Wer Oldtimer liebt und gleichzeitig ein robustes Offroad-Reisefahrzeug für lange Touren sucht, bleibt früher oder später am Toyota Land Cruiser BJ45 hängen. In der Szene trägt er nicht ohne Grund den Spitznamen „Buschtaxi“ – einst wegen der vielen möglichen Sitzplätze im Heck und seines Einsatzes in Regionen ohne öffentlichen Nahverkehr. In einem 1981er BJ45 einen vollwertigen Camper mit Hubdach aufzubauen, verbindet genau diese Geschichte mit moderner Vanlife-Praxis: ein kleines Zuhause auf Rädern, das mehr kann, als man diesem kantigen Klassiker auf den ersten Blick zutraut.
Hubdach und Schlafkonzept für echtes Vanlife-Feeling

Das auffälligste Merkmal des ausgebauten Buschtaxis ist das Hubdach. Es schafft eine zweite Ebene und verwandelt den Land Cruiser in ein kompaktes Zweietagen-Appartement. Die Liegefläche im Dach misst rund 1,45 mal 2,00 Meter und besteht aus Multiplex-Platten mit 10 Zentimeter dicken Polstern. Schlanke Stahlwinkel und Holzdübel sorgen dafür, dass die große Fläche auch abseits befestigter Straßen stabil bleibt. Durch Ausschnitte in den Platten wird Gewicht gespart und gleichzeitig die Belüftung der Polster verbessert – nützlich für Reisen in unterschiedlichen Klimazonen.
Das Bett bleibt während der Fahrt über dem Cockpit, sodass auf der hinteren Sitzbank zwei zusätzliche Passagiere mit ausreichender Kopffreiheit mitreisen können. Damit schlägt der Ausbau die Brücke zwischen Reisefahrzeug und Familiencamper: Der Klassiker bleibt ein vollwertiger Viersitzer, ohne dass das Schlafkonzept darunter leidet. Decke und obere Struktur sind mit Armaflex isoliert und mit Filz verkleidet, was sowohl Akustik als auch Temperaturverhalten verbessert – ein Pluspunkt für alle, die auch abseits der Saison unterwegs sind.
L-förmiger Grundriss mit großzügiger Küche

Im Innenraum setzt der Ausbau auf einen L-förmigen Grundriss mit langer Küchenzeile und zwei Sitzbänken. Die Küche kommt auf fast 2,00 Meter Länge, was in dieser Fahrzeugklasse ungewöhnlich viel Arbeitsfläche bedeutet. Die Unterkanten der seitlichen Fenster wurden im Bereich der Möbel um rund 10 Zentimeter überbaut, um eine angenehme Arbeitshöhe und eine robustere Rückenlehne zu gewinnen. So bleibt viel Tageslicht im Innenraum, ohne Kompromisse bei Ergonomie und Stabilität einzugehen.
In die Küchenzeile sind ein Edelstahlspülbecken mit versenkbarem Wasserhahn und zwei Frischwassertanks mit jeweils 12 Litern integriert. Über einen Gardena-Anschluss lässt sich das Wasser bequem nachfüllen, ein Absperrhahn und zwei Tauchpumpen erlauben den separaten Betrieb der Tanks – praktisch, wenn eine Reserve unangetastet bleiben soll. Die Arbeitsplatte lässt sich um etwa 60 Zentimeter auf Vollauszüge herausziehen und dient dann als freistehender Tisch ohne zusätzliches Bein. Dank der Position kann rund um die Ecke an den Sitzbänken Platz genommen werden; mit einer Einlegeplatte im Gang entsteht bei Bedarf zusätzliche Sitzfläche.
Kompakter Wohnraum mit durchdachtem Stauraum

Die Fahrerseite nimmt eine längere Sitzbank ein, unter der drei Schubladen den Stauraum leicht zugänglich machen. Dahinter bildet ein Rückenlehnenmodul mit Polstern eine bequeme Lounge, die Polster dienen gleichzeitig als weiche Abdeckung des geschlossenen Fußraums. Oberhalb schließen sich Filz-verkleidete Wandpaneele an, die mit Biegesperrholz an die Rundungen der Fenster angepasst wurden – ein Detail, das zeigt, wie viel Handarbeit in diesem Ausbau steckt.
Direkt hinter den Vordersitzen verläuft quer eine zweite Bank mit etwa 80 Zentimetern Tiefe – identisch zur Tiefe des darunter verbauten Kühlschranks. Der 30-Liter-Kühlschrank sitzt als Auszug im Gang, lässt sich also nach vorne herausziehen, ohne den Innenraum zu verbauen. Die Sitzfläche der Bank ist mit Gasdruckfedern angeschlagen und kann aufgeklappt werden; der hintere Teil fungiert dann als Rückenlehne. So entstehen unterschiedliche Sitzpositionen mit Blick nach vorne oder zur Seite – ein Detail, das den kleinen Wohnraum vielseitiger macht.
Heizung, Strom und Solar für autarkes Reisen

