Kaufberatung – Land Rover Discovery als Camper

Kaufberatung – Land Rover Discovery als Camper

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Der Discovery von Land Rover ist nicht nur ein gemütliches Alltagsauto und schlägt sich im Gelände hervorragend, er kann auch eine gute Basis für einen geländetauglichen Camper sein, mit dem man schnell ans Urlaubsziel kommt. Ein guter Grund, sich einen Gebrauchten der Modellreihe 3 oder 4 zuzulegen. Für unsere Kaufberatung haben wir uns bei Peter Löwenhaupt von Expedition Parts und Michael Kupski vom Autohaus Kupski erkundigt, auf was man beim Kauf achten muss.

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Kaufberatung – Land Rover Discovery als Camper
Peter Löwenhaupt und Michael Kupski kennen sich mit dem Land Rover Discovery bestens aus.

Land Rover Discovery, der bessere Defender?

Eingefleischte Defender-Fahrer hören den Satz, der Disco sei der bessere Defender, nicht gerne. Klar, dem Discovery fehlt das Kultige, ihm fehlt die Kantigkeit, ihm fehlt der kernige Look nach echtem Geländegänger. Optisch kommt er eher wie ein gediegenes Mittelklasse-SUV daher – außen wie innen. Seine Offroad-Fähigkeiten verbirgt er dabei geschickt. Man sieht sie ihm schlicht nicht an. Doch es ist etwas Wahres dran an jenem Satz. Der Disco kommt im Gelände richtig weit und bringt auch die passenden Zutaten fürs ernsthafte Offroaden mit. Das fängt beim klassischen Leiterrahmen mit aufgeschraubter Karosserie an und hört bei diversen elektronischen Helferlein auf.

Kaufberatung – Land Rover Discovery als Camper  – Disco mit Leiterrahmen
Der Disco verfügt über einen klassischen Leiterrahmen mit aufgeschraubter Karosserie.

Die Discovery-Modellreihen 3 und 4 sind eine gute Basis

Besonders die Modellreihen 3 und 4 warten dabei mit absoluter Alltagstauglichkeit, echter Geländegängigkeit und obendrein mit guter Qualität auf. Von der Technik sind sie nahezu identisch, denn der Vierer ist im Prinzip lediglich ein Dreier mit Facelift und keine echte neue Modellreihe. Doch was ist zu beachten, wenn man sich einen der mitunter schon fast 20 Jahre alten Wagen kaufen will? Denn der Disco 3 wurde seit 2004 gebaut, den Disco 4 gab es ab 2009.

Die wichtigen Unterschiede sind bei den Motoren zu finden. Im Discovery 3 dieselte noch der 2.7-Liter-Sechszylinder mit 190 PS. Den Diesel-Discovery 4 gab es mit 3.0-Liter-Sechser mit 211 bis 256 PS. Gerade beim Disco 4 mit dem SDV6, dem 256-PS-Diesel, treten jedoch oft Motorschäden auf. Beide Baureihen waren aber auch als V8-Benziner zu haben, wobei die bei uns selten sind. Der Vorteil des V8: die Motoren sind sehr langlebig.

Kaufberatung – Land Rover Discovery als Camper

Wir haben uns im Odenwald in Breuberg beim Autohaus Kupski eingefunden. Ebenfalls mit vor Ort ist Peter Löwenhaupt von Expedition Parts. Beide sind echte Disco-Spezialisten und sind daher eine enge Partnerschaft eingegangen. „Im Prinzip sind es nicht viele Dinge, auf die man beim Kauf achten muss“, erklären uns die Beiden unisono. Denn so viele Schwachstellen gibt es bei diesen beiden Modellen nicht. Bei den beiden Vorgängern war das noch anders. In bester Defender-Manier tropften sie ungeniert ihre Öle überall dorthin, wo sie grade standen oder fuhren. Hinzu kam die Korrosion.

Kaufberatung – Land Rover Discovery als Camper  – kaum Rost
Der halb auseinandergeschraubte Disco zeigt, dass die Modelle 3 und 4 kaum Rost ansetzen.

Während der Rost beim Defender (wenigstens) nur am Rahmen nagt, tat er sich bei den ersten beiden Discovery-Baureihen auch ungeniert an der Stahlkarosse gütlich. Das hat Land Rover, damals zu Ford gehörend, mit dem Disco 3 glücklicherweise in den Griff bekommen. Die Karosserie wurde nun bereits ab Werk ordentlich geschützt. Rost ist also nicht das große Problem, dennoch sollte man bei einem Besichtigungstermin natürlich auch danach schauen, und das grade an den Bremsleitungen. Denn wenn Rost zu finden ist, dann hier.

