In der Welt der ausgebauten Kastenwagen gilt oft die einfache Regel: Mehr Länge bedeutet mehr Komfort. Der Rogue Vans Odyssey Lite stellt dieses Dogma in Frage. Auf Basis eines 144-Zoll-Radstands – also der kurzen Sprinter-Variante – entsteht ein Innenraum, der eher an ein modernes Airbnb erinnert als an einen klassischen Camper. Chevron-Parkett aus Walnuss, römischer Putz an den Wänden, getönte Scheiben mit Automatikverdunkelung und durchdachte Staulösungen verleihen dem Fahrzeug eine Anmutung, die man sonst eher in Boutique-Hotels findet. Gleichzeitig bleibt der Odyssey Lite voll vanlife-tauglich und will mehrere Wochen autarkes Reisen ermöglichen.
Odyssey Lite als Fokus-Keyphrase für modernes Vanlife

Als Fokus-Keyphrase bietet sich „Odyssey Lite“ an – nicht nur als Modellname, sondern als Chiffre für ein bestimmtes Verständnis von Vanlife: kompromisslos designorientiert, technisch auf dem neuesten Stand und klar auf autarkes Wohnen ausgelegt. Der Ausbau überträgt das Konzept des größeren Odyssey auf den 144-Zoll-Radstand (rund 3,66 Meter). Damit bleibt der Van in der Stadt noch handlich, ohne auf die Merkmale eines ausgewachsenen Reisemobils zu verzichten. Wer mit engen Altstadtgassen und Bergdörfern vertraut ist, weiß, welchen Unterschied ein kürzerer Radstand im Alltag machen kann – von der Parkplatzsuche vor dem Supermarkt bis zur spontanen Abzweigung auf eine Schotterpiste.
Technisch ist der Odyssey Lite auf energieintensives, autarkes Reisen ausgelegt. Auf dem Dach sitzen 400 Watt begehbare Solarmodule, kombiniert mit einem 10-kWh-Lithiumsystem auf 48 Volt Basis. Für Langzeitreisende, die fernab vom Campingplatz stehen wollen, bedeutet das: weniger Kompromisse beim Tagesablauf – ob Laptoparbeit, Induktionskochfeld oder Heizen der Wasser- und Luftkreisläufe.
Innenraum des Odyssey Lite: Airbnb statt Campingplatz-Optik

Der Innenraum setzt sich bewusst vom üblichen „weiße Möbel, grauer Boden“-Kanon vieler Camper ab. Chevron-förmig verlegte Walnussböden erzeugen eine wohnliche Atmosphäre. Dazu kommen Wände in Roman-Clay-Optik, die eher an hochwertige Loftwohnungen erinnern. Handgefertigte Walnussmöbel mit Messingakzenten verschmelzen Stauraum und Design: Die Schränke sind modular angelegt, was unterwegs unterschiedliche Packkonzepte ermöglicht, etwa für Wintersport, Surfurlaub oder Langzeitreisen mit viel Technik.

Die Verglasung mit automatischer Tönung sorgt dafür, dass der Innenraum tagsüber weniger aufheizt und zugleich Privatsphäre gewahrt bleibt. Für Vanlife bedeutet das mehr Flexibilität beim Übernachten in Städten oder an stark frequentierten Spots. Gerade Reisepaare mit wechselndem Arbeits- und Ruhemodus profitieren davon, wenn man tagsüber mit offener Schiebetür arbeiten kann, ohne den gesamten Innenraum preiszugeben.
Badkonzept: Durchgangsdusche und Trockentoilette

