Fokus-Schlagwort: Exploryx Nyala I Mercedes Atego

Wer mit dem eigenen Fahrzeug wirklich weit hinaus will, landet früher oder später bei Expeditionsmobilen auf Lkw-Basis. Der Exploryx Nyala I auf Mercedes-Benz Atego 1024 4×4 ist genau so ein Fahrzeug: technisch ein ausgewachsener Allrad-Laster, innen ein vollwertiges Zuhause auf Rädern. Interessant ist dabei vor allem, dass dieses Mobil trotz seiner Dimensionen auf 7,49 Tonnen abgelastet werden kann und damit mit Führerschein Klasse 3 beziehungsweise C1 bewegt werden darf – ein wichtiger Punkt für viele Reisende, die sich aus dem klassischen Wohnmobil-Segment in Richtung Offroad wagen wollen.
Der Nyala I basiert auf einem Mercedes-Benz Atego 1024 4×4 mit ursprünglich 10,5 Tonnen Fahrgestell, permanentem Allradantrieb und einem Aufbau, der auf Reisen abseits befestigter Straßen ausgelegt ist. Das Doublefloor-Konzept sorgt für ein großzügiges Platzangebot und enorme Stauräume – eine Eigenschaft, die im Alltag unterwegs mindestens so viel zählt wie reine Geländedaten. In dieser Kombination zielt das Fahrzeug klar auf Langzeitreisende und Weltumrunder, die mehr suchen als ein klassisches Reisemobil.
Robustes Basisfahrzeug für lange Reisen und Pisten

Im Zentrum steht der Mercedes-Benz Atego 1024 A mit S-Fahrerhaus. Unter der Haube arbeitet ein Sechszylindermotor mit 175 kW (238 PS) nach Euro-4-Abgasnorm. Gekoppelt ist das Aggregat an ein 6-Gang-Schaltgetriebe, was zur robusten Antriebstechnik passt. Entscheidend für den Einsatz im Gelände ist der permanente Allradantrieb mit einer Kraftverteilung von 35 zu 65 Prozent sowie Differenzialsperren in Vorder- und Hinterachse und im Verteilergetriebe.
Mit einem Radstand von 3560 Millimetern und einer Gesamtlänge von 6800 Millimetern bewegt sich der Nyala I im Rahmen mittlerer Expeditionsmobile. Die Breite beträgt 2490 Millimeter, die Höhe etwa 3520 Millimeter. Das zulässige Gesamtgewicht liegt bei 7490 Kilogramm, technisch möglich sind 10.500 Kilogramm. Trommelbremsen rundum mit ABS, Parabelfedern und eine Geländebereifung in 365/80 R20 zeigen, dass der Fokus auf Haltbarkeit und Traktion liegt. Unterfahrschutz für Tank und empfindliche Aggregate schützt auf schlechten Pisten vor Beschädigungen.
Aufbaukonzept: GfK-Sandwich, Doppelboden und viel Stauraum
Der Wohnaufbau setzt auf GfK-Sandwichplatten mit 60 Millimetern Wandstärke, selbsttragend ausgeführt. Runde GfK-Eckprofile werden kältebrückenfrei verklebt, außen und innen kommt ein hochwertiger Lackaufbau zum Einsatz. Die Bodengruppe besteht aus einer selbsttragenden, geschweißten Aluminiumkonstruktion. Gelagert ist der Aufbau über eine Drei-Punkt-Aufnahme mit Festlager hinten und Pendellager vorn – eine Lösung, um Verwindungen des Leiterrahmens im Gelände nicht ungebremst in den Wohnaufbau zu übertragen.
Zentrales Element ist der doppelte Aufbauboden. Darin sind die technischen Komponenten untergebracht, gleichzeitig bietet er einen wirksamen Kantenschutz. Türen und Klappen sind flächenbündig zur Außenwand ausgeführt und ebenfalls als 60 Millimeter starke Sandwichplatten konstruiert. Eine Drei-Punkt-Verriegelung der Klappen und eine Fünf-Punkt-Verriegelung der Eingangstür sorgen für Sicherheit und solide Haptik. Alle Türen und Klappen sind gleichschließend, was im Alltag mit Handschuhen, Regen und Werkzeug in der Hand ein Komfortmerkmal ist.
Fenster, Durchstieg und Außenstauraum für Vanlife-Alltag
Vier Echtglasfenster mit Isolier-VSG und flächenbündiger Einpassung bringen Licht in den Wohnraum und passen optisch zum robusten Charakter des Fahrzeugs. Die Fenster sind mit Zwei-Punkt-Verriegelung und Edelstahl-Fensteraufstellern ausgestattet. Ein Durchgang zum Fahrerhaus wird über eine Aufbautür und eine Klappe im Fahrerhaus realisiert, verbunden durch ein flexibles Schlauchsystem. Für Wartungszwecke oder die Kippung des Fahrerhauses lässt sich diese Verbindung ausklinken.
Zur Außen-Infrastruktur gehören Stauboxen und Blenden im einheitlichen Design, eine Box für zwei 11-Kilogramm-Gasflaschen, eine elektrische Eingangstreppe mit integriertem Schubkasten und ein elektrischer Hecklift für das Ersatzrad. Ein Kraftstofftank mit 300 Litern Fassungsvermögen ist für große Reichweiten ausgelegt, was insbesondere bei Fernreisen durch dünn besiedelte Regionen hilfreich ist.
Innenausbau: Wohnlichkeit statt Lkw-Charme

