Ein Einzelstück für lange Touren abseits der Straße

Der Land Rover Defender 130 sorgt seit seiner Einführung für Gesprächsstoff – als Basis für einen Pickup Camper wird er endgültig zur Ausnahmeerscheinung. Bei dem hier vorgestellten Fahrzeug handelt es sich um einen Defender 130 Crew Cab Pickup, der mit einer maßgefertigten Wohnkabine kombiniert wurde. Dieses Fahrzeug existiert in dieser Form nur ein einziges Mal, ein echtes Unikat also. Die Kabine stammt von einem Spezialisten aus Mainz und wurde exakt nach den Wünschen der Besitzer Reto und Anna gefertigt. Ziel: außen robust, massiv und offroadtauglich, innen jedoch warm, wohnlich und weit weg vom kühlen Alu-Look klassischer Expeditionsaufbauten.
Die beiden nutzten den Defender nach dem Aufbau der nackten Kabine zunächst mehrere Wochen lang auf Reisen – ohne fertigen Innenausbau. Diese Phase diente dazu, die eigenen Bedürfnisse für eine Langzeitreise wirklich zu verstehen: Wie viel Stauraum wird gebraucht, wo ist ein Sitzplatz sinnvoll, welche Technik ist unverzichtbar? Erst danach wurde der Innenraum konsequent geplant und umgesetzt. Für Vanlife-Fans, die mit dem Gedanken an einen Pickup Camper spielen, ist dieses Fahrzeug ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig Praxis-Erfahrung vor dem finalen Ausbau ist.
Endlos-Freisein: Manufaktur im Odenwald als Ideenschmiede

Den Innenausbau übernahm eine kleine Manufaktur im Odenwald, rund 70 Kilometer südlich von Frankfurt. Dort realisieren zwei Ingenieure seit 2020 individuelle Reisemobilausbauten – mit viel Liebe zum Detail und klarer technisch-funktionaler Handschrift. Der Ausbau des Defender 130 Pickup Campers wurde am Computer als 3D-Modell geplant. So ließen sich Komponenten wie Kühlschrank, Trockentrenntoilette und Heizung präzise unterbringen, ohne den Raumfluss zu zerstören.
Der Zugang zur Kabine erfolgt über eine große, nach hinten öffnende Klappe. Links und rechts an den Seiten des Pickups sitzen je eine große Tür. Im aufgeklappten Zustand entsteht so ein sehr offenes Raumgefühl, bei dem Innen- und Außenbereich ineinander übergehen. Gerade auf längeren Reisen, bei denen man viel Zeit an einem Ort verbringt, ist diese Offenheit ein echter Komfortgewinn: Kochen bei geöffneter Seitenklappe, schnelle Zugänglichkeit von Ausrüstung und ein luftiges Wohngefühl sind hier Programm.
Cleveres Raumkonzept: L-Sitzgruppe und Stauraum in jeder Ecke

Im Inneren setzt der Defender 130 Pickup Camper auf ein L-förmiges Grundlayout. Auf der linken Seite zieht sich eine lange Sitzbank entlang, in deren Sockel vier große Schubladen integriert sind. Die beiden unteren Schubladen reichen bis an den Radkasten des Pickup-Bettes, die oberen enden an einem Holzpaneel über dem Radlauf. So wird jeder Zentimeter sinnvoll genutzt. Am vorderen Ende der Kabine quert eine zweite Bank, sodass eine L-Sitzgruppe entsteht – ideal zum Essen, Arbeiten oder einfach zum Entspannen an Regentagen.

Im linken vorderen Eck der Bank verstecken sich unter einer Klappe zwei weitere Staufächer, eines groß, eines kleiner. Selbst der Bereich oberhalb des Radkastens wird hier nicht verschenkt. Im kleineren Fach kommen hochelastische, besonders reißfeste Flexrope-Spannseile zum Einsatz, damit Ausrüstung auch bei ruppigen Pisten sicher an ihrem Platz bleibt. Direkt daneben sitzt unter einem Holzdeckel eine Boxio-Trockentrenntoilette. Eine kleine, aber wichtige Detaillösung: Die vordere Kante der Toilettenöffnung ist abgesenkt, damit die Beine beim Sitzen bequem aufliegen. Ein Beispiel dafür, wie sehr hier praxisorientiert gedacht wurde.

