Wer mit dem Rollstuhl unterwegs ist, kennt die Grenzen klassischer Campingbusse nur zu gut: schmale Durchgänge, hohe Einstiege, improvisierte Lösungen. Der Maverick von Vamonos Vans setzt genau hier an. Dieser individuell aufgebaute Sprinter-Camper wurde von Beginn an mit dem Ziel entwickelt, barrierearmes Reisen und echtes Vanlife-Abenteuer miteinander zu verbinden – inklusive fest integrierter Rollstuhl-Liftanlage. Damit öffnet sich die Welt jenseits befestigter Straßen auch für Menschen, die sonst häufig ausgesperrt bleiben.
Technisch basiert der Ausbau auf einem allradgetriebenen Sprinter und zielt auf längere Touren abseits der Stadt ab. Der Maverick ist nicht einfach nur ein Transportmittel, sondern ein vollwertiger, kompakter Wohnraum, der auf die Bedürfnisse von Rollstuhlnutzenden zugeschnitten ist. Alle wesentlichen Funktionen – vom Einstieg über die Sitz- und Schlafmöglichkeiten bis zur Strom- und Wasserversorgung – sind darauf ausgelegt, selbstbestimmtes Reisen zu ermöglichen und die Abhängigkeit von festen Infrastrukturen zu reduzieren.
Barrierefreier Zugang: Rollstuhl-Lift als Herzstück des Konzepts

Das auffälligste Merkmal des Maverick ist der integrierte Rollstuhl-Lift. Während viele Camperlösungen noch immer auf provisorische Rampen setzen, gehört der Lift hier fest zum Fahrzeugkonzept. Das erleichtert nicht nur den Einstieg erheblich, sondern macht auch spontane Stopps im Gelände realistischer: Tür auf, Lift runter, und der Weg ins Fahrzeug ist ohne fremde Hilfe möglich, sofern die Umgebung es zulässt. Damit verschiebt sich die Grenze dessen, was mit Rollstuhl im Vanlife machbar ist, deutlich nach außen.
Der barrierearme Zugang beeinflusst den gesamten Grundriss. Innen müssen Bewegungsflächen so geplant sein, dass ein Rollstuhl sinnvoll rangieren kann. Die Sitzplätze – insgesamt vier – und die Schlafplätze – ebenfalls vier – sind so angeordnet, dass sie sowohl Fahrkomfort als auch Alltagstauglichkeit im Stand kombinieren. Für Vanlife-Fans mit Familie oder Partner ist es entscheidend, dass trotz Hilfsmitteln wie dem Lift ausreichend Raum für gemeinsames Wohnen bleibt. Der Maverick zeigt, dass barrierearmer Ausbau nicht zwangsläufig auf Kosten der Nutzbarkeit für Mitreisende gehen muss.
Aluminium-Möbel: Leicht, robust und ideal für 4×4-Einsätze

Ein weiterer Kernaspekt ist die Wahl der Materialien im Innenraum. Die komplette Möblierung besteht aus Aluminium. Das hat mehrere Vorteile: Zum einen ist Aluminium vergleichsweise leicht, was beim ausgebauten Allrad-Sprinter hilft, das Gesamtgewicht im Rahmen zu halten. Zum anderen ist es sehr robust und unempfindlicher gegen Feuchtigkeit als Holzwerkstoffe – ein Pluspunkt, wenn der Van ganzjährig und in unterschiedlichen Klimazonen genutzt wird.

