Carado CV595 X-EDITION Campervan auf VW-Basis fährt durch eine Wasserpfütze über eine nasse Wiese.
Der neue Carado CV595 X-EDITION Campervan auf Volkswagen-Basis demonstriert seine Alltagstauglichkeit bei einer Fahrt durch nasses Gelände.

Carado CV595 X-EDITION: neuer VW-Campervan mit Allrad und besonderem Dach

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Es gibt Fahrzeuge, die auf dem Papier spannend klingen. Und es gibt Fahrzeuge, bei denen man schon nach den ersten Metern merkt, dass hinter der Idee mehr steckt als ein Sondermodell mit hübscher Folierung. Der neue Carado CV595 X-EDITION auf Volkswagen-Basis gehört zur zweiten Kategorie. Wir konnten den kompakten Campervan in München selbst fahren und waren begeistert: nicht, weil er laut auftritt, sondern weil er sich erstaunlich geschlossen anfühlt. Handlich, sauber abgestimmt, funktional gedacht und mit einer technischen Besonderheit, die man von außen kaum sieht, innen aber sofort spürt.

Denn der CV595 X-EDITION ist nicht einfach ein weiterer Sechs-Meter-Kastenwagen. Er ist Carados Versuch, Volkswagen-Basis, Automatik, Allrad und alltagstauglichen Reisemobil-Ausbau in ein Format zu bringen, das bewusst kompakt bleibt.

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Ein Projekt, das nicht über Nacht entstanden ist

Rainer Wingart, Leiter Produktmanagement bei Carado, beschreibt den CV595 X-EDITION als „eine neue Entwicklung“, vorgestellt für das Modelljahr 2027. Das klingt nüchtern, fast zurückhaltend. Tatsächlich steckt hinter dem Fahrzeug aber ein längerer Entwicklungsprozess. „Die Entwicklung ging vor gut dreieinhalb Jahren los“, sagt Wingart. „Es gab Höhen und Tiefen. Erst ging es um die Entwicklung des Dachs, dann um die Frage, wo wir das Fahrzeug produzieren, später kamen Themen mit dem Chassis dazu.“

Das ist ein wichtiger Hinweis. Der CV595 X-EDITION ist kein schnell aufgelegtes Editionsmodell, bei dem nur Dekor, Polster und Felgen geändert wurden. Carado hat an einer Stelle sehr tief ins Fahrzeug eingegriffen: beim Dach. Und genau dort beginnt die eigentliche Geschichte dieses Vans.

Warum Carado unbedingt bei sechs Metern bleiben wollte

Die Entscheidung für Volkswagen war laut Wingart nicht von Anfang an gesetzt. „Gesetz war es nicht“, sagt er. „Wir haben uns auf die Suche gemacht und geschaut, welches Basisfahrzeug für uns passt.“ Wichtig war Carado dabei offenbar nicht nur die technische Basis, sondern auch die Wirkung der Marke. „Wir wollten einen Chassis-Hersteller, der zu unserer Marke passt und dessen Image entsprechend gut ist.“

Gleichzeitig hielt Carado am Sechs-Meter-Format fest. Das ist für einen Campervan ein entscheidender Punkt. Sechs Meter bedeuten Alltagstauglichkeit, überschaubare Außenlänge, leichteres Rangieren und mehr Gelassenheit in Städten, auf Fähren, auf Alpenstraßen oder auf engen Stellplätzen. Genau diese Handlichkeit war auch bei unserer Fahrt in München sofort spürbar. Der CV595 X-EDITION wirkt nicht wie ein Reisemobil, das man ständig mitdenken muss. Er fährt sich eher wie ein großer Van mit Ausbau.

Das eigene Dach ist der technische Schlüssel

Die Volkswagen-Basis brachte für Carado allerdings ein Problem mit: die Innenhöhe. Wingart benennt das sehr offen. „Wir haben an den sechs Metern festgehalten und uns dann für VW entschieden – mit dem Nachteil der kleineren Stehhöhe. Also haben wir gesagt: Wir machen ein eigenes Dach.“ Dieser Satz ist zentral. Denn das Dach ist nicht nur ein Designelement, sondern der technische Kern des Fahrzeugs. Ohne das neue Dach käme der Van laut Carado nur auf rund 1,80 Meter Stehhöhe. Mit dem eigens entwickelten Dach sind es 1,98 Meter. „Wir haben jetzt 19 Zentimeter mehr“, erklärt Wingart. Im Innenraum verändert das alles. Der CV595 X-EDITION fühlt sich nicht gedrungen an. Man steht, bewegt sich, dreht sich, greift in Schränke, steigt nach hinten durch — und merkt dabei, wie viel diese zusätzlichen Zentimeter im Alltag ausmachen.

