Auf der SEMA in Las Vegas stehen vor allem Pick-ups mit V8-Motoren und Reifen in Traktorgröße. Umso mehr fällt der Daihatsu Hijet Truck Jumbo auf, ein japanischer Kei-Truck mit 660-Kubikzentimeter-Dreizylinder, der als „Grasshopper SEMA Show Edition“ einen Camper-Aufbau mit elf Schubladen, Küchenzeile, Aufstellzelt und 270-Grad-Markise trägt. Das Fahrzeug zeigt, wie viel Reisemobil auf der Pritsche eines der kleinsten Nutzfahrzeuge der Welt Platz findet.
Kei-Truck: kleine Klasse, strenge Grenzen

Kei-Cars sind in Japan eine eigene Fahrzeugklasse mit Steuer- und Versicherungsvorteilen. Dafür gelten strenge Vorgaben: höchstens 660 Kubikzentimeter Hubraum, 3,40 Meter Länge und 1,48 Meter Breite. Daihatsu gehört zum Toyota-Konzern, ist auf solche Kleinstfahrzeuge spezialisiert und baut den Hijet seit Jahrzehnten. Die Variante Jumbo hat ein verlängertes Fahrerhaus mit etwas Luft hinter den Sitzen. Basis dieses Umbaus ist ein S510P aus dem Modelljahr 2026.
Der Dreizylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen und variabler Ventilsteuerung leistet 48 PS. Geschaltet wird automatisch, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 120 km/h. Das reicht für Landstraße und Stadt. Auf der Autobahn bleibt der Hijet ein Fahrzeug für die rechte Spur – mit einem Aufbau, der den Fahrtwind frontal abbekommt, noch eher als im Serienzustand.
350 Kilogramm Zuladung für alles

Die wichtigste Zahl für Camper ist die maximale Zuladung von 350 Kilogramm. Davon gehen Fahrer, Beifahrer, Wasser, Proviant und Gepäck ab, aber auch der Aufbau selbst. Und hier wurde reichlich Edelstahl verbaut: Rammschutz vorne, Trittbretter, Trittstoßstange hinten, Batterieabdeckung und ein verstellbarer Dachträger. Dazu kommen Kotflügelverbreiterungen aus Riffelblech, das Schrankmodul mit elf Schubladen, das Zelt und die Markise. Ob danach für zwei Erwachsene und eine Woche Ausrüstung noch genug Reserve bleibt, müsste die Waage zeigen. Wer so ein Fahrzeug nachbaut, sollte jedes Kilo im Blick haben.
Durchgang vom Fahrerhaus: trocken an die Schubladen

Den Aufbau bildet eine Kabine aus glasfaserverstärktem Kunststoff mit schräg abfallendem Heck – ein Material, das bei gleicher Größe leichter ist als Stahl. Gebaut hat den Aufbau Kyoritsu Industry aus Hatsukaichi (Präfektur Hiroshima). In die Rückwand des Fahrerhauses ist eine Öffnung geschnitten, sodass Fahrerhaus und Wohnteil verbunden sind. Das ist sinnvoll, denn so erreicht man bei schlechtem Wetter Schubladen und Wohnteil, ohne nach draußen zu müssen. Die Originalsitze sind geblieben. Geschlafen wird in einem Aufstellzelt, für Licht im Inneren sorgt eine LED-Raumleuchte.
Herzstück ist das Schrankmodul mit elf Schubladen und eingebauter Küchenzeile. Wir halten das für den klügsten Teil des Ausbaus, weil Stauraum, der sich nach außen ausziehen lässt, auf so wenig Grundfläche das Volumen besser nutzt als Klappen, hinter die man sich bücken muss. Draußen spannt sich eine 270-Grad-Markise mit integrierten LEDs auf. Sie überdacht Seite und Heck und macht die Fläche neben dem Wagen zum eigentlichen Wohnraum – bei einem Fahrzeug dieser Größe ein wichtiger Gewinn an nutzbarem Platz.
50 Millimeter höher, mit Mud-Terrain-Reifen

Ein einstellbares Gewindefahrwerk hebt den Hijet um 50 Millimeter an. Darauf sitzen 15-Zoll-Felgen vom Typ WORK Equip 40, hinten mit 6,5 Zoll etwas breiter als vorne mit 6,0 Zoll. Die Reifen sind Nankang FT-9 M/T mit weißer Schrift, vorne in 185/60 R15 und hinten in 195/65 R15. Das grobe Mud-Terrain-Profil passt zum Offroad-Auftritt, bringt auf Asphalt aber mehr Abrollgeräusch und Rollwiderstand mit sich. Bei 48 PS fällt das stärker ins Gewicht als bei einem großen Pick-up. Vorne kommen ein LED-Lichtbalken und LED-Fernscheinwerfer des polnischen Leuchtenherstellers WAS hinzu.
Unser Urteil

Der Grasshopper ist als Show-Edition gebaut und kein Fahrzeug von der Stange. Er zeigt aber überzeugend, wie viel Camping-Infrastruktur auf einem Kei-Truck möglich ist: Schubladenküche, Aufstellzelt, 270-Grad-Markise und ein Fahrerhaus mit Durchgang zum Wohnteil. Die Grenzen sind ebenso klar: 48 PS, 120 km/h Spitze und 350 Kilogramm Zuladung, an denen der viele Edelstahl kräftig mitzehrt. Lohnend ist das Konzept für Minimalisten und Selbstausbauer, die allein oder zu zweit reisen, enge Bergstraßen und kleine Stellplätze mögen, Zeit mitbringen und Anregungen für einen eigenen, konsequent kompakten Ausbau suchen.
Die Daten

- Basis: Daihatsu Hijet Truck Jumbo S510P, Modelljahr 2026
- Motor: 660 cm³, Dreizylinder DOHC, 48 PS
- Getriebe: Automatik
- Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h
- Maximale Zuladung: 350 kg
- Fahrwerk: einstellbares Gewindefahrwerk, 50 mm Höherlegung
- Felgen: WORK Equip 40, 15 Zoll, vorn 6,0J ET42, hinten 6,5J ET23
- Reifen: Nankang FT-9 M/T, 185/60 R15 (vorn), 195/65 R15 (hinten)
Quelle: eigene Recherche vor Ort, SEMA Motorshow 2026 Las Vegas, Daihatsu, Kyoritsu Industry


















