Bevor Frank Jaksties seine Firma OLC Adventure gegründet hat, kaufte er einen alten XJ und baute ihn zum 4×4-Reisefahrzeug um. Der Jeep Cherokee wurde zum Camper. Für vanlifemag.de beschreibt Frank seinen einfachen Weg zum autarken Urlaub. Montierte er damals noch Dachzelt und Markise eines anderen Anbieters, hat er diese Dinge heute alle selbst im Sortiment. Denn mit dem XJ war die Lust auf mehr geweckt.
Womit in den nächsten Urlaub?

Anfang 2017 kam bei meiner Frau Andrea und mir die Frage nach dem nächsten Urlaub auf. Mittlerweile hatten wir keine Lust mehr auf überfüllte Strände und Touristenplätze. Aus dem Alter waren wir definitiv raus. Schon lange schlummerte in uns der Traum, ein offroadtaugliches Gefährt zu suchen, mit dem man, ganz autark, durch die Lande ziehen kann. Natürlich wurde im Internet geforscht, gefischt und wir sahen uns diverse Youtube-Videos über das Overlanding an. Die meisten Fahrzeuge sahen hervorragend aus. Einer schicker als der andere. Nur welches Fahrzeug passt zu uns und unseren Vorstellungen?
Eins stand bereits schon nach kurzer Zeit fest: Es sollte ein allradgetriebenes Fahrzeug sein, auf dem man ohne weiteres ein Dachzelt sowie eine Markise befestigen kann. So suchten wir auf dem Gebrauchtwagenmarkt nach diversen Modellen. Egal ob Toyota Land Cruiser, Mitsubishi Pajero oder auch Land Rover, alle hatten eines gemein: Sie waren – wenn in gutem Zustand – jenseits unserer Preisvorstellung oder passten auch nur annähernd in unserer Budget. Die Idee war somit schon fast im Keim erstickt. Durch mein Hobby als RC-Modellbauer kam dann die Idee, meinen im Maßstab 1:8 als Modell gebauten Jeep Cherokee als etwaigen Overlander in Betracht zu ziehen.

Also Markt abchecken. Nach einiger Zeit entdeckten wir in der Nähe von Dresden einen 97er Cherokee mit Vier-Liter-Sechszylinder in angeblich gutem Zustand und 1,5 Jahren TÜV. Es wurden viele Fotos vorab per E-Mail angesehen und dann schlussendlich die Reise ins Ungewisse gewagt. Der Zustand vor Ort entpuppte sich als wirklich außergewöhnlich gut und so wechselte der Wagen, nach einer lustigen Probefahrt und kurzer aber harter Verhandlung für 3.500 Euro den Besitzer. Die fünfhundert Kilometer bis zu seinem neuen Zuhause hat er ohne irgendwelche Sperenzchen durchgehalten.
Jeep Cherokee als Camper – der Umbau im Innenraum

Zu Hause wurde der Cherokee noch etwas genauer unter die Lupe genommen. Dabei kamen allerdings nur altersbedingte Verschleißteile auf die to-do-Liste. Da der Innenraum einfach zu klein ist, um hier eine Übernachtungsmöglichkeit zu schaffen und wir uns ja ohnehin die Idee mit dem Dachzelt in den Kopf gesetzt hatten, wurde also zunächst das Projekt Innenausbau in Angriff genommen. Also wieder fischen und forschen, planen, zeichnen und verschiedene Möglichkeiten durchzelebrieren. Da uns nur ein geringes Budget zur Verfügung stand, kam nur ein Ausbau in Eigenregie in Frage.

Um das Gewicht des Ausbaus möglichst niedrig zu halten, dabei aber trotzdem eine hohe Belastbarkeit zu erreichen, entschieden wir uns für Pappelsperrholz. Die komplette Rücksitzbank wich einer eigenen Konstruktion, die den Ladeboden des Kofferraums bis zu den vorderen Sitzen verlängerte. Auf ihr sollte hinter dem Beifahrersitz der vierzig Liter fassende Kühlschrank angegurtet werden. Hinter dem Fahrersitz bekam der Ladeboden eine großzügige Klappe samt Stoßdämpfer. Dieser hält die Klappe in fast senkrechter Position, damit man mit beiden Händen im darunter liegenden Fach kramen kann. Ist die Klappe zu, hat darauf unser Reisegepäck in Form von zwei Reisetaschen seinen Platz.

Der einfache Weg – ein Platz für die Euroboxen

Für den eigentlichen Laderaum im Heck des Cherokee wurde ein Kasten aus Holz gezimmert. Dafür wurde das Pappelholz im Baumarkt in zehn und zwölf Millimeter Stärke gekauft und auf Maß zugeschnitten. Zu Hause brauchten die Bretter dann nur noch zusammengeschraubt, lackiert und mit Teppich bezogen werden. Mit seiner Tiefe von achtzig Zentimetern passen dort hervorragend vier Euroboxen hinein. Die Höhe war auf 60 Zentimeter beschränkt, weil obenauf noch eine Gitterbox für unsere beiden kleinen Hunde ihren Platz finden sollte. Da die Holzbox eine Breite von einem Meter aufweist, kommt dies den originalen Zurrpunkten auf dem Boden des Jeeps zugute. Also wurde die Box mit zwei Spanngurten gegen unfreiwilliges Verrutschen gesichert.

