Viele Camper erzählen von Freiheit. Andere von Funktion. Die Libelle zieht die Sache anders auf. Basis ist ein Mercedes-Benz Sprinter, Baujahr 2020. Länge 2, Höhe 2, Heckantrieb. Das sind die nüchternen Daten. Schon der erste Blick zeigt aber: Dieses Einzelstück ordnet sich nicht dem reinen Nutzwert unter. Es geht um Stimmung, Rückzug und Reisen als sehr persönliche Form des Wohnens.
Die Libelle ist ein individueller Innenausbau für Leute, die nicht den nächsten Standard-Kastenwagen suchen. Der Grundriss wirkt frei, ungewöhnlich und ziemlich bewusst gesetzt. Nicht so, als hätte man Möbel in ein Fahrzeug gestellt, sondern eher eine Wohnidee in den Sprinter gebaut. Lange Abende, Gespräche, ein Glas Wein und diese kleinen Routinen unterwegs, die später hängen bleiben – genau dafür ist dieser Campervan gemacht.
Ein Grundriss, der Nähe und Ruhe schafft

Im Heck sitzt ein Querbett mit zwei Schlafplätzen und 150 Zentimetern Breite. Das ist in dieser Sprinter-Klasse ein relevanter Punkt. Das Bett bleibt brauchbar, ohne den ganzen Innenraum zu schlucken. Direkt davor liegt mit zwei gegenüberliegenden Sitzen und einem ausziehbaren Tisch ein Bereich, der weniger nach klassischer Sitzgruppe aussieht und mehr nach kleiner Lounge.

Gerade für Paare passt dieses Layout. Die Libelle wird klar als Campervan für Verliebte und Genießer beschrieben, und der Ausbau bestätigt das an vielen Stellen. Unter einem der beiden Sitze sitzt sogar ein Fach für Weinflaschen. Kleines Detail, klare Aussage. Hier zählt nicht die maximale Personenzahl, sondern die Qualität der Zeit unterwegs.

Getrenntes Fahrerhaus, klare Wohnatmosphäre
Zum Cockpit hin wurde eine Trennwand mit Tür eingezogen. Das hat praktische Gründe – Licht und Sicherheit spielen mit hinein –, verändert aber vor allem das Raumgefühl. In vielen Kastenwagen bleibt das Fahrerhaus optisch immer Teil des Wohnraums. In der Libelle ist der Wohnbereich dagegen klarer gefasst. Das macht den Ausbau wohnlicher und schafft einen Rückzugsraum, wie man ihn sonst eher aus größeren Reisemobilen kennt – nur eben hier in einem sechs Meter langen Sprinter.

Kunst im Camper statt bloßer Dekoration

Die auffälligste Besonderheit der Libelle ist ihre gestalterische Handschrift. Die Innenwände wurden auf Wunsch der Besitzer vom Hamburger Künstler Bobbie Serrano veredelt. Auch die Trennwand trägt diese Bearbeitung. Damit wird der Ausbau nicht nur individuell, sondern erzählerisch. Jede Fläche soll Emotion tragen, jedes Detail eine eigene Geschichte. Warme Farben und ausgewählte Materialien stützen diesen Eindruck.
Dazu passt das echte Wiener Geflecht in den Oberschränken. So ein Material kennt man eher aus dem Möbel- und Interior-Bereich als aus dem üblichen Camperausbau. Genau da liegt der Punkt. Die Libelle will nicht nach Werkstatt, Utility-Mobil oder grobem Look wirken, sondern nach sorgfältig komponiertem Wohnraum auf Rädern.

Backgammon statt bloßer Tischplatte
Ein Detail zeigt gut, wie konsequent das Fahrzeug gedacht ist: Die Tischplatte lässt sich wenden, auf der Rückseite liegt ein Backgammon-Spielfeld. Solche Lösungen sind im Vanlife keine bloße Spielerei. Sie geben dem Raum Charakter und fördern genau die ruhigen Momente, für die man unterwegs Zeit haben muss. Wenn Regen auf die Karosserie trommelt oder der Abend länger wird, wird aus einem Möbelstück plötzlich Beschäftigung, Atmosphäre und Erinnerung.
Technik, die zum Reisen passt

