Mit dem Base Camp 2 taucht ein spannendes Fahrzeug in der Vanlife-Szene auf, das zeigt, wohin die Reise im Selbstausbau- und Modulsegment geht. Es handelt sich nicht um einen klassischen Seriencamper, sondern um den ersten kundenspezifischen Ausbau auf Basis eines sogenannten Pro DIY Systems. Gebaut wird er in den USA – und genau dort ist er auch zu Hause. Für Vanlife-Fans in Deutschland bedeutet das: Das Konzept ist hochinteressant, aber der direkte Erwerb eines fertig ausgebauten Base Camp 2 hierzulande ist eher schwierig. Trotzdem lohnt ein genauer Blick, denn viele Ideen und Details lassen sich auch für eigene Projekte nutzen.
Pro DIY System: Zwischen Selbstausbau und Profi-Camper

Der Base Camp 2 versteht sich als Brückenschlag zwischen Do-it-yourself-Szene und professionellem Ausbau. Die Basis bilden Boden-, Wand- und Deckenkits, auf denen alles Weitere aufbaut. Diese Grundstruktur ist so konzipiert, dass sie mit modularen, in Flugzeugbauweise angelehnten Möbeln kombiniert wird. Das Ergebnis ist ein Layout, das zwar standardisiert ist, sich aber mit anderen Modulen oder durch Umpositionieren relativ schnell anpassen lässt. Für alle, die vom „nackten“ Transporter zum vollwertigen Camper wollen, ohne jedes Detail selbst planen zu müssen, ist das Konzept besonders reizvoll.
Spannend ist vor allem, dass der Base Camp 2 aus denselben Komponenten aufgebaut wird, die später auch für DIY-Kits erhältlich sein sollen. Wer also in Deutschland mit ähnlichen Bauteilen arbeiten möchte, kann sich an diesem Ausbau gut orientieren, auch wenn der direkte Bezug eines komplett fertigen Fahrzeugs hier nicht ohne Weiteres möglich ist. Das System ist klar auf Nutzer ausgerichtet, die einen professionellen Look und hochwertige Materialien wollen, aber die Flexibilität eines modularen Aufbaus schätzen.
Innenausbau mit Aluminium und Tambour: Robust trifft Design

Ein zentrales Element des Base Camp 2 sind die .100” 5052 Aluminium-Schränke. Die Wandstärke von etwa 2,5 Millimetern sorgt für Robustheit, während die spezielle Legierung für Korrosionsbeständigkeit und Stabilität steht. Für Langzeitreisen und den rauen Alltag unterwegs ist das ein Pluspunkt: Türen schlagen, Gepäck verrutscht, Feuchtigkeit kommt ins Spiel – Aluminium steckt das besser weg als viele Leichtbau-Holzkonstruktionen. Gleichzeitig bleibt das Gewicht im Rahmen, was gerade in der 3,5-Tonnen-Klasse ein Thema ist.
Optisch setzt der Ausbau auf custom-gefräste Tambour-Verkleidungen und eine eigenentwickelte Deckenkonstruktion aus Bambus. Die Decke ist als spezielles Ceiling Kit ausgeführt, das den sonst eher nüchternen Sprinter-Look in eine wohnliche Atmosphäre verwandelt. Dazu kommen Marathon-Stoffe auf Wänden und Türeinsätzen, die den Raum akustisch dämpfen und gleichzeitig wohnlich wirken. Für Vanlife im Alltag bedeutet das: weniger Scheppern, weniger Hall, mehr Wohnzimmergefühl – auch bei schlechtem Wetter, wenn man viel Zeit im Fahrzeug verbringt.
Modulare Küche und Stauraum für den Alltag im Van

In der Küche setzt der Base Camp 2 auf mehrere spezialisierte Module: ein Sink Cabinet Kit, ein Fridge Cabinet Kit und ein 4-Schubladen-Modul. Der große Vorteil dieses Ansatzes liegt in der klaren Strukturierung des Stauraums. Der Isotherm 130 12-Volt-Kühlschrank bringt rund 130 Liter Volumen mit und reicht damit auch für längere Touren ohne täglichen Supermarktbesuch. In Kombination mit dem separaten Mikrowellen-Schrank und einer 1-Kubikfuß-Mikrowelle (etwa 28 Liter) entsteht eine Küche, die eher an kompakte Apartments erinnert als an klassische Kastenwagenlösungen.

Das Spülbecken von Torva misst etwa 38 x 33 x 23 Zentimeter und ist damit alltagstauglicher als viele Mini-Becken, die man sonst in Campern findet. Geschirr spülen, Gemüse waschen oder sogar mal ein größeres Topf-Reinigungsmanöver – alles ist problemlos möglich. Im Vanlife-Alltag reduziert das ständiges Gefummel und sorgt dafür, dass man bei kälteren Temperaturen oder auf Stellplätzen ohne Spülgelegenheit draußen nicht auf improvisierte Lösungen angewiesen ist.