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Aus geschlossener Karosserie wird ein Camper mit Hochdach

Besonders spannend ist der Weg dorthin. Carado bekommt das Fahrzeug nicht einfach ohne Dach geliefert. Wingart schildert den Prozess deutlich: „Wir bekommen eine geschlossene Karosserie, flexen dann das Dach ab und haben ein sogenanntes Cabrio. Dann setzen wir unser Dach drauf.“ Das klingt im ersten Moment drastisch, ist aber der entscheidende Produktionsschritt. Carado entfernt also das originale Dach und ersetzt es durch eine eigene Konstruktion. Entwickelt wurde dieses Dach nach Angaben von Wingart im eigenen Haus beziehungsweise gemeinsam mit der gruppeninternen Entwicklung. „Das ist eine Eigenentwicklung von unserem Haus“, sagt er. „Wir haben in der Erwin Hymer Group ein eigenes Entwicklungsbüro. Zusammen mit der Group Technology haben wir das Dach entwickelt und dann von einem Lieferanten fertigen lassen.“ Für die Produktion selbst ist der Ablauf offenbar klar standardisiert. Das Aufsetzen des Dachs gehe „unter zwei Minuten“, sagt Wingart. Danach werde es verklebt und verschraubt.

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Ein Allrad-Camper, aber kein Offroad-Versprechen

Der zweite große technische Baustein ist der Allradantrieb. Doch Carado erzählt ihn anders, als es in diesem Marktsegment oft üblich ist. Keine martialische Offroad-Rhetorik, keine überschwänglichen Versprechen von Expedition und Wildnis. Wingart ordnet den CV595 X-EDITION bewusst nüchterner ein. „Der Trend Allrad geht natürlich auch an uns nicht vorbei“, sagt er. „Carado-Kunden wollen Allrad, sehen das Fahrzeug aber nicht als Offroader, sondern eher als Sicherheit.“ Gemeint sind Situationen, die viele Camper kennen: Schotterwege, nasse Wiesen, steilere Zufahrten, rutschige Stellplätze, schlechte Nebenstraßen. „Wir verfolgen nicht das Konzept Offroad“, sagt Wingart. „Wir wollen das Thema Sicherheit ansprechen.“ Das passt zum Charakter des Fahrzeugs. Der CV595 X-EDITION will kein hochgelegter Geländewagen mit Möbelbau sein. Er ist ein Reisecamper mit zusätzlicher Traktion. Genau diese Ehrlichkeit macht ihn sympathisch.

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Wie der Allrad im Alltag gedacht ist

Technisch beschreibt Wingart das System knapp: „Frontantrieb ist immer da, der Heckantrieb wird zugeschaltet.“ Der Van fährt also nicht permanent mit starrer Kraftverteilung, sondern nutzt die Hinterachse dann, wenn sie gebraucht wird. Für die Zielgruppe ist das sinnvoll. Wer mit einem Campervan unterwegs ist, will in der Regel keine Verschränkungswunder, sondern Traktion, Ruhe und Sicherheit. Auf der Straße wirkt dieses Konzept stimmig. Bei unserer Fahrt in München stand nicht der Grenzbereich im Vordergrund, sondern das Gesamtgefühl: ein kompakter Camper, der sich souverän bewegen lässt und nicht schwerfällig wirkt. Genau das ist bei einem ausgebauten Sechs-Meter-Van entscheidend. Denn ein Reisemobil muss nicht nur auf dem Stellplatz überzeugen, sondern auch auf dem Weg dorthin. Dass Carado die Kombination aus Volkswagen, Allrad, Automatik und sechs Metern als Besonderheit sieht, formuliert Wingart klar: „Diese Kombination gibt es so auf dem Markt nicht.“

Für wen der Carado CV595 X-EDITION gebaut ist

Carado zielt mit dem CV595 X-EDITION nicht auf die große Familie, sondern auf eine klar umrissene Nutzergruppe. „Paare“, sagt Wingart, „und auch Paare mit einem Kind.“ Serienmäßig ist das Fahrzeug als Zweischläfer ausgelegt. Die Sitzgruppe ist für vier Personen gedacht. Optional lässt sich über den Bettenbau in der Sitzgruppe ein dritter Schlafplatz schaffen. Das ist typisch Carado: lieber ein klares Konzept als ein überfrachteter Grundriss. Der CV595 X-EDITION verspricht nicht, alles gleichzeitig zu können. Er ist ein kompakter Reisewagen für zwei Personen, der bei Bedarf ein Kind oder gelegentlich eine dritte Person mitnehmen kann. Für viele Käufer dürfte genau das realistischer sein als ein vollgestopfter Van, der theoretisch vier Schlafplätze bietet, praktisch aber ständig umgebaut werden muss.