Teuer wird es, wenn die Kurbelwelle hinüber ist

Das teuerste Problem, und das ist leider kaum nachzuprüfen, ist die Kurbelwelle. Wird der Disco längere Abschnitte mit Vollgas über die Bahn gejagt, bricht sie irgendwann gerne. In diesem Fall macht ein neuer Motor Sinn. Und dabei sind wir schon beim ersten Tipp von Michael und Peter. „Wenn man sich einen Wagen mit Motorschaden aber guter Karosse für rund 5.000 Euro kauft und dann einen neuen Motor für rund 15.000 Euro einbauen lässt, hat man für rund 20.000 Euro quasi einen Neuwagen“, regen sie an. Das betrifft jedoch, wie oben schon erwähnt, fast nur den Drei-Liter-Vierer. Beim Disco 3 tritt dieses Problem selten auf, zumindest wenn es sich schon um ein Fahrzeug mit verstärkter Ölpumpe handelt. Das kann man (fast nur) daran erkennen, dass sie über einen Verstärkungssteg verfügt.

Kaufberatung – Land Rover Discovery als Camper  – gebrochene Kurbelwelle
Ist die Kurbelwelle beim Drei-Liter-Vierer gebrochen, ist ein neuer Motor die beste Variante.

Auf was sollte man bein Kauf eines Land Rover Discovery achten?

Aber es sind natürlich noch ein paar mehr Punkte, auf die man sein Augenmerk richten sollte: Bei 99% der Fahrzeuge seien die Achsschenkellager ab einer Laufleistung von 150.000 Kilometern ausgeschlagen. Die Reparaturkosten belaufen sich auf etwa 1.000 Euro. Dabei empfehlen sie den Einbau von Polybuchsen. Die sind zwar etwas härter, aber dafür auch haltbarer. Um die Achsschenkellager zu prüfen, lässt man jemanden langsam über Bordsteinkanten oder andere Unebenheiten fahren und läuft dabei nebenher. Bewegt sich das Rad dabei seitlich, oder ist ein Klackern zu hören, sind sie durch.

Land Rover Discovery, ausgeschlagene Achsschenkellager
Bei 99 Prozent der Fahrzeuge sind bei einer Laufleistung über 150.000 Kilometer die Achsschenkellager ausgeschlagen. Beim Tausch sollte man auf Polybuchsen wechseln.

Ebenfalls jenseits der 150.000 Kilometer kann es auch zu Wandlerproblemen im Automatikgetriebe kommen. Sie sind bei einer Geschwindigkeit zwischen 80 und 100 km/h spür- beziehungsweise am Drehzahlmesser sichtbar. Bemerkbar macht sich das durch ein leichtes Flattern im Antrieb und ein Schwanken der Anzeigennadel.

Den Disco vor dem Kauf auf Ölverlust und Anhängerbetrieb prüfen

Am Lenkgetriebe kann es zu Ölverlust kommen. Das sollte man prüfen. Auch hier sollte man nachschauen: Hat der Wagen eine Anhängerkupplung, muss man klären, ob der Anhänger im Dauerbetrieb gefahren wurde oder nur ab und zu. Ist eine Kupplung mit Quertraverse montiert, macht der Dauerbetrieb nichts aus. Hat sie keine Quertraverse, ist sie nach einer gewissen Zeit und massiver Beanspruchung ausgeschlagen und lässt sich nach rechts und links hin und her wackeln. Die Reparatur schlägt mit rund 270 Euro zu Buche.

Land Rover Discovery Anhängerkupplung
Werden mit Anhängerkupplungen ohne Quertraverse oft schwere Anhänger gezogen, schlagen sie irgendwann aus. Bei Kupplungen mit Quertraverse passiert das nicht.

Außerdem verdrecken die Bremstrommeln der Handbremse, die in den hinteren Bremsscheiben sitzen, gerne. Sammelt sich hier zu viel Dreck, kann sich etwas verklemmen, oder die Zahnräder verabschieden sich, da der Stellmotor immer mit der gleichen Kraft zieht. Außerdem werden laut Peter Löwenhaupt die Züge selten oder nie gefettet, was auf Dauer ebenfalls zu Problemen führt.

Thema Luft für das Fahrwerk des Disco

Ein weiteres Problem kann der Trockner bereiten, der die Luft für das Luftfederfahrwerk von Wasser befreit. Hier löst sich das Silikat auf und wird zu Staub. In der Folge benötigt der Kompressor mehr Kraft und sollte gewartet werden. Oft wird auch das übergangen. Die Folgen: Der Kompressor gibt irgendwann den Geist auf oder der Staub setzt die Technik oder den Luftdruckverteiler zu.