Innen zeigt der Nyala I einen Ausbau, der sich vom nüchternen Lkw-Technikträger löst. Die Möbelfronten werden nach Kundenwunsch gefertigt und lackiert, der Korpus ist mit weißem HPL-Schichtstoff belegt, Kanten sind mit 2 Millimetern ABS geschützt. Möbelschnappverschlüsse an allen Fronten verhindern Klappern auf Pisten. Der Fußboden vermittelt Wohnatmosphäre und passt zur warmen Holzoptik.
Im Schlafbereich wartet ein Bett mit 2100 mal 1400 Millimetern Liegefläche, belüftet und mit drei Staufächern am Kopfende. Zwei Leselampen sorgen für Licht beim abendlichen Lesen. Die Sitzgruppe ist in L-Form angeordnet, der Tisch misst 1050 mal 600 Millimeter. Unter den Sitzflächen stehen weitere Staufächer zur Verfügung, dazu kommt eine 230-Volt-Steckdose und Beleuchtung durch Halogenspots sowie zwei zusätzliche Leselampen. Die Gruppe ist zum Bett umbaubar, was variable Nutzungsmöglichkeiten eröffnet.

Küche, Bad und Stauraum für lange Touren

Die Küche setzt auf eine Arbeitsplatte mit HPL-Beschichtung und Massivholz-Anleimer, dazu sechs Schubladen und zwei Schranktüren für Proviant und Kochgeschirr. Ein zweiflammiger Gasherd und Haushalts-Armaturen zielen auf das Kochen unterwegs ab. Eine 230-Volt-Steckdose an der Küchenzeile und beleuchtete Oberschränke mit Dunstabzug runden den Bereich ab. Direkt angrenzend sitzt ein Kompressor-Kühlschrank mit 110 Litern Volumen.
Im Bad findet sich eine separate Dusche mit Duschvorhang, ein Gefälle-WC mit Wasserspülung sowie ein Badschrank mit Corian-Waschtisch und ein Spiegelschrank. Halogenspots übernehmen die Beleuchtung. Der Kleiderschrank ist mit Kleiderstange, Fächern und Einschubboxen strukturiert. Insgesamt stehen rund 6100 Liter Stauraum zur Verfügung – verteilt auf Außenstaufächer, Stauboxen, Bereiche unter den Sitzbänken, den Kleiderschrank und Oberschränke. Das eignet sich für Langzeitaufenthalte und Reisen mit umfangreicher Ausrüstung.
Technik für Autarkie und Wintertauglichkeit