Funktionalität statt Showeffekt

Wingart verwendet im Gespräch mit uns mehrfach ein Wort: funktional. „Die Carado-Kunden denken sehr funktional“, sagt er. „Und genau das haben wir in diesem Fahrzeugkonzept umgesetzt.“ Gemeint sind Details, die im Prospekt vielleicht unspektakulär wirken, im Alltag aber zählen. Dazu gehört die zweiflügelige Fliegenschutztür am Eingang. Sie ist nicht glamourös, aber im Sommer Gold wert. Dazu gehört auch die Trittstufe, die im Chassis versenkt ist. Sie erleichtert den Einstieg, ohne wie ein nachträglich angehängtes Teil zu wirken. Auch der Auszugskühlschrank passt in diese Logik. Er ist gut erreichbar und nutzt den vorhandenen Raum effizient. Solche Lösungen zeigen, dass Carado den CV595 X-EDITION nicht als Designübung verstanden hat. Der Van soll benutzt werden. Oft. Unkompliziert. Ohne großes Ritual.

Der Innenraum lebt von praktischen Wegen

Ein besonders interessantes Detail ist der Aufstieg ins Bett über eine verschiebbare Schottwand. Wingart beschreibt den Nutzen so: Der Kunde könne besser an den Stauraum kommen oder sich im Fahrzeug besser bewegen. Genau solche Punkte entscheiden im Campervan-Alltag oft über Wohl und Wehe. Nicht die einzelne spektakuläre Lösung, sondern die Frage, ob man morgens an seine Tasche kommt, ob der Weg nach hinten frei bleibt, ob man sich zu zweit ausweichen kann. Der CV595 X-EDITION profitiert hier stark vom höheren Dach. 1,98 Meter Stehhöhe bedeuten nicht nur mehr Komfort für große Menschen. Sie verändern das gesamte Raumgefühl. In einem Sechs-Meter-Fahrzeug zählt jeder Zentimeter. Wenn die Höhe stimmt, wirkt der Grundriss weniger eng, selbst wenn Breite und Länge unverändert bleiben. In München war genau das einer der Punkte, die uns positiv überrascht haben.

Warum Carado bei der Kassettentoilette bleibt

Auffällig klassisch ist das Bad. Der CV595 X-EDITION setzt weiterhin auf eine Kassettentoilette. In Zeiten von Trenntoiletten, Verbrennungssystemen und Beuteltoiletten wirkt das beinahe altmodisch. Wingart begründet die Entscheidung aber nicht mit Tradition, sondern mit Produktionslogik und Preisdisziplin. „Wir versuchen, wenig Varianz in die Produktion zu bringen.“ Im Projekt seien verschiedene Punkte diskutiert worden, darunter auch die Toilette und die Frage, ob man das Fahrzeug dieselfrei auslegen könne. „Das waren Aspekte, die das Fahrzeug zu Beginn teurer gemacht hätten.“ Mit anderen Worten: Carado wollte den CV595 X-EDITION nicht durch jede denkbare moderne Lösung überfrachten. Die Innovation steckt vor allem im Gesamtkonzept, im Dach, in der Basis und im Antrieb.

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Der Zielpreis war Teil des Konzepts

Der Preis ist bei einem solchen Fahrzeug besonders sensibel. Volkswagen-Basis, Allrad, Automatik, eigenes Dach und Camperausbau lassen schnell ein Niveau entstehen, das viele Interessenten abschreckt. Carado hatte deshalb nach Aussage von Wingart von Anfang an einen Zielpreis im Blick. „Wir hatten einen Zielpreis im Kopf, den wir erreichen wollten, um uns nicht zu sehr vom Wettbewerb wegzubewegen.“ Der Grundpreis liegt bei 87.999 Euro. Das ist kein günstiges Auto, aber angesichts der Kombination aus Basis, Antrieb und Dachentwicklung nachvollziehbar positioniert. Zumal Carado laut Wingart bereits eine recht umfangreiche Serienausstattung vorsieht. Genannt werden Rahmenfenster, Markise, Offroad-Trittstufe und die Verdunkelung im Fahrerhaus. Zusätzlich sollen sich Offroad-Pakete und Assistenzpakete bestellen lassen. Damit bleibt der CV595 X-EDITION ein Carado: kontrollierter Preis, klare Ausstattung, überschaubare Varianz.