Das Bad im Odyssey Lite fällt durch eine ungewöhnliche Kombination aus Funktionalität und Materialwahl auf. Modernes italienisches Feinsteinzeug, hochglänzende schwarze Acrylflächen und integrierte Flaschen für Shampoo, Duschgel und Conditioner brechen mit dem typischen Plastiklook klassischer Nasszellen. Kernstück ist eine Dusche, die als Durchgang zum Fahrerhaus dient. Diese Pass-Through-Lösung spart Raum im Grundriss und macht den Weg von der Fahrerkabine in den Wohnbereich variabler – praktisch bei schlechten Wetterbedingungen oder wenn die Schiebetür blockiert ist.
Fürs Duschen stehen 37 Gallonen Frischwasser bereit, also rund 140 Liter. Die Grauwasser-Kapazität liegt bei 22 Gallonen, etwa 83 Liter. Ein Moen-Nebia-Duschkopf mit ca. 5,7 Litern pro Minute versucht, Komfort und Sparsamkeit zu vereinen. Kombiniert mit der Option einer Scandvik-Außendusche lässt sich der Wasserverbrauch je nach Reisesituation variabel steuern. Anstelle einer klassischen Kassettentoilette setzt Rogue Vans auf eine Laveo Dry Flush Toilette, die ohne Kompostierung auskommt und mit einem abschließbaren Außenfach kombiniert ist. Das ist insbesondere dort interessant, wo das Entsorgen klassischer Fäkalientanks kompliziert ist oder nur selten Entsorgungsstationen vorhanden sind.
Schlafplätze und Raumgefühl im kompakten Radstand

