Auf der Abenteuer & Allrad in Bad Kissingen ist der Stand von Genesis Import schwer zu übersehen – die Halle und das neue Zelt der Offroad- und Outdoor-Spezialisten aus Schwarzach am Main liegen gleich hinter dem Eingang, und der Platz reicht längst nicht mehr für alles. Zwischen Dachzelten, Klappkabinen und Fahrwerken stand in diesem Jahr ein eher unscheinbarer Neuzugang, der für Vanlifer und Overlander spannender sein dürfte als so manches große Exponat: ein Energiemanagementsystem der australischen Marke REDARC. Wir von vanlifemag.de haben uns das Ganze vor Ort zeigen lassen und mit dem zuständigen europäischen B2B-Vertriebsmanager von Genesis gesprochen, der die Technik geduldig und mit sichtlicher Begeisterung erklärte.
Eine neue Marke im Genesis-Portfolio
REDARC ist in Deutschland zwar schon erhältlich, kommt jetzt aber auch bei Genesis Import. Redarc ist in der Offroad-Welt schon ein etablierter Name. Das Unternehmen aus Südaustralien entwickelt und baut seit über vier Jahrzehnten Spannungswandler, DC-DC-Lader, Batteriemanagementsysteme und Wechselrichter – also genau die Komponenten, die ein autark reisendes Fahrzeug zusammenhalten. „Für uns ist das eine ganz neue Marke, die wir ins Programm genommen haben“, erklärt unser Gesprächspartner. „Wir haben uns für REDARC entschieden, weil es ein kompaktes System ist – gemacht für kleine Einbauräume.“ Genau das ist der Punkt, der die Marke für viele europäische Ausbauten interessant macht: Wer im Van oder Pickup jeden Zentimeter zweimal vergibt, schaut nicht nur auf Leistung, sondern vor allem auf Bauraum.
Drei Komponenten statt Kabelsalat

Das kleinere der beiden vorgeführten Systeme besteht aus gerade einmal drei Hauptbauteilen. Herzstück der Energieerzeugung ist der DC-DC-Lader aus der BCDC-Alpha-Reihe. Er zieht seinen Strom aus zwei Quellen: der Lichtmaschine während der Fahrt und einem Solarmodul im Stand. „Bei diesem System gibt es nur drei Komponenten, das macht den Einbau deutlich einfacher“, so der Vertriebsmanager. Weniger Bauteile bedeuten weniger Kabel, weniger Sicherungen, weniger Montagezeit. Hinzu kommen ein Bedien-Display und die zentrale Steuereinheit. Wer schon einmal einen Camper-Ausbau verkabelt hat, weiß, wie viel Frust sich allein dadurch vermeiden lässt – und wie viel Platz man im Schrank oder unter der Sitzbank zurückgewinnt, wenn die Komponentenzahl klein bleibt.
Das Rogue-Modul als Gehirn des Systems
Die zentrale Steuereinheit trägt bei REDARC den Namen Rogue und gehört zum hauseigenen RedVision-System. „Das Rogue-Modul ist im Grunde das Gehirn des Systems“, beschreibt es unser Ansprechpartner treffend. In diese Einheit laufen sämtliche Verbraucher hinein, von dort wandern die Informationen an das Display. An das Modul lassen sich rund zehn verschiedene Verbraucher und Sensoren anschließen – Lichtkreise, Schalter, Lüfter, Kühlboxen. Im Vorführfahrzeug demonstrierte das der Vertriebsmanager an einer Beleuchtung mit drei einzelnen Leuchten: „Statt jede Lampe einzeln zu schalten, mache ich das jetzt mit einem Schalter ein und aus.“ Ein zweiter steuerte das Zeltlicht, ein dritter die Kühlbox. Das klingt nach Komfort, ist im Reisealltag aber vor allem eine Frage der Übersicht.
Licht, Kühlbox und Wassertank per App

