der martialisch auftretende Geländewagen mit individueller Sonderlackierung stammt von Halit, einem Kampfsporttrainer aus dem Ruhrgebiet, der mit seinem Defender unter anderem auf den Balkan, über den Bosporus und weiter Richtung Osten reisen will. Herausgekommen ist ein Umbau, der den Charakter des Fahrzeugs erhält und trotzdem viel Komfort auf kleinstem Raum bietet.
Defender bleibt Defender – trotz Camper-Ausbau

Typisch Defender: Der Innenraum ist robust, kantig und eng – perfekte Voraussetzungen für einen funktionalen Ausbau, aber auch eine Herausforderung für jede Planung. Die Möbel wurden deshalb nur bis etwa zur Unterkante der hinteren Seitenscheiben gebaut. So bleibt der luftige Fensterbereich frei und die ursprüngliche Linie des Geländewagens sichtbar. Sogar die zurückhaltende Kunststoffverkleidung des älteren Defender-Modells bleibt erhalten und wird bewusst in das neue Interieur integriert. Das Ergebnis wirkt nicht wie ein verbauter Kasten, sondern wie eine gelungene Mischung aus klassischem Offroader und modernem Reisemobil.
Die Grundidee des Innenlayouts folgt einem L-förmigen Konzept: Rechts zieht sich eine breite Längsbank entlang, links eine schlanke Küchenzeile. Dazwischen entsteht ein schmaler Gang, der sowohl den Zugang nach hinten als auch die Basis für die spätere Bettkonstruktion bildet. Diese Kombination ist für Langstreckenfahrten ebenso interessant wie für spontane Wochenendtrips – der Defender bleibt in erster Linie Fahrzeug und wird erst bei Bedarf zum Wohnraum.
Schlafplatz immer bereit: Längsbank als Ruhezone

Die rechte Längsbank ist das Herzstück des Wohnraums. Mit deutlich über 60 Zentimetern Tiefe taugt sie nicht nur als bequeme Sitzgelegenheit für zwei Personen, sondern auch als vollwertige Liegefläche für eine Person – ganz ohne Umbau. Wer an einem abgelegenen Pass nur kurz rasten will, klappt nichts um, schiebt nichts hin und her, sondern legt sich einfach hin. Auf langen Strecken ist das ein echtes Plus: kurze Powernaps an der Raststätte oder ein spontanes Nickerchen am Seeufer gelingen ohne großen Aufwand.
Unter der Bank verbergen sich zwei große Auszüge, die sich auch nutzen lassen, wenn jemand darauf sitzt. Ergänzend dazu wird das maximale Volumen der Rückenlehnen ausgeschöpft: Hinter der Lehne und unter den Karosserie-Kanten (den sogenannten Cappings) verbirgt sich weiterer Stauraum, erreichbar über Klappen. Der Standard-Tankeinfüllstutzen bleibt in diesem Bereich integriert, die Verkleidung dahinter ist mit 9 Millimetern Dämmung und darüber 3 Millimeter robustem Filz versehen. So bleibt es im Innenraum ruhiger und das Blech besser isoliert – ein spürbarer Vorteil bei Reisen in heiße oder kalte Regionen.
Stauraumwunder im Heck: quer, hoch und von außen zugänglich

Die Quersitzbank im Heck, direkt vor den hinteren Türen, erweitert das Stauraumkonzept. Sie ist in zwei Bereiche aufgeteilt: ein kleineres Fach wird von oben über eine Klappe in der Sitzfläche geöffnet und eignet sich für Kleinteile, die schnell zur Hand sein sollen. Das größere Fach sitzt hinter dem Beifahrersitz und ist sowohl von innen über eine Abdeckung als auch von außen über die rechte hintere Seitentür zugänglich. Hier liegt auch der Einfüllstutzen für den unterflur montierten Edelstahltank des Wassersystems – praktisch auf langen Reisen abseits der gängigen Routen.
Zusätzliche Ablagen finden sich entlang der Küchenzeile: Hinter dem Fahrersitz sorgen elastische Spanngummis für flexible Stauflächen, etwa für Erste-Hilfe-Set, Warnwesten oder Regenjacke. Ein erstes Schrankmodul gleich dahinter lässt sich sowohl vom Innenraum als auch über die hintere Seitentür auf der Fahrerseite bedienen. Weitere kleinere Fächer unter Kochfeld und Spüle sind mit flächenbündigen Scharnieren und justierbaren Hebelverschlüssen gesichert, damit bei Wellblechpisten nichts ungewollt aufspringt. Im letzten Fach vor der Heckklappe sitzt schließlich ein 12-Volt-Boiler mit rund 3 Litern Inhalt – genug, um unterwegs warmes Wasser für den Abwasch oder eine kleine Katzenwäsche bereitzustellen.
Küche im Defender: kochen drinnen, ausgeben draußen