Moderne Ideen, aber abhängig vom Chassis

Zum Blick in die Zukunft gehört auch die Frage nach elektrischen Reisemobilen. Wingart weicht ihr nicht aus, bleibt aber realistisch. „Auch hier kreisen unsere Gedanken“, sagt er. Carado sei jedoch vollständig von den Chassis-Herstellern abhängig. Entscheidend sei, dass ein Hersteller ein geeignetes Basisfahrzeug anbietet, das auch in der Caravaning-Branche etabliert ist. Dazu kommt ein technisches Problem, das viele E-Camper-Konzepte betrifft: die Trennung zwischen Antriebsbatterie und Wohnraumelektrik. „Aktuell dürfen wir nicht auf die Batterie der OEMs“, erklärt Wingart. „Das heißt, wir müssen unsere eigene Caravaning-Elektronik aufbauen.“ Man habe sich also mit dem Thema beschäftigt, aber entschieden sei noch nichts. Oder, wie Wingart es formuliert: „Da ist noch kein Stein gefallen und der Stift noch nicht trocken.“

Wie selbstständig Carado im Konzern agiert

Auch die Frage nach der Rolle im großen Konzernumfeld ist interessant. Carado gehört zur Erwin Hymer Group, die wiederum Teil von Thor Industries ist. Wingart betont dennoch die Eigenständigkeit der Marke. „Wir sind als Marken positioniert“, sagt er. „Jede Marke spricht eine eigene Zielgruppe an. Letztlich können wir schon autark agieren.“ Das ist für den CV595 X-EDITION relevant. Denn das Fahrzeug wirkt nicht wie ein Konzernprodukt aus der Schublade, sondern wie ein Modell, das sehr genau auf die Carado-Kundschaft zugeschnitten wurde. Funktional, relativ preisbewusst, nicht überinszeniert, aber technisch an entscheidender Stelle ungewöhnlich konsequent. Gerade das eigene Dach zeigt, dass Carado bereit war, für dieses Fahrzeug einen echten Entwicklungsschritt zu gehen. Nicht der sichtbare Effekt stand am Anfang, sondern ein praktisches Problem: Volkswagen-Basis ja, aber bitte mit vernünftiger Stehhöhe.

Warum der CV595 X-EDITION mehr ist als eine Edition

Am Ende bleibt ein Campervan, der seine Stärke nicht aus einem einzelnen spektakulären Detail zieht, sondern aus der Kombination. Sechs Meter Länge. Volkswagen-Basis. Automatik. Zuschaltender Heckantrieb. Eigenes Hochdach mit 1,98 Meter Stehhöhe. Funktionaler Innenraum. Zwei Schlafplätze serienmäßig, drei optional. Dazu ein Preis, der trotz der besonderen Konstruktion nicht völlig aus dem Rahmen fallen soll. Unsere Fahrt in München hat gezeigt, dass dieses Konzept funktioniert. Der Carado CV595 X-EDITION fährt sich angenehm handlich, wirkt im Innenraum deutlich luftiger als erwartet und trifft einen Nerv, der im Markt immer wichtiger wird: kompakte Reisemobile, die nicht nach Abenteuer aussehen müssen, um auf schlechten Wegen mehr Sicherheit zu bieten.

Wingart fasst die Idee nüchtern zusammen: „Wir verfolgen nicht das Konzept Offroad, sondern wollen das Thema Sicherheit ansprechen.“ Genau darin liegt die Stärke dieses Vans. Der CV595 X-EDITION ist kein lauter Held für Prospektbilder, sondern ein durchdachter Reisebegleiter für Menschen, die Volkswagen fahren wollen, kompakt bleiben möchten und trotzdem nicht bei jeder nassen Wiese nervös werden wollen.

Für Carado ist das ein bemerkenswertes Fahrzeug. Für den Markt ist es ein spannender Impuls. Und für uns nach der ersten Fahrt in München: einer der interessantesten neuen Campervans auf Volkswagen-Basis.

Bilder: Martin Zink

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