Der eigentliche Clou liegt in der Vernetzung. Sämtliche Funktionen lassen sich nicht nur über das Display, sondern auch per Smartphone-App steuern – und zwar über Bluetooth, nicht über Mobilfunk. „Wenn man im Zelt liegt und vergessen hat, das Licht auszuschalten, macht man das einfach per Handy“, sagt unser Gesprächspartner. „Man braucht dafür weder 4G noch 5G, alles läuft über Bluetooth.“ Gerade abseits jeder Netzabdeckung ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Neben Schaltern verarbeitet das Rogue-Modul auch Sensordaten, etwa Füllstände von Frisch- oder Grauwassertanks. Dafür wird ein passender Sensor im Tank mit der Einheit verbunden, anschließend richtet man die Anzeige auf dem Bildschirm ein und behält den Wasservorrat im Blick.
Strom im Blick: Was rein- und rausfließt
Über das Display – und gespiegelt auf dem Handy – sieht man in Echtzeit, wie viel Strom gerade hinein- und herausfließt. Während der Vorführung standen wir unter einem aufgespannten Zelt, trotzdem lieferte das 155-Watt-Solarmodul auf dem Dach noch ein paar Watt in die Batterie. „Das System zeigt dir die aktuelle Einspeisung und gleichzeitig die Leistung, die du gerade aus der Batterie ziehst“, erläutert der Vertriebsmanager. Diese Transparenz ist mehr als Spielerei: Wer sieht, wie stark der Kompressor der Kühlbox an der Reserve zehrt, plant Strecke, Stellplatz und Verbrauch bewusster. Genau diese Rückmeldung unterscheidet ein durchdachtes Energiemanagement von einer bloßen Ansammlung einzelner Ladegeräte und Schalter.
Die größere Variante: auch mit Landstrom

Auf der anderen Seite des Aufbaus zeigte uns der Vertriebsmanager das größere System. Optisch unterscheidet es sich vor allem durch eine voluminösere Ladeeinheit – das Rogue-Modul ist hingegen identisch. „Die Funktionen sind zu hundert Prozent dieselben“, betont er. „Diese Einheit ist nur größer, weil sie zusätzlich Landstrom laden kann.“ Damit ergeben sich drei Lademöglichkeiten: Lichtmaschine, Solar und Netzanschluss am Campingplatz. Wer also mal frei steht und mal auf einem Stellplatz mit Stromsäule, deckt mit dieser Variante beide Welten ab. Der Rest – App-Steuerung, Verbraucheranschlüsse, Echtzeit-Anzeige – bleibt unverändert. Man kauft sich also nicht ein anderes System, sondern dieselbe Logik mit erweiterten Ladewegen.
Für wen sich das lohnt – und wo Fragen offenbleiben

Im Vorführaufbau steckte eine Batterie mit 150 Amperestunden, sichtbar war ein Verbrauch von gut fünf Ampere, was je nach Kühlbox-Takt für mehrere Tage reichen sollte. Der Vertriebsmanager wies aber selbst auf die Grenzen hin: „Wer Wechselrichter und Induktionskochfelder anschließt, muss die Batteriekapazität erhöhen.“ Im kompakten Stauraum sei dafür Platz vorgesehen. Offen blieb im Gespräch der Preis, ebenso die konkreten europäischen Modellbezeichnungen und Verfügbarkeiten – Punkte, die Genesis Import vor einem Kauf klären sollte. Auch der Einbau gehört, wie bei jedem Bordnetz, in fachkundige Hände. Wer ohnehin größere Verbraucher plant, sollte die kompakte Bauweise nicht mit „klein dimensioniert“ verwechseln: Das System ist platzsparend, nicht zwingend leistungsbegrenzt.
Unser Eindruck von der Abenteuer & Allrad
Was REDARC über Genesis Import nun bringt, ist kein spektakuläres Schauobjekt, sondern solide, durchdachte Infrastruktur – die Art von Technik, die man im Reisealltag idealerweise gar nicht bemerkt, weil sie einfach funktioniert. Überzeugend ist vor allem der konsequent kompakte Ansatz: weniger Komponenten, kürzere Kabelwege, eine zentrale Steuereinheit, die sich per Display oder App bedienen lässt. Für Vanlifer und Overlander mit begrenztem Bauraum ist das ein echtes Argument. Ob das System auch preislich überzeugt und sich im Langzeitbetrieb bewährt, wird sich zeigen müssen. Den ersten Eindruck auf der Abenteuer & Allrad hat es jedenfalls hinterlassen.
