Elektrik im Hochschrank: Aufgeräumt, zugänglich, reisetauglich

Auf der rechten Seite der Kabine befindet sich ein hoher Schrank, der das elektrische Herz des Campers beherbergt. Eine 100 Ah Lithium-Batterie versorgt die Verbraucher an Bord. Verteilt wird der Strom über Plus- und Minus-Sammelschienen sowie ein zwölffach abgesichertes Verteilpanel, bei dem die Leitungen mit massiven Kabelschuhen angeschlossen sind. Ein rückstellbarer Sicherungsautomat und ein Solar-Laderegler mit Bluetooth-Funktion sorgen für Sicherheit und Kontrolle – gerade abseits der Zivilisation ein wichtiger Punkt für alle, die autark unterwegs sein wollen.
Über dem Elektrobereich sitzt eine herausnehmbare Schublade für trockene Lebensmittel. Wird diese herausgezogen, kommt man schnell an die Sicherungen – ein praktischer Servicezugang, der im Alltag viel Ärger erspart. Das größte Fach des Hochschranks nimmt einen Kühlschrank mit rund 40 Litern Fassungsvermögen inklusive kleinem Gefrierbereich auf. Für zwei Personen auf Langzeitreise reicht diese Größe erfahrungsgemäß aus, um mehrere Tage autark zu stehen, ohne ständig einkaufen zu müssen.

Küche, Wasser und Heizung: Kompakt, aber gut durchdacht

An den Hochschrank schließt sich der Küchenbereich an. Im unteren Bereich ist ein Platz für eine Autoterm 2D Diesel-Luftheizung vorgesehen, die vor dem Radkasten ihren Platz finden wird. Eine solche Heizung ist gerade in einem robusten Fernreisefahrzeug ein Schlüssel zur Ganzjahrestauglichkeit – sei es für herbstliche Touren durch die Mittelgebirge oder kalte Nächte im Hochgebirge.
Daneben befinden sich kleinere Staufächer und ein 15-Liter-Grauwassertank, der das Abwasser der Spüle aufnimmt. Der Tank wird ebenfalls mit einem Flexrope-Spannseil gesichert, damit er sich selbst bei Offroadpassagen nicht lösen kann. Über dem Unterbau liegt die Arbeitsfläche, darüber eine offene, nach oben hin sichtbare Küchenzeile. Ein 10-mm-Frischwasserschlauch führt von der Rückwand zu einem außen liegenden Unterflurtank mit Druckpumpe – eine Lösung, die Platz im Innenraum spart und den Schwerpunkt niedrig hält, was dem Fahrverhalten zugutekommt.
Beschläge und Details: Kleine Bauteile mit großer Wirkung

Bei den Möbelklappen kommen spezielle Klappbeschläge aus gebürstetem Messing zum Einsatz, die sich flächenbündig montieren lassen und als äußerst robust gelten. Für ein Fahrzeug, das ernsthaft ins Gelände bewegt werden soll, ist das mehr als ein optisches Detail. Auch die Schließtechnik ist auf Offroad-Tauglichkeit ausgelegt: Die Staufachklappen und die benachbarte Besteckschublade werden von vollmetallenen Push-Lock-Kompressionsverschlüssen gesichert, die sich im Gelände bewähren. Sie verhindern, dass Türen und Schubladen während der Fahrt aufgehen – ein nicht zu unterschätzender Sicherheitsfaktor.
Zwei offene Fächer am Übergang zur Küche, ebenfalls mit Flexrope gesichert, nehmen Alltagsgegenstände wie Tassen, Kanne, Bialetti und French Press auf. So ist das wichtigste Kaffeewerkzeug immer griffbereit. Dieser Mix aus offenen und geschlossenen Stauräumen sorgt dafür, dass die Kabine trotz vieler Funktionen nicht erdrückend wirkt, sondern luftig und wohnlich bleibt.
Defender 130 als Basis: Moderne Technik mit klassischer DNA
Der aktuelle Defender (Baureihe L663) wird seit 2019 gebaut und knüpft technisch nicht mehr an den klassischen Vorgänger an, trägt aber dessen Offroad-Erbe weiter. Der Defender 130 ist die längste Variante der Baureihe, mit einem Radstand von 3.022 Millimetern und einer Gesamtlänge von rund 5,36 Metern. Im Serienzustand bietet er bis zu acht Sitzplätze und ein enormes Gepäckvolumen von bis zu 2.516 Litern. Für einen Pickup Camper bedeutet diese Basis: viel Platz auf der Pritsche bei gleichzeitig ausgewachsenen Straßen- und Geländeeigenschaften.
Der hier aufgebaute Crew Cab Pickup ist kein serienmäßig erhältliches Modell; es handelt sich um eine individuelle Umrüstung auf Basis des Defender 130 mit Wohnkabine. Wer sich von diesem Einzelstück inspirieren lässt, sollte einkalkulieren, dass ein ähnliches Projekt viel Planung, Zeit und Budget benötigt – dafür aber ein Reisefahrzeug entsteht, das perfekt auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten ist und auf langen Touren ein echtes Zuhause auf Rädern wird.
Bilder: Hersteller