Aus Sicht des Vanlife-Alltags bedeutet das: Schränke, Stauräume und Küchenmodule sind auf intensiven Gebrauch ausgelegt. Wer mit Rollstuhl unterwegs ist, beansprucht den Innenraum oft stärker, einfach weil das Gefährt im Fahrzeug bewegt wird. Kratzer, Stöße und punktuelle Belastungen steckt ein aus Aluminium gefertigtes Möbelkonzept wesentlich gelassener weg als empfindliche Leichtbauplatten. Gleichzeitig lässt sich die Oberfläche gut reinigen, was auf langen Touren ein praktischer Vorteil ist.
Autarke Energieversorgung: Solarstrom für längere Touren

Für Vanlife abseits großer Campingplätze führt an einer autarken Stromversorgung kaum ein Weg vorbei. Der Maverick setzt hierfür auf eine Solaranlage auf dem Dach. Solarstrom reduziert die Abhängigkeit von Landstrom erheblich und sorgt dafür, dass zentrale Verbraucher wie Kühlschrank, Wasserpumpe und Beleuchtung zuverlässig betrieben werden können. Gerade bei einem barrierearmen Fahrzeug ist Verlässlichkeit wichtig: Wer auf definierte Abläufe angewiesen ist, möchte nicht täglich mit Stromengpässen kämpfen.
Die Solarausstattung ist die Grundlage dafür, dass der integrierte Kühlschrank dauerhaft laufen kann. Frische Lebensmittel über mehrere Tage zu kühlen, erhöht den Komfort deutlich – insbesondere, wenn nicht jede Ortschaft mit Supermarkt angesteuert werden soll. In Kombination mit der weiteren Elektrik entsteht so ein Setup, das mehrere Tage Autarkie ermöglicht, solange die Sonneneinstrahlung mitspielt und der Energiebedarf sinnvoll geplant wird.
Frisch- und Warmwasser: Komfort im Alltag des Vanlife

Ein weiterer wichtiger Baustein im Konzept des Maverick ist die Wasserversorgung. An Bord stehen Frischwasser und Warmwasser zur Verfügung. Das verändert den Alltag im Fahrzeug spürbar, denn viele barrierearme Lösungen scheitern bislang an den Details der Körperpflege unterwegs. Mit einem System, das Warmwasser bereitstellt, sind hygienische Routinen einfacher umzusetzen – sei es zum Händewaschen, Abwaschen oder für eine kurze Katzenwäsche im Innenraum.
Abgerundet wird das Wasserkonzept durch eine Außendusche. Auch diese ist für Vanlife-Fans mit eingeschränkter Mobilität relevant: Mit passender Unterstützung oder Hilfsmitteln können Duschsituationen im Freien flexibel gestaltet werden, etwa mit einem Duschzelt oder einem Sichtschutz. Gleichzeitig bleibt der Innenraum trocken, was vor allem bei nassem Wetter und begrenzter Bewegungsfreiheit ein Vorteil ist. Insgesamt erhöht das Wasser-Setup die Unabhängigkeit von Sanitäranlagen auf Campingplätzen oder Stellplätzen erheblich.
Toilettenlösung und Lichtkonzept: Praktisch und alltagstauglich

Beim Thema Toilette setzt der Maverick auf eine Kompost- beziehungsweise Einwegtoilette. Für viele Vanlife-Fans ist das eine attraktive Alternative zur klassischen Kassettentoilette, denn es entfällt das Entsorgungsritual an speziellen Stationen. Gerade auf Routen, auf denen barrierefreie Ver- und Entsorgungsstationen rar sind, kann dieses System den Alltag entspannen. Die Organisation der Entsorgung will zwar gut geplant sein, bringt aber Flexibilität für längere Etappen abseits touristischer Hotspots.
Für das passende Ambiente im Innenraum sorgt eine durchdachte LED-Beleuchtung. LEDs sind sparsam im Stromverbrauch und lassen sich gut in Möbel und Decke integrieren. Für das Leben im Van ist Licht weit mehr als nur Funktion: Es strukturiert den Tag, schafft Zonen zum Arbeiten, Kochen oder Ausruhen und hilft insbesondere Personen mit eingeschränkter Mobilität, Hindernisse frühzeitig zu erkennen. Eine sinnvolle Lichtplanung ist damit auch ein Beitrag zur Sicherheit im Fahrzeug.
Schlaf- und Sitzplätze: Vier Personen auf kompaktem Raum

