Ein klassischer Geländewagen wird zum vollwertigen Reisemobil: Der hier vorgestellte Land Rover Defender 110 Station Wagon mit TD4-Dieselmotor zeigt, wie viel Campingkomfort sich in einem vergleichsweise kompakten 4×4 unterbringen lässt. Seit 1948 steht der Defender – damals noch als Land Rover Serie I gestartet – für robuste Technik, Leiterrahmen, Permanent-Allrad und Aluminiumkarosserie. Damit passt er perfekt in die Kategorie der kompromisslosen Offroad-Reisefahrzeuge, die nicht nur auf dem Stellplatz, sondern auch weit abseits befestigter Straßen funktionieren sollen.
Der Ausbau nutzt genau diese Basis aus und verwandelt den Defender in einen reisefertigen Camper mit Hubdach, Innenausbau, Warmwasserdusche und zahlreichen cleveren Details. Im Vergleich zu vielen klassischen Campingbussen bleibt die Geländegängigkeit voll erhalten. Für Liebhaber dieses Typs ist wichtig zu wissen: Defender-Modelle wurden über viele Jahre international verkauft, sind in Deutschland aber längst keine Massenware. Ein vergleichbar konsequenter Ausbau erfordert daher entweder einen bereits vorhandenen Defender oder die Bereitschaft, sich auf dem europäischen Gebrauchtmarkt umzusehen.
Durchdachter Grundriss im kompakten Offroader

Innen folgt der Ausbau einem L-förmigen Layout, das alle drei hinteren Türen – also beide hinteren Seitentüren und die Hecktür – einbezieht. Auf der rechten Seite, von hinten betrachtet, zieht sich eine lange Sitzbank mit Auszügen entlang. Robuste Push-Lock-Verschlüsse sichern die Schubladen, damit auch auf ruppigen Pisten nichts aufspringt. Eine zweite Sitzbank steht quer direkt hinter Fahrer- und Beifahrersitz. Unter den Sitzflächen verstecken sich weitere Staufächer mit Klappen und Flash-Flap-Scharnieren. Interessant: ein Fach ist nur von außen erreichbar, was den Zugriff auf Ausrüstung erleichtert, ohne durch das halbe Fahrzeug klettern zu müssen.

Auf der linken Seite schließt sich ein Hochschrank an, direkt hinter dem Fahrersitz. Oben liegt ein von vorn zugängliches Fach, dazu kommen zwei offene Eckregale mit Gurtsicherung für Kleinteile, die schnell zur Hand sein sollen. Auffällig sind die gelochten Flächen im Schrank: Dahinter steckt eine gezielte Belüftung für die integrierte Kühltechnik. Der Stauraum ist insgesamt so angelegt, dass er sowohl aus dem Innenraum als auch über die Türen gut erreichbar bleibt – ein klarer Vorteil im Alltag, gerade wenn draußen Regen oder Matsch herrschen.
Hubdach mit Dachbett und flexiblem Notbett

Herzstück des Campingausbaus ist das Hubdach. Der Hauptschlafplatz befindet sich oben im Dachbereich, wodurch unten ein voll nutzbarer Wohnraum mit Sitzgelegenheiten und Küche erhalten bleibt. Für ein Fahrzeug dieser Größe ist das ein entscheidender Komfortgewinn: tagsüber wohnen, abends einfach nach oben ins Bett klettern. Gleichzeitig bleibt der Defender äußerlich relativ kompakt und niedrig, was auf engen Pisten oder in Parkhäusern hilfreich ist.

Für Situationen, in denen das Dachbett nicht genutzt werden kann – etwa bei Sturm, wenn das Fahrzeug möglichst unauffällig bleiben soll oder wenn in Städten diskret übernachtet werden muss – gibt es eine zweite, sogenannte Notliegefläche im unteren Bereich. Sie besteht aus Modulen, die tagsüber unscheinbar in der Sitzkonstruktion verschwinden. Die Platten sind magnetisch gehalten und lassen sich bei Bedarf zwischen Küchenblock und Bank einhängen. So entsteht ein stabiler Lattenrost, der trotzdem nur wenige Handgriffe benötigt. Dieser doppelte Schlafmodus passt hervorragend zu einem Reisestil, bei dem sowohl wilde Spots als auch urbane Übernachtungen vorkommen.
Outdoor