Technisch ist die Libelle klar auf komfortables Vanlife ausgelegt. Die Stromversorgung läuft über eine 150-Ah-Lithium-Batterie, kombiniert mit einem Ladebooster mit 30 A. Für viele Reiseszenarien sind das solide Reserven für Licht, Kühlung und die üblichen Verbraucher. Dazu kommt ein Landstrom-Anschluss mit Vorrangsschaltung. Auf Camping- und Stellplätzen macht das den Standbetrieb angenehm unkompliziert.
Die Küche verteilt sich auf zwei Zonen: ein Teil auf der Fahrerseite, ein weiterer nahe der Schiebetür. Im Alltag kann das sehr sinnvoll sein, weil es Bewegungsfläche schafft und das Kochen entzerrt. Verbaut sind eine 2-Flammen-Gaskochstelle und ein 70-Liter-Kompressor-Kühlschrank, ein Dometic RC10.4 70 mit Doppelscharnier an der Tür. Für einen Campervan dieser Größe ist das eine stimmige Kombination, die kurze wie längere Reisen sauber abdeckt.
Wasser, Wärme und Alltagstauglichkeit
Ein 100-Liter-Frischwassertank mit Druckmembranpumpe liefert eine ordentliche Basis für ein paar unabhängige Tage. Dazu kommt eine Heckdusche hinter der Hecktür. Gerade im Sommer, nach Strandtag, Wanderung oder Bike-Runde, ist so etwas im Alltag schnell mehr als nur ein nettes Extra. Geheizt wird mit einer 2-kW-Dieselluftstandheizung, außerdem gibt es eine ausziehbare Trockentrenntoilette. Man sieht also: Die Libelle will nicht nur gut aussehen, sie soll auch abseits klassischer Infrastruktur funktionieren.

Sprinter-Basis mit passendem Charakter
Als Basis dient ein Mercedes-Benz Sprinter. Dass die Libelle auf Heckantrieb setzt, passt zum Charakter des Projekts. Diese Konfiguration gehört beim Sprinter zu den klassischen Varianten und steht für das robuste, vertraute Fahrgefühl, das viele Reisemobilisten an dem Fahrzeug schätzen.
Außen kommen eine Fiamma F45s Markise in Deep Black, schwarz matt folierte Fensterflächen und ein Longsleeper auf der Fahrerseite dazu. Montiert sind außerdem Ganzjahresreifen auf schwarzen 17-Zoll-Stahlfelgen. Das ergibt kein lautes Exterieur, sondern einen stimmigen, dunklen und eher eleganten Auftritt. Für Leserinnen und Leser in Deutschland noch wichtig: Dieser Ausbau wird aktuell nur in Deutschland produziert und geliefert. Damit bleibt die Libelle hierzulande ein greifbares Einzelstück – und eines, das man auf dem Stellplatz kaum ein zweites Mal sehen dürfte.
Bilder: Hersteller
FAQ
Für wen eignet sich die Libelle besonders?
Die Libelle passt vor allem zu Menschen, die in einem Camper nicht nur eine praktische Reisemaschine sehen, sondern einen persönlichen Wohnraum mit Charakter. Vor allem Paare, Genießer und Designliebhaber dürften mit diesem Konzept etwas anfangen können. Der Grundriss ist auf Nähe, Ruhe und gemeinsame Momente ausgelegt, nicht auf maximale Bettenzahl oder reine Funktion. Wer Wert auf Atmosphäre, gute Materialien und besondere Details legt, findet hier ein sehr eigenständiges Fahrzeug. Für große Familien oder Nutzer mit streng funktionalem Blick ist dieses Einzelstück dagegen wohl weniger gedacht als für Reisende mit Sinn für Stil.
Was macht die Libelle anders als viele andere Campervans?
Der größte Unterschied liegt in der Verbindung aus Kunst, Innenarchitektur und Reisetauglichkeit. Viele Camper setzen entweder auf robuste Zweckmäßigkeit oder auf dekorative Oberflächen. Die Libelle verfolgt dagegen einen klaren gestalterischen Anspruch. Die künstlerisch veredelten Wände, das Wiener Geflecht, die räumliche Trennung zum Fahrerhaus und die wandelbare Backgammon-Tischplatte schaffen eine Atmosphäre, die eher an ein kleines Boutique-Apartment erinnert als an einen klassischen Kastenwagen. Gleichzeitig bleibt der Van im Alltag brauchbar ausgestattet. Genau diese Mischung aus emotionalem Wohngefühl und sinnvoller Technik macht die Libelle zu einem eigenständigen Konzept innerhalb der Sprinter-Ausbauwelt.
Ist die Libelle nur schön gestaltet oder auch praktisch auf Reisen?
Die Libelle will erkennbar mehr sein als ein Designobjekt, und ihre Ausstattung zeigt eine klare Orientierung am Reisealltag. Mit Lithium-Batterie, Ladebooster, Frischwassertank, Kühlschrank, Gaskochstelle, Heckdusche, Standheizung und Trockentrenntoilette bringt sie viele Funktionen mit, die unabhängiges Reisen angenehm machen. Auch der geteilte Küchenbereich und die gemütliche Sitzgruppe sind nicht nur optisch interessant, sondern im Alltag sinnvoll nutzbar. Genau da liegt die Stärke des Fahrzeugs. Es verbindet Wohnlichkeit mit Gebrauchswert. Wer also vermutet, dass hier die Form über der Funktion steht, sieht beim genaueren Hinsehen: Beides wurde bewusst zusammengeführt.