Der Maverick ist auf vier Sitz- und vier Schlafplätze ausgelegt. Das macht das Fahrzeug interessant für kleine Familien oder Reisende, die mit Assistenzperson unterwegs sind. Die Herausforderung bei einem barrierearmen Camper liegt darin, trotz zusätzlicher Technik wie dem Rollstuhl-Lift genügend Platz zum Schlafen und Sitzen zu schaffen, ohne dass der Innenraum überladen wirkt. Hier zeigt sich, wie wichtig ein ganzheitliches Konzept ist: Nur wenn Möbel, Bettlösungen und Bewegungsflächen aufeinander abgestimmt sind, funktioniert der Alltag an Bord reibungslos.
Gerade für längere Reisen spielt die Qualität der Schlafplätze eine zentrale Rolle. Wer tagsüber mit eingeschränkter Mobilität zurechtkommen muss, benötigt nachts eine verlässliche und möglichst komfortable Liegefläche. Obwohl der Ausbau individuell auf den jeweiligen Kunden zugeschnitten wird, zeigt das Grundkonzept, dass sich barrierearme Lösungen mit familientauglichen Layouts kombinieren lassen – ein wichtiger Impuls für die gesamte Branche.
Verfügbarkeit in Europa: Spannend, aber schwer zu bekommen

Der Maverick wird in den USA gebaut und ist in erster Linie für den dortigen Markt konzipiert. Für Leser in Deutschland bedeutet das: Die Idee ist inspirierend, die konkrete Umsetzung jedoch nicht ohne Weiteres übertragbar. Import, Umrüstung und Zulassung eines solchen Fahrzeugs in Europa können komplex und kostenintensiv werden. Hinzu kommt, dass der Ausbaupreis sich nur auf das vom Kunden bereitgestellte Basisfahrzeug bezieht; der Sprinter selbst ist nicht im genannten Projektpreis enthalten.
Wer in Deutschland ein ähnliches Konzept realisieren möchte, muss deshalb mit einem hohen organisatorischen und finanziellen Aufwand rechnen. Gleichzeitig zeigt der Maverick, welches Potenzial in durchdacht barrierearmen Vanlösungen steckt. Für ausbauende Betriebe hierzulande könnte dieses Fahrzeug als Anstoß dienen, eigene barrierearme Allrad-Camper zu entwickeln, die direkt auf europäische Normen und Bedürfnisse abgestimmt sind. Für Reisende mit Rollstuhl bleibt der Maverick damit vor allem ein spannender Blick über den Atlantik – und ein Hinweis darauf, wohin sich der Markt perspektivisch entwickeln könnte.
Fokus auf Inklusion: Warum der Maverick mehr ist als ein Camper

Der vielleicht faszinierendste Aspekt des Maverick ist nicht ein einzelnes technisches Detail, sondern die Art, wie der Rollstuhl-Lift das gesamte Fahrzeugkonzept prägt. Statt den Lift nachträglich in ein bestehendes Layout hineinzuquetschen, wurde der Ausbau von Beginn an um diese Funktion herum gedacht. Das Ergebnis ist ein Van, der zeigt, dass Abenteuer, Allrad und Barrierearmut keine Gegensätze sein müssen. Für viele Menschen mit Mobilitätseinschränkung bedeutet allein diese Erkenntnis einen großen Schritt in Richtung gelebtes Vanlife.
Preislich liegt der Ausbau bei rund 55.000 US-Dollar für das komplette Projekt, wobei das Basisfahrzeug vom Kunden gestellt wird und nicht im Preis enthalten ist. Damit bewegt sich der Maverick in einem Bereich, der angesichts des technischen Aufwands und der Spezialisierung wenig überrascht. Für den europäischen Markt und speziell für Deutschland bleibt ein ähnliches Fahrzeug derzeit schwer erreichbar, doch der gedankliche Weg ist gewiesen: Barrierearme 4×4-Camper wie der Maverick könnten in Zukunft dafür sorgen, dass Vanlife für noch mehr Menschen zur realistischen Option wird.
Bilder: Hersteller











