Der Winnebago Solis Pocket positioniert sich als kleinstes und günstigstes Modell im Campervan-Portfolio der US‑Marke – und genau das macht ihn für Vanlife-Fans spannend. Statt luxuriösem Glamping-Anspruch setzt dieser Kastenwagen auf ein durchdachtes Raumkonzept, robuste Technik und eine Größe, die auch im Alltag funktioniert. Auf Basis des Ram ProMaster mit 3,6‑Liter‑V6-Benziner (rund 206 kW/280 PS) und 9‑Gang-Automatik ist der Solis Pocket klar als Class‑B-Camper (in Europa vergleichbar mit kompakten Kastenwagen-Ausbauten) eingeordnet. Mit einer Länge von etwa 5,44 Metern und einer Breite von nur gut 2,06 Metern bleibt er im Rahmen eines normalen Transporters – ein Vorteil, wenn es in engen Altstädten oder auf schmalen Bergstraßen zur Sache geht.
Abmessungen und Fahrverhalten: Stadttauglicher Begleiter

Mit 5,44 Metern Außenlänge und 2,06 Metern Breite liegt der Solis Pocket im Bereich vieler mittelgroßer Kastenwagen. Die Außenhöhe von rund 2,87 Metern sorgt für ausreichend Kopffreiheit im Innenraum, ohne den Camper zu einem Parkplatzschreck werden zu lassen. Innen stehen etwa 1,91 Meter Stehhöhe zur Verfügung – großgewachsene Vanlifer können sich also weitgehend aufrecht bewegen, was auf längeren Reisen den Unterschied zwischen „irgendwie aushalten“ und „wirklich wohnen“ ausmacht.
Der Antrieb über den V6-Benziner mit 280 PS ist für europäische Verhältnisse üppig dimensioniert. In den USA zielt Winnebago klar auf souveräne Leistungsreserven – etwa beim Fahren im Gebirge oder beim Ziehen eines Anhängers. Die Anhängelast liegt bei rund 1,59 Tonnen, mit maximal 159 Kilogramm Stützlast. Für Vanlife bedeutet das: Fahrräder, ein kleiner Bootstrailer oder zusätzliche Transportbox am Haken sind machbar, ohne dass der Wagen an seine Grenzen kommt. Das zulässige Gesamtgewicht liegt bei etwa 3.878 Kilogramm, der kombinierte Zuggesamtwert bei rund 5.443 Kilogramm. Damit bleibt der Solis Pocket im amerikanischen Leichtgewicht-Segment, bietet aber genug Reserven für Campingausrüstung, Wasser und Sportgerät.
Innenraumkonzept: Multifunktion statt Luxus

Der Solis Pocket ist in zwei Grundrissen (36A und 36B) erhältlich, die beide auf Flexibilität setzen. Im Mittelpunkt steht jeweils ein wandelbarer Dinettenbereich: Die Sitzgruppe mit gegenüberliegenden Bänken lässt sich zur Sofa- oder Daybed-Landschaft umbauen, als Arbeitsplatz nutzen oder in eine zusätzliche Schlafgelegenheit verwandeln. Gerade für längere Vanlife-Trips ist diese Multifunktionalität entscheidend, weil der Camper tagsüber Wohn- und Arbeitsraum, abends Schlafplatz und bei schlechtem Wetter Rückzugsort sein muss.

Im 36A-Grundriss findet sich im Heck ein quer verbautes Murphy+-Bett, das auf einer erhöhten Plattform sitzt. Darunter entsteht ein Laderaum mit L‑Track-Befestigungsschienen und MOLLE‑Paneelen, ideal für Fahrräder, Snowboards oder andere Outdoorausrüstung. Das Bett lässt sich tagsüber hochklappen und gibt die volle Ladefläche frei. Im Alltag verwandelt sich der Bereich schnell zum Transporter für den Baumarkt-Besuch oder Umzugskisten – ein Argument für alle, die keinen reinen Freizeitwagen wollen, sondern ein Mehrzweckfahrzeug für Alltag und Abenteuer. Trotz kompakten Außenmaßen entsteht unter dem Bett ein Stauraum, der vielen klassischen Campingbussen fehlt. Wer etwa Bikepacking oder Klettertouren plant, kann das Material trocken und diebstahlgeschützt im Fahrzeug unterbringen, ohne ständig zwischen Kisten hin- und herräumen zu müssen. Im Vergleich zu größeren teilintegrierten Reisemobilen bleibt der Solis Pocket dabei deutlich wendiger und weniger auffällig – ein Pluspunkt für Wildcamp-nahe Übernachtungen (wo erlaubt) oder längere Aufenthalte in Städten.