Besonders auffällig ist, wie der Odyssey Lite den begrenzten Raum im 144-Zoll-Radstand nutzt, um mehrere Schlafplätze unterzubringen. Die Hecklounge lässt sich zu einem Bett umbauen, darüber ist ein Hebebett installiert, das quer eine Liegefläche von etwa 2,06 Metern bietet. Beide Ebenen können gestapelt genutzt werden, sodass bis zu vier Personen im Van schlafen können. Wer darüber hinausgehen möchte, kann optional ein Dachzelt ergänzen, womit sich die Kapazität auf bis zu sechs Schlafplätze erweitern lässt.
Für Vanlife-Familien oder Freundesgruppen, die dennoch im kompakten Fahrzeug bleiben möchten, ist dieses Konzept spannend. Statt eines wuchtigen Alkovenmobils entsteht so eine Art modulare Schlaflandschaft im Rahmen eines Sprinter-Kastenwagens. Tagsüber verwandelt sich der Bereich zurück in eine großzügige Lounge, in der gearbeitet, gekocht oder einfach nur aus dem Fenster geschaut werden kann.
Heizen, Kühlen, Autarkie: Technik im Dienst des Alltags
Ein faszinierendes Element des Odyssey Lite ist das Heiz- und Kühlsystem. Die Kombination aus AquaHot-Luft- und Wasserheizung mit einer 48-Volt-Klimaanlage zielt auf ganzjährige Nutzbarkeit ab. Die Strahlungsheizung erwärmt die thermische Masse des Fahrzeugs über drei Auslässe. Statt ausschließlich Warmluft zu bewegen, werden Böden, Möbel und Wände aufgeheizt und geben die Wärme nach und nach wieder ab. Für den Alltag bedeutet das eine ruhigere, zugfreie Wärme – ein Unterschied zu lauten Warmluftgebläsen in vielen klassischen Campern.
Gekoppelt mit der 10-kWh-Batterie ergibt sich ein Setup, das mehrere Wochen Offgrid-Nutzung erlauben soll, inklusive etwa 20 Stunden Dauerbetrieb der Klimaanlage pro Vollladung. Ergänzt wird das System durch ein 5.600-Watt-Invertermodul, einen EcoFlow-DC/DC-Lader, eine 12-Volt-Sicherungseinheit und ein zentrales Touchscreen-Monitoring. Für Vanlifer, die viel mit Laptops, Kameraequipment oder Induktionskochfeldern arbeiten, ist ein solch stark dimensioniertes Energiesystem ein spürbarer Komfortgewinn. Das begehbare Solardach erleichtert Wartung und Reinigung und eröffnet zusätzlich die Option, Dachboxen oder Antennen – etwa für Starlink – sinnvoll zu kombinieren.
Stauraum für Sportgeräte und Alltag
Wer Vanlife nicht nur als gemütliches Reisen, sondern als Basis für Outdoor-Sport versteht, wird an der „Gear Closet“-Lösung Gefallen finden. Im Heck verbirgt sich ein voll begehbarer Stauraum, der Ski, Snowboards, Surfboards und Neoprenanzüge aufnehmen kann. Eine ausziehbare Plattform auf Schwerlastauszügen (bis etwa 113 Kilogramm belastbar) erleichtert das Be- und Entladen. Gerade bei nassen oder verschmutzten Ausrüstungsgegenständen ist ein separater „nasser“ Bereich Gold wert – der Wohnraum bleibt sauber, während Ausrüstung trocknen kann.
Der Außenbereich wird ab Werk mit BF-Goodrich-Reifen bestückt, was den Offroad-Charakter des Vans unterstreicht. Über eine Edelstahl-Landstrombuchse mit 30 Ampere kann der Odyssey Lite an klassische Campingplatz-Infrastruktur angeschlossen werden. Anschlüsse für Stadtwasser und Frischwassertankfüllung befinden sich gebündelt auf der Fahrerseite, was das Handling an Versorgungsstationen erleichtert. Ein Reserveradträger von Owl Vans komplettiert das Setup und schafft zusätzliche Montagepunkte für weiteres Zubehör.
Empfohlene Upgrades für intensives Vanlife
Rogue Vans nennt eine Reihe von Upgrades, die den Odyssey Lite noch stärker in Richtung Expeditionsmobil verschieben. Dazu zählen ein Van-Compass-Fahrwerk (Version 4.3 oder höher) zur Verbesserung des Fahrverhaltens auf schlechten Pisten, Moskitonetze für Schiebetür und Hecktüren sowie ein Roambuilt-Dachträger. Lichtstarke Zusatzscheinwerfer von Baja Designs – entweder als Frontträger oder als 360-Grad-Dachmontage – erhöhen die Sicht bei Nachtfahrten auf unbeleuchteten Strecken. Ein massiver CA-Tuned-Frontstoßfänger mit Warn-Winde und Factor-55-Haken wendet sich klar an Fahrerinnen und Fahrer, die regelmäßig abseits befestigter Wege unterwegs sind.
Wer lange Etappen fernab dichter Tankstellennetze plant, dürfte sich für den S&B-Fuelcell-Umbau auf 45 Gallonen (rund 170 Liter) Dieselkraftstoff interessieren. In Kombination mit den großzügigen Wasser- und Energiereserven kann der Odyssey Lite damit zu einem rollenden Basislager werden, das mehrere Tage weit jenseits klassischer Infrastruktur autark bleibt.
Sicherheit, Garantie und Preis des Odyssey Lite
Beim Thema Sicherheit setzt der Ausbau auf Rauch- und Kohlenmonoxidmelder, Feuerlöscher, Fehlerstrom-Schutzschalter und eine abschließbare Toilettenklappe. Ergänzt werden diese Elemente durch die werksseitigen Sicherheits- und Garantieleistungen von Mercedes: 5 Jahre beziehungsweise rund 161.000 Kilometer Neuwagen-Garantie für das Gesamtfahrzeug, ebenso lang für die Abgasnachbehandlung und den Antriebsstrang. Der eigentliche Ausbau wird von Rogue Vans mit einer Garantie von 3 Jahren beziehungsweise knapp 58.000 Kilometern hinterlegt. Für Reisende, die ihr Fahrzeug im Alltag wie auf Fernreisen intensiv nutzen, ist diese Kombination ein deutliches Argument für Planungssicherheit.
Die Summe aus kompaktem Radstand, hochwertigem Interieur, stark dimensionierter Energie- und Heiztechnik und einem klaren Fokus auf autarkes Reisen positioniert den Odyssey Lite im oberen Segment des Vanlife-Marktes. Entsprechend fällt auch der Einstiegspreis aus: Der Rogue Vans Odyssey Lite startet bei rund 225.000 US-Dollar.
Bilder: Hersteller











