Es gibt in der Wohnkabinen-Welt eine Rechnung, die in den letzten Jahren immer unangenehmer geworden ist. Sie lautet: Basisfahrzeug plus Kabine plus Wasser plus Gepäck darf 3,5 Tonnen nicht überschreiten – sonst ist Schluss mit Pkw-Führerschein, Pkw-Maut und Pkw-Tempolimit. Das Problem ist, dass in dieser Rechnung ein Summand ständig wächst: das Fahrzeug selbst.
Genau darauf hat Tischer aus Kreuzwertheim auf dem Caravan Salon 2026 geantwortet. Die Neuheit heißt Box 200 Super Light, wiegt 550 Kilogramm und stand in Halle 12 auf einem Dodge Ram 1500.
Das Problem heißt Elektro-Pickup
„Speziell für das Kundenklientel amerikanische Pickups, also hohes Basisgewicht, wie jetzt ein Dodge Ram 1500 – aber auch Kunden mit hybriden Pickups, vollelektrischen Pickups“, erklärt Geschäftsführer Patrick Sauer die Zielgruppe. „Das wird immer mehr nachgefragt. Maxus, der neue Toyota Hilux, den gibt es jetzt voll elektrisch. Das heißt, die Fahrzeuge werden immer schwerer.“ Und dann kommt der Satz, der die Konstruktionsvorgabe beschreibt: „Wir wollen natürlich immer in der 3,5-Tonnen-Klasse bleiben, also Pkw-Klasse. Das heißt, wir müssen irgendwas an den Kabinen verändern.“ Was Tischer verändert hat, ist nicht die Ausstattung, sondern die Struktur. Die Box 200 Super Light ist eine abgewandelte Variante der kompaktesten Kabine im Programm, der 200er. Zwei Meter Bodenlänge, 550 Kilogramm bei vollem 50-Liter-Frischwassertank – und trotzdem eine komplette Nasszelle.
Was in zwei Meter Bodenlänge passt


Die Liste dessen, was Tischer in diesen Grundriss gepackt hat, klingt für die Gewichtsklasse ambitioniert. Es gibt Warmwasser und Heizung über ein Kombigerät, das Gas und Strom nutzen kann. Es gibt eine vollwertige Duschwanne mit zwei Abläufen. Es gibt einen Kompressorkühlschrank mit Doppelöffnung, sodass sich das Bier auch von außen greifen lässt. Und es gibt das große Alkovenbett mit 1,50 mal 1,95 Metern. Die Stehhöhe liegt bei 1,95 Metern. Der Eingangsbereich ist bewusst als Schleuse gedacht: „Man kann auch, wenn man dreckige Schuhe hat, wirklich zum Abtropfen etwas platzieren“, sagt Sauer. Beim Thema Toilette wird die Gewichtsdisziplin besonders deutlich. Verbaut ist eine demontierbare Trockentrenntoilette. „Wir haben hier die leichteste Toilette ausgewählt, die wiegt nur 6,5 Kilo. Priorität war hier das Gewicht“, sagt Sauer. Als Zusatzoption gibt es die Verschweißtoilette Clesana X1. Auch beim Gasfach wurde nachgedacht: Es ist so dimensioniert, dass 6-Kilo-Alu-Gasflaschen hineinpassen – wieder ein paar Kilo weniger. Der Basispreis: 38.800 Euro. Enthalten sind dabei bereits eine 100-Ah-Lithiumbatterie und ein Solarpanel. „Also wirklich ein schöner Einstiegspreis“, findet Sauer. „Autarkie ist da auch kein Problem.“
Der eigentliche Trick sitzt hinten

Technisch am interessantesten ist aber nicht das Gewicht, sondern eine Weglassung. Tischer hat bei der Super Light die Heckwand und die Seitenbank der klassischen 200er entfallen lassen. Das klingt nach Sparmaßnahme, ist aber der Grund, warum die Kabine so universell ist. „Dadurch können wir die Kabine auf jede Ladeflächenlänge positionieren“, erklärt Sauer. Ab etwa 1,50 Meter Ladeflächenlänge lässt sich die Kabine aufsetzen – und ebenso auf ein Single Cab mit 2,20 Metern. Die Kabine wandert dann einfach auf der Pritsche nach vorn oder hinten, statt bündig abschließen zu müssen. Damit ist die Super Light nicht nur eine Antwort auf schwere US-Pickups, sondern auf die gesamte Zersplitterung des Pickup-Markts.
Wo es trotzdem eng wird

Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und nach dem Ineos Grenadier Quartermaster gefragt – einem Fahrzeug, für das sich seit der Ankündigung viele Kabinen-Interessierte interessiert und dann doch abgewunken haben. Sauers Antwort war ungewöhnlich ehrlich für einen Messestand: „Das große Problem beim Ineos Grenadier Quartermaster ist die sehr kurze Ladefläche. Wir haben es schon mal probiert, hatten auch schon mal angefragt – da passt wirklich knapp eine Palette drauf.“ Dazu kämen die seitlichen Ausstülpungen für die Ersatzräder. Und dann sei da noch die Zuladung: „Da wiegt das Basisfahrzeug 2,7 Tonnen durch den V6-BMW-Motor.“ Übersetzt heißt das: Auch die leichteste Vollausstattungskabine löst nicht jedes Problem. Wer 2,7 Tonnen Leergewicht mitbringt, hat mit 550 Kilogramm Kabine nur noch 250 Kilogramm für Menschen, Wasser und Gepäck übrig.
Zwei weitere Fahrzeuge am Stand


Neben der Super Light hatte Tischer zwei Kombinationen mitgebracht, die die Bandbreite zeigen. Auf einem Toyota Land Cruiser stand die Box 260 SP auf Flachpritsche. Was früher Individuallösung war, ist jetzt Standardsortiment. „Die Nachfrage ist tatsächlich gut gestiegen“, sagt Sauer. Weil bei einem Single Cab die Ladefläche länger ist, sitzt zwischen Fahrerhaus und Kabine noch eine Staubox, alternativ ließe sich dort ein Ersatzrad unterbringen. Kabinenlänge: 2,60 Meter. Das dritte Fahrzeug war der eigentliche Hingucker: ein VW T7 Doka 4Motion mit dem Trail 280 S, der größten Serienkabine im Programm. In Stuttgart hatte Tischer noch einen Prototypen gezeigt, in Düsseldorf stand ein Serienfahrzeug. Umgebaut auf 3,5 Tonnen zulässige Gesamtmasse, Hinterachse auf 2 Tonnen aufgelastet, Felgen für die Auflastung von Delta, dazu VB-Vollluftfederung. Die Kabine ist zehn Zentimeter breiter als die übrigen und bietet 2,80 Meter Bodenlänge sowie 2,03 Meter Stehhöhe. Zehn Zentimeter klingen nach wenig. Im Innenraum sind sie es nicht. Der Grundriss mit Rundtisch-Sitzgruppe für bis zu vier Personen wirkt eher wie ein kleines Reisemobil als wie eine aufgesetzte Kabine.
Fazit
Die Box 200 Super Light ist keine Sparkabine. Sie ist eine Kabine, die konsequent um ein einziges Problem herum konstruiert wurde – das Gewicht der Basisfahrzeuge. Dass dabei eine Kabine entstanden ist, die sich auf nahezu jede Pritsche ab 1,50 Meter schieben lässt, ist ein angenehmer Nebeneffekt. Für alle, die mit einem elektrischen oder amerikanischen Pickup liebäugeln und bisher an der Waage gescheitert sind, ist das die derzeit interessanteste Rechnung im Kabinenmarkt.