Wasser- und Energiesystem für autarkes Reisen

Technisch ist der Base Camp 2 auf Autarkie ausgelegt. Auf dem Dach sitzt ein 400-Watt-Solarpanel von EcoFlow. In Kombination mit dem 5-kWh-Power-Kit desselben Herstellers entsteht ein Energiesystem, das für typische Vanlife-Szenarien die Grundversorgung bietet. 5 Kilowattstunden entsprechen – je nach Verbrauch – mehreren Tagen autarkem Betrieb von Kühlschrank, Lüfter, Licht und moderatem Laptop- oder Handy-Einsatz, sofern die Solaranlage nachladen kann.
Besonders komfortabel ist das integrierte Touchscreen-Display, über das sich der gesamte Stromhaushalt überwachen lässt. Für alle, die längere Zeit freistehen wollen, ist die Kombination aus Batteriekapazität und Solarpanel ein Argument. Ergänzt wird das System durch eine MaxxFan Deluxe Dachhaube, die für Belüftung und Temperaturregulierung sorgt – ein Faktor, wenn im Sommer im Van geschlafen oder bei Regen im Fahrzeug gekocht wird.
Faszinierendes Feature: Durchdachtes Wasserpaket für Vanlife

Ein interessantes Detail des Base Camp 2 ist das Wasser-Setup. Mit einem Frischwassertank von 22 Gallonen (rund 83 Liter) und einem Grauwassertank von 16 Gallonen (etwa 61 Liter) bewegt sich der Ausbau über dem, was viele kompakten Camper standardmäßig mitbringen. In der Praxis bedeutet das mehrere Tage bequemes Duschen, Kochen und Abwaschen, ohne ständig nachfüllen zu müssen. Für Vanlife-Fans, die gern abseits der ausgetretenen Campingplatzpfade unterwegs sind, ist das ein Komfortgewinn.
Hinzu kommt ein 12-Volt-Boiler mit etwa 15 Litern Inhalt. Diese Größe reicht für kurze Warmwasserduschen oder gründliches Spülen, ohne den Tank in wenigen Minuten leerzusaugen. In Kombination mit dem großzügigen Spülbecken entsteht ein Wasserbereich, der den Base Camp 2 aus der Masse vieler kompakten Selbstausbauten heraushebt. Genau hier zeigt sich, wie der Ausbau auf alltagstaugliches Vanlife ausgelegt ist – nicht nur auf Wochenendtrips bei Sonnenschein, sondern auch auf längere Reisen durch wechselnde Klimazonen.
Wohn- und Schlafbereich: Dinette für sechs, Bett in Queen-Größe

Der Wohnbereich basiert auf einem Single-Level-Dinette-/Schlafsystem. Tagsüber bietet die Sitzgruppe Platz für bis zu sechs Personen – ein ungewöhnlicher Wert für einen Sprinter-Ausbau. Für den Alltag im Van heißt das: Platz für Freunde, zum Arbeiten am Laptop oder für Spielabende bei schlechtem Wetter. Die EZ-Reach-Tischsäule erleichtert die Umrüstung zwischen Ess- und Schlafposition, was bei täglichem Umbau ein Komfortfaktor ist.
Die Polster sind aus einem dual-dichten Schaumstoff mit etwa 10 Zentimetern Stärke aufgebaut. Diese Kombination aus unterschiedlichen Härtegraden sorgt dafür, dass die Sitzbank tagsüber nicht zu weich und das Bett nachts nicht zu hart ist. Im Schlafmodus entsteht ein modifiziertes Queen-Size-Bett, das mehr Platz bietet als die typischen schmalen Längsbetten in vielen Transporterausbauten. Gerade für längere Reisen zu zweit oder mit Haustier ist dieser zusätzliche Raum ein Vorteil.
Beleuchtung und Details für den Alltag im Kastenwagen

Beim Licht setzt der Base Camp 2 auf dimmbare LED-Channel-Beleuchtung und separate Akzent-LEDs. Damit lässt sich die Stimmung im Innenraum zwischen hellem Arbeitslicht und gemütlichem Abendambiente abstimmen. Gooseneck-Leselampen mit USB-Anschluss an den Betten machen das Laden von Smartphones oder E-Readern direkt am Schlafplatz unkompliziert. Alles wirkt darauf ausgelegt, den Van als vollwertigen Wohnraum zu nutzen – nicht nur als Schlafplatz mit Kochgelegenheit.
Praktisch sind auch elektromagnetische Schubladenschlösser. Sie verhindern, dass beim Fahren Schubladen aufspringen, ohne auf umständliche mechanische Riegel angewiesen zu sein. Ein seitliches Fenster mit Schiebefunktion und Insektenschutz an der Schiebetür bringt Tageslicht in den Wohnbereich und sorgt für Querlüftung. Zusammen mit der Wandverkleidung speziell für den Sprinter 144 ergibt das ein Paket, das sowohl in warmen als auch in kälteren Regionen funktionieren dürfte.
Verfügbarkeit in Deutschland und Fazit zum Base Camp 2
Der Base Camp 2 wird auf Basis eines Sprinter 144 und mit Komponenten aufgebaut, die in den USA verwendet und vertrieben werden. Für deutsche Vanlife-Fans bedeutet das: Das konkrete Fahrzeug in dieser Konfiguration ist hier derzeit nicht einfach im Handel zu finden. Import, Umrüstung und Zulassung wären möglich, aber mit beträchtlichem Aufwand verbunden. Zudem ist nicht sicher, ob alle Module und Kits bereits problemlos in Europa erhältlich sind. Wer sich für das Konzept begeistert, kann es eher als Inspirationsquelle verstehen – insbesondere für den modularen Möbelaufbau, das Wasserpaket und das Energiesystem.
In der Summe präsentiert sich der Base Camp 2 als durchdachter Camper-Ausbau, der Prioritäten setzt: robuste Materialien, modulare Möbel, Stromversorgung und ein komfortables Wasser-Setup. Für das Vanlife bedeutet das weniger Kompromisse im Alltag, mehr Unabhängigkeit von Campingplätzen und ein Wohnraum, der auch nach mehreren Wochen unterwegs noch nutzbar bleibt. Der Fokus auf ein standardisiertes, aber anpassbares Layout macht das Fahrzeug interessant für alle, die nicht komplett bei null anfangen wollen, aber mehr Individualität wünschen als ein klassischer Seriencamper bietet.
Bilder: Hersteller