Bei den Tanks ist der Nyala I auf Autarkie ausgelegt. Zwei Frischwassertanks mit je 165 Litern ergeben 330 Liter Gesamtvorrat, der Abwassertank fasst 100 Liter. Ein Biolit-Wasserentkeimungsfilter ist frostsicher installiert und zielt auf sichere Trinkwasserversorgung ab. Ein 40-Liter-Boiler versorgt Küche und Bad mit Warmwasser.
Die Heizung ist als Diesel-Winterheizung mit 9,1 Kilowatt Wasser-Heizleistung ausgelegt und thermostatgeregelt. Zusammen mit dem beheizbaren Aufbauboden und dem Belüftungs- und Heizsystem entsteht ein wintertaugliches Fahrzeug: Frischluft wird gefiltert an der Dachkante angesaugt und durch einen Wärmetauscher geführt, alle Staufächer und Möbel sind belüftet und beheizt. Der doppelte, beheizte Aufbauboden mit integrierter Technik und Belüftung macht den Nyala I zu einem Vierjahreszeiten-Mobil, das Feuchtigkeit und Kälte besser im Griff hat als klassische Reisemobile ohne durchdachtes Klimamanagement.
Elektrik, Komfort und Alltagstauglichkeit
Elektrisch ist der Nyala I mit einer 24-Volt-Bordbatterie mit 200 Amperestunden ausgestattet, dazu kommt eine Starterbatterie mit 24 Volt und 130 Amperestunden. Die Nachladung erfolgt über einen Hochleistungsladeregler durch die Lichtmaschine, am Stellplatz steht ein Landstrom-Ladegerät mit 50 Ampere zur Verfügung. Ein Kontrollpanel zeigt die Füllstände der Tanks sowie die Batteriezustände an.
Im Fahrerhaus finden sich Komfortelemente wie Zentralverriegelung, Komfort-Schwingsitze, ein Fernverkehrs-Cockpit, Radio/CD, Klimaanlage, Tempomat und Dachluke. Eine Durchstiegsklappe erlaubt den Wechsel zwischen Fahrerhaus und Wohnbereich, ohne nach draußen zu müssen. Im Wohnbereich kommt ein Radio/CD-Player für Unterhaltung zum Einsatz. Zusammen mit den Stauraumlösungen ergibt sich ein Fahrzeug, das auf der Piste ebenso funktioniert wie beim mehrwöchigen Stehen an einem einsamen Platz.
Ein Expeditionsmobil für Spezialisten – und die Verfügbarkeit
Der Exploryx Nyala I auf Mercedes-Benz Atego 1024 4×4 ist damit im Segment der individuellen Expeditionsmobile angesiedelt. Er richtet sich an Reisende, die entlegene Regionen erreichen wollen und mit einem aufwendigen Fahrzeugkonzept umgehen können. Die Kombination aus permanentem Allradantrieb, robustem Fahrgestell, isoliertem GfK-Aufbau und durchdachtem Doppelboden mit Winterheizung macht ihn zu einem Partner für Ganzjahresreisen.
Da es sich nicht um ein Großserien-Reisemobil handelt, sondern um ein spezielles Expeditionsfahrzeug, ist die Verfügbarkeit begrenzt. Wer ein solches Fahrzeug in Deutschland erwerben möchte, muss mit individuellen Lösungen, teils längeren Lieferzeiten und einer handwerklich geprägten Abwicklung rechnen. Auf anderen Märkten ist ein vergleichbares Paket nicht ohne Weiteres im üblichen Handel zu finden.
Preisangaben zu dieser Konfiguration werden in der Regel individuell kalkuliert und sind stark von Ausbauwünschen und Anpassungen abhängig. Interessenten sollten daher mit einem hohen sechsstelligen Betrag rechnen, der einem auf Maß gebauten Expeditionsmobil dieser Klasse entspricht.
Bilder: Hersteller