Technik und Autarkie: Gemacht für längere Touren

Der Solis Pocket ist für einen kompakten Camper erstaunlich autark ausgelegt. Die Frischwasser-Kapazität von etwa 76 Litern und ein Grauwassertank mit gleicher Größe reichen für ein paar Tage Freistehen, wenn sparsam mit Wasser gehaushaltet wird. Dazu kommt eine tragbare Toilette mit rund 12 Litern Volumen (im 36B eine Kassettentoilette im Heckbad), die sich überall dort entleeren lässt, wo entsprechende Entsorgungsstationen vorhanden sind. Ein Wassercenter im Heck bündelt Anschlüsse, Ventile und eine Außendusche – praktisch nach Surf- oder Bike-Sessions, wenn Sand und Schlamm nicht in den Innenraum sollen.
Beim Gas setzt Winnebago auf eine im Innenraum montierte, nachfüllbare 20‑Pfund-Flasche (rund 9 Kilogramm). Sie versorgt Kochfeld und Heizung. Die Truma-Heizanlage sorgt zusammen mit einer guten Isolierung dafür, dass der Solis Pocket auch bei kühleren Temperaturen nutzbar bleibt. Für Sommerreisen ist eine Dach-Klimaanlage mit etwa 13.500 BTU verbaut, die bei hoher Luftfeuchtigkeit und Hitze den Unterschied zwischen stickiger Blechkiste und bewohnbarem Mikro-Loft markiert – vorausgesetzt, ein Landstromanschluss steht zur Verfügung.
Energieversorgung: Solar und optionales EcoFlow-System

Ab Werk kommen je nach Grundriss ein 170‑Watt- (36A) oder 190‑Watt-Solarpanel (36B) aufs Dach, gekoppelt mit zwei AGM-Aufbaubatterien der Größe Group 31. Dazu gibt es einen 55‑Ampere‑Konverter/Ladegerät und ein automatisches Batteriemanagement. Für klassisches Vanlife mit moderatem Strombedarf – Licht, Lüfter, Kompressor-Kühlschrank, Aufladen von Laptops und Kameras – ist das Paket solide, erfordert aber etwas Energiedisziplin.
Spannend wird es mit dem optionalen Winnebago x EcoFlow Power Hub Pro im 36B: Ein 5‑kWh-Lithiumspeicher und ein 5‑in‑1-Power-Controller verwalten Landstrom, Lichtmaschine und Solar. Strom wird automatisch verteilt, 12‑Volt-Verbraucher und 110‑Volt-Steckdosen (in Europa vergleichbar mit 230‑Volt-Konzepten) werden effizient bedient. Für Vanlife bedeutet das: Mehr Freiheit, längere Offgrid-Phasen und weniger Abhängigkeit von Campingplätzen. Wer viel im Homeoffice aus dem Van arbeitet oder intensive E‑Bike-Flotten lädt, profitiert von dieser modernen Stromarchitektur, die deutlich über die klassische Blei-Solar-Kombi hinausgeht.
Alltagstauglichkeit: Fahren wie ein Bus, leben wie im Mikro-Loft

Die Sicherheitssysteme des Ram ProMaster – vom Spur- und Kreuzwindassistenten über Notbremsfunktionen bis hin zur Rückfahrkamera – helfen, den Solis Pocket im dichten Verkehr entspannt zu bewegen. Drehbare Fahrersitze, ein aufgeräumtes Cockpit mit Touchscreen und genug USB‑Ports unterstützen die Idee, dass dieser Camper auch Einkaufsfahrten, Pendelstrecken oder Wochenendausflüge in die Stadt übernehmen kann. Im Vergleich zu breiteren Reisemobilen mit großer Aufbaukabine wirkt der Solis Pocket unauffälliger und weniger stressig zu fahren, was vor allem Neulinge im Vanlife zu schätzen wissen.

Im Wohnbereich zeigt sich, dass Winnebago den Spagat zwischen Minimalismus und Komfort sucht: Kompressor-Kühlschrank mit etwa 85 Litern Volumen, zweiflammiger Kocher, Edelstahlspüle und ein Tisch, der innen wie außen genutzt werden kann. Die Möblierung bleibt bewusst schlicht, mit robusten Oberflächen, die eher zum Draußenleben als zum weißen Hochglanz-Lifestyle passen. LED-Beleuchtung, USB-Ladepunkte und ein Ventilator im Dach runden den Innenraum ab.

Preis und Einordnung für den deutschen Markt
In den USA startet der Winnebago Solis Pocket offiziell bei rund 143.475 US‑Dollar für den 36A-Grundriss, der 36B liegt darüber. Umgerechnet entspricht das – je nach Wechselkurs – einem Betrag im Bereich deutlich oberhalb von 130.000 Euro, allerdings ohne Steuern, Import- und Zulassungskosten. Damit spielt der Solis Pocket preislich klar in der Oberliga der kompakten Campervans, bietet im Gegenzug aber ein sehr variables Raumkonzept, starke Motorisierung und eine für Vanlife gut passende Mischung aus Alltagstauglichkeit und Autarkie.
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