Für ganzjährige Nutzung sorgt eine dieselbetriebene Standheizung vom Typ Webasto STC 2000. Sie ist im Radhaus unter dem Boden in einer Edelstahlbox verbaut – eine platzsparende Lösung, die den Innenraum von Technik freihält. Zwei Warmluftauslässe, einer an der Front der Küchenzeile und einer im Gang beziehungsweise Fußraum, verteilen die Wärme gleichmäßig im Fahrzeug.
Die Stromversorgung übernimmt eine 200-Ah-LiFePO4-Batterie. Geladen wird sie während der Fahrt über das 24-Volt-Bordnetz des Land Cruisers per 24V-zu-12V-Ladegerät. Auf dem Dach sitzen vier flexible Solarmodule mit insgesamt rund 266 Watt Spitzenleistung auf einer Aluminium-Unterkonstruktion. Dazu kommt ein 1000-Watt-Wechselrichter mit Vorrangschaltung für Landstrom sowie ein externer 230-Volt-Anschluss in einer Stau-Box im Radhaus. Ein zusätzlicher 24-Volt-Lader ermöglicht es sogar, die Starterbatterien über den Wechselrichter zu laden, wenn das Fahrzeug am Netz hängt. Für längere Touren abseits von Campingplätzen ist dieses Paket ein starkes Argument.
Außenküche, Sandbleche und Buschtaxi-Details

Ein besonderes Highlight für Offroad-Fans ist die Außenausstattung. Auf beiden Fahrzeugseiten wurden Airlineschienen montiert, an denen unter anderem eine klappbare Außenküche hängt. Sie besteht aus Aluminiumsandblechen, die doppelt genutzt werden: als Arbeitsfläche und als Bergungshilfe im Gelände. Ergänzt wird das Setup durch einen Wasserkanister und einen Dieselkanister außen am Fahrzeug – beides Klassiker für lange Etappen in abgelegenen Regionen.
Am Heck sorgt ein stabiler Tritt, montiert auf der Anhängerkupplung und mit eigenem Unterbau, für sicheren Stand beim Öffnen des Hubdachs. Über der Hecktür sitzt ein LED-Arbeitslicht, das das Umfeld bei Dunkelheit ausleuchtet. Die Reserveradhalterung ist mit der linken Hecktür gekoppelt und so konstruiert, dass sich die Tür von innen öffnen lässt – praktisch im Alltag und sicherheitsrelevant, wenn der Camper in der Nacht schnell verlassen werden muss.
Innenlicht, Verdunkelung und flexible Schlafplätze

Unter der Dachliegefläche verläuft ein schmales Holzprofil, hinter dem sich beidseitig jeweils zwei Meter LED-Lichtband verstecken. Die indirekte Beleuchtung sorgt abends für eine angenehme Atmosphäre, ohne den kleinen Raum grell auszuleuchten. Entlang derselben Linie laufen flexible Vorhangschienen, mit denen sich der komplette Innenraum verdunkeln lässt – ein Segen auf Stellplätzen mit Fremdlicht oder in dicht besiedelten Gegenden.
Über Fahrer und Beifahrer sind zwei herausnehmbare Innenpaneele montiert. Sie lassen sich bei Bedarf zwischen Küche und Sitzbank einhängen und schaffen so eine zweite große Liegefläche unten. Dadurch wird das Buschtaxi zum vollwertigen Mehrpersonen-Camper, ohne die Dachliegefläche dauerhaft belegen zu müssen. Eine kleine Serviceklappe mit versenkten Scharnieren an der Seite der Hecktür gewährt Zugriff auf 12-Volt-Steckdosen und Kabelkanäle, ohne die Holzmöbel demontieren zu müssen – ein Detail, das spätere Nachrüstungen erleichtert.
Gaskocher im Hecktisch und Verfügbarkeit des BJ45

Der gewählte Kocher ist ein Kinja-Gaskartuschenkocher, der vertikal neben der Hecktür verstaut ist. Klappt man den integrierten Tisch aus, passt der Kocher exakt auf die Fläche und kann bei ausreichender Belüftung sowohl innen als auch außen betrieben werden. Die Gaskartusche steckt in einer kleinen Tasche mit Karabiner seitlich am Tisch. Diese clevere Doppelnutzung der Hecktür als Kochstelle passt gut zum Charakter des Fahrzeugs: kompakt, funktional, ohne überflüssige Gimmicks.
Der Toyota Land Cruiser BJ45 ist als klassischer Nutzfahrzeug-Oldtimer längst kein Massenprodukt mehr. In Deutschland gut erhaltene Basisfahrzeuge zu finden, ist anspruchsvoll und oft mit hohen Preisen sowie aufwendiger Suche verbunden. Viele Exemplare sind ursprünglich in anderen Märkten, etwa außerhalb Europas, im Einsatz gewesen. Wer sich hierzulande ein Buschtaxi als Campertraum erfüllen möchte, braucht Geduld, Sachverstand und ein passendes Budget – wird im Gegenzug aber mit einem seltenen, extrem robusten Reisefahrzeug belohnt, das Geschichte und modernes Vanlife auf einzigartige Weise verbindet.
Bilder: Hersteller