Die vier Euroboxen sind nach groben Kriterien sortiert. Unten rechts befinden sich Bergezeug, Ersatzteile, Seile und Lampen jeglicher Art. Darüber ist die sogenannte Kochkiste zu finden. Hier gibt es einen kleinen Gaskocher für zwischendurch, Gaskartuschen und den Safari Grill II. Dieser dient quasi als Herdersatz. Links teilen sich die Boxen in Geschirr und Lebensmittel auf. Zwischen den Euroboxen ist noch eine Nische, in der noch zwei Werkzeugkoffer hochkant ihren Platz finden. Für den Innenraum sollte es das erstmal gewesen sein.
Das Dachzelt – der einfache Weg zum autarken Urlaub

Als Schlafmöglichkeit kam für uns ein klassisches Dachzelt in 140 Zentimeter Breite in Frage. Beim Preis von knapp 1.000 Euro waren sogar noch das Vorzelt samt Boden und eine Markise in zwei Meter Breite und einem Auszug von 2,5 Metern im Budget. Gekauft haben wir alles zusammen bei Offroad Manni in Freilassing. Uns war der direkte Kontakt zu einem deutschen Hersteller beziehungsweise Vertrieb wichtig. Dort wurden wir auch darauf hingewiesen, dass es ratsam ist gleich die Matratzenunterlüftung mitzunehmen. Für uns ist sie mittlerweile ein Muss, denn die Feuchtigkeit unter einer Dachzeltmatratze ist schon enorm, wenn man nicht mit einer geeigneten Unterlage vorbeugt.

Montiert wurde das Dachzelt auf dem Jeep mittels zweier ganz normaler Regenrinnenträger. Das Zelt wurde so weit hinten positioniert, dass man grad noch die Heckklappe aufmachen konnte, ohne mit dem Zelt zu kollidieren. Der so gewonnene Platz im vorderen Dachbereich ließ noch den Eigenbau eines Dachgepäckträgers zu. Dieser wurde aus zweiundzwanzig Millimeter starkem Stahlrohr und Stahlgitter zusammengeschweißt und mit schwarzem Schmiedelack gegen Rost geschützt. Auch er wurde mit Regenrinnenträgern am Fahrzeug befestigt.

Da der Cherokee bekanntermaßen kein großes Fahrzeug ist und er nicht ausreichend Platz für den achtundvierzig-Zoll-High-Lift Wagenheber aufwies, wurde dieser liegend auf dem neuen Dachträger befestigt. Zwischen Windschutzscheibe und Dachgepäckträger war noch ausreichend Platz für eine LED Lightbar, ebenfalls von Offroad Manni. Trotz ihres schlanken Designs macht sie die Nacht zum Tag und dient damit hervorragend als Arbeitsscheinwerfer.
Der Jeep Cherokee XJ als 4×4-Camper für den autarken Urlaub

Um auch mal ein paar Tage unabhängig vom Stromnetz unterwegs sein zu können, haben wir uns dazu entschieden eine Zweitbatterie einzubauen. Der Sechszylinder des Cherokee ließ uns keine andere Wahl, als den Luftfilterkasten auszubauen und die Batterie dort einzupflanzen. Eine originale Batteriehalterung des Cherokees musste nur etwas beschnitten werden, um sie zu befestigen. Ein Trennrelais wurde installiert und die nötigen Kabel verlegt. Die spannungsführende Hauptleitung wurde direkt ins Fahrzeuginnere gelegt und endet vor dem rechten Hinterrad. Dort wird das Kabel über einen Stecker mit der Verteilerbox verbunden. In dieser befindet sich ein Verteiler, der gleichzeitig als Sicherungskasten dient. So ist jeder Stromabnehmer einzeln abgesichert. Die Box verfügt über eine Spannungsanzeige, vier USB- und zwei Kfz-Steckdosen.

Der Umbau des Cherokee hat gute 3,5 Monate gedauert. Die Kosten haben sich so gestaltet, dass sich der Anschaffungspreis insgesamt fast verdoppelt hat. Ein so zum Overlander umgebautes Fahrzeug wird man zu diesem Preis sicherlich nirgends angeboten bekommen. So ausgestattet sollte es im Sommer 2017 schließlich das erste Mal auf Tour gehen. Nach Möglichkeit fernab der Zivilisation.

Weitere Pläne für die Zukunft von Franks XJ sahen eine versteckte Winde, größere Reifen und ein paar andere Kleinigkeiten vor. Doch mittlerweile, rund acht Jahre später, hat er den Cherokee, der lange Zeit noch mit OLC-Produkten bestückt auf den verschiedenen Camper und Offroadmessen zu sehen war, verkauft. Sein aktuelles Fahrzeug ist ein VW Amarok, auf dessen Pritsche der Wingman von Wild Land montiert ist. Der Wingman ist eines der neuesten Produkte im Sortiment von OLC Adventure – und natürlich ebenso zum autarken Reisen geeignet.
Bilder: Frank Jaksties, Text: Frank Jaksties, Michael Scheler