Die Küchenzeile auf der Fahrerseite ist bewusst schmal gehalten, um den Durchgang zu erhalten. Ihre Arbeitsplatte in Schieferoptik ist wasserfest und robust, passend zum Charakter des Fahrzeugs. Darunter verbirgt sich ein großzügiges Spülbecken, gespeist aus einem Edelstahl-Frischwassertank unter dem Fahrzeugboden. Ein druckgesteuertes System versorgt einen Touch-Sensor-Wasserhahn, der direkt im Becken sitzt und sich versenken lässt. Wird die Spüle nicht benötigt, verschwindet sie unter einer passgenauen Abdeckplatte, die über Muschelgriffe und Magnete fixiert ist. Dadurch entsteht zusätzliche Arbeitsfläche – ein Detail, das im engen Defender-Alltag Gold wert ist.
Das Kochfeld ist als einflammiger Gasbrenner unter einem separaten Plattensegment integriert und wird fest über eine Gasleitung von einer Flasche im Radkastenmöbel gespeist. Platz findet es direkt vor dem seitlichen Schiebefenster auf der Fahrerseite. So kann beim Kochen sofort gelüftet werden, und bei gutem Wetter wird direkt von außen am geöffneten Fenster gekocht – eine pragmatische Lösung für alle, die ungern mit vollem Kochdunst im Innenraum sitzen. Am Ende der Küche, zur Heckklappe hin, bildet die Arbeitsplatte eine Art Tresen: Bei geöffneter Tür entsteht eine Durchreiche oder ein Steharbeitsplatz, ideal für einen schnellen Kaffee am Morgen oder als kleine Outdoor-Bar am Abend. Im letzten Küchenmodul sind zudem die Füllstandsanzeige für den Frischwassertank und der Auslass der Standheizung untergebracht.
Kühlung und Bettumbau: das raffinierte Detail im Gang

Zwischen Bank und Küche bleibt ein schmaler Gang, dessen vorderes Ende eine der spannendsten Lösungen dieses Ausbaus beherbergt: eine ausziehbare Kompressor-Kühlbox in Schubladenform. Sie lässt sich nicht nur von innen erreichen, sondern auch bequem von außen über die hintere Trittstufe öffnen. Wer am Strand steht oder auf einer staubigen Piste kurz anhalten will, muss also nicht erst ins Fahrzeug klettern, um ein kühles Getränk oder frische Lebensmittel zu holen. Genau dieses Detail macht den Ausbau besonders alltagstauglich und zeigt, wie durchdacht der Defender-Camper konstruiert ist.
Für die vollständige Liegefläche wurde ein eigenes Paneelsystem entwickelt. Da klassische Auflagebretter von oben wegen der flachen Bauweise nicht sinnvoll waren, schließen nun passgenaue Platten im positiven und negativen Formspiel den Gang und den Fußraum. Die obere Abdeckplatte der rechten Bank ist dabei mit kräftigen Magneten gesichert und lässt sich herausnehmen. Auf die Falze zwischen Bank und Küche aufgelegt, dient der verbleibende Bankkorpus als Lattenroststruktur. Auf diese Weise entsteht eine ebene Liegefläche für ein bis zwei Personen, ohne dass wertvolles Innenvolumen verloren geht. Tagsüber bleibt die benötigte Wohnfläche frei, nachts verwandelt sich der Offroader in ein kompaktes Schlafzimmer.
Arbeiten, essen, reisen: Lagun-Tisch für flexible Nutzung

Zum gelungenen Wohnkonzept gehört auch ein durchdachtes Tischsystem. Hier kommt ein Lagun-Tischfuß zum Einsatz, der sich schwenken, drehen und in der Höhe um etwa vier bis fünf Zentimeter verstellen lässt. Zusammen mit der Längsbank und der Querbank entsteht so ein kleiner, aber vielseitiger Sitz- und Arbeitsbereich für zwei Personen. Ob Laptop-Arbeitsplatz, Kartenstudium oder gemütliches Abendessen – die Tischplatte lässt sich immer so positionieren, dass der knappe Raum optimal genutzt wird. Wird kein Tisch benötigt, verschwindet die Platte samt Adapterrahmen hochkant hinter dem Beifahrersitz. Der Durchgang bleibt frei, und auch auf holprigen Pisten klappert nichts überflüssig im Innenraum.
Dieser Defender 110 zeigt, wie sich ein hartgesottener Geländewagen in einen vollwertigen Vanlife-Begleiter verwandeln lässt, ohne seine ursprüngliche DNA zu verlieren. Die Kombination aus robustem Offroad-Potenzial, cleverem Stauraumkonzept, immer verfügbarem Einzelschlafplatz und wandelbarer Doppelliegefläche macht das Fahrzeug interessant für Reisende, die lange Distanzen und raues Terrain nicht scheuen – und trotzdem nicht auf einen gewissen Komfort verzichten wollen. Angaben zu einem konkreten Kaufpreis für diesen Umbau liegen nicht vor, weshalb sich eine seriöse Nennung eines Euro-Betrags erübrigt.
Bilder: Hersteller