Findet sich viel Schlamm und Dreck zwischen Rahmen und Body, ist das nicht nur untrügliches Zeichen für Fahren im Gelände, sondern meist auch Garantie dafür, dass zumindest Reinigungsbedarf für oben genannte Technik besteht. Dann prüft man auch gleich, ob die diversen Steckverbindungen der Elektrik nicht korrodiert sind. Um diese Arbeiten jedoch wirklich gut und vor allem vollständig durchführen zu können, muss der Body vom Rahmen runter.

Vieles lässt sich mit einem Diagnosgerät auslesen

Da der Disco über viel Elektronik verfügt, lässt sich mit einem Diagnosegerät auch viel auslesen. Allerdings wäre der Discovery kein waschechter Brite, wenn das mit einem handelsüblichen Standard-Diagnosestecker vom Kontinent ginge, weder vom europäischen noch von einem der anderen vier. Etwas Exzentrik muss bitteschön schon sein. Daher liefert nur das IID-Tool von GAP-Diagnostik für rund 650 Euro auch exakte Diagnosen. Alle anderen melden nämlich zum Beispiel durchaus mal einen Getriebefehler, obwohl eigentlich (nur) der Scheibenwischermotor defekt ist – it seems to be a special kind of british humor.

Diagnosetool für den Land Rover Discovery
Klar, bei einem Briten liefert auch nur ein britisches Diagnosetool korrekte Werte – man muss es wohl mit (britischem) Humor nehmen.

Viel falsch machen kann man beim Kauf eines Land Rover Discovery nicht

Damit sind wir laut Michael und Peter mit den Schwachstellen aber auch schon am Ende. Ihr Fazit ist, dass man mit dem Disco 3 oder 4 nicht viel falsch machen kann und ein gutes Fahrzeug mit hohem Sicherheitsstandard für sein Geld bekommt. Einen Tipp haben sie aber noch für uns parat: Vor dem Kauf sollte man den Wagen von einem Fachmann durchchecken lassen. Der kann einem auch sagen, was eventuell an Reparaturen auf einen zukommt. Dabei raten sie allerdings durchaus eher zur freien Fachwerkstatt als zum Land-Rover-Händler. Oft kenne man sich da vorwiegend mit den neueren Modellen aus. Daher sei auch der Begriff „Scheckheftgepflegt“ mitunter trügerisch, da man bei Land Rover oft nicht alle Öle wechseln und zum Beispiel das Getriebe gern vernachlässigen würde. Ausnahmen dürften hier aber – wie üblich – auch diese Regel bestätigen.

LR Disco Scheckheftgepflegt
Scheckheftgepflegt heißt bei Land Rover leider nicht immer Scheckheftgepflegt.

Unser Fazit zum Land rover Discovery

Der Discovery ist ein Fahrzeug für die, die wenig gesteigerten Wert auf den Kultfaktor legen und lieber ein uneingeschränkt alltagstaugliches Fahrzeug fahren wollen, mit dem man auch im Gelände so richtig Spaß haben kann. Und er ist ein Fahrzeug, das sich auch zum geländetauglichen Camper umbauen lässt, wie Peter mit seinem eigenen Disco eindrücklich bewiesen hat. Denn der Discovery kann defintiv auch Offroad-Reisemobil sein.

Mit seinem eigenen Discovery hat Peter Löwenhaupt bewiesen, dass der Disco auch Offroad-Camper sein kann. (Foto: Peter Löwenhaupt)

Aber eben eins, mit dem man nach ein paar hundert Kilometern Anfahrt auch entspannt am Urlaubsziel ankommt. Günstige Gebrauchte des Dreiers sind ab rund 4 bis 5.000 Euro zu haben, die neueren Fahrzeuge der Version 4 können aber auch um die 30 bis 35.000 Euro kosten. Legt man sein Geld irgendwo dazwischen an, bekommt man viel alltagstauglichen und zuverlässigen Offroader zu einem moderaten Preis. Im Vergleich dazu starten die Preise für gebrauchte Defender der gleichen Baujahre erst bei rund 10.000 bis 15.000 Euro und liegen in der Spitze weit darüber, zum Teil sehr weit. Und dann hat man man noch nichts in die beim Defender nortwendigen Reparaturen gesteckt. Von daher ist der Disco vielleicht schon allein deswegen eben doch der bessere Defender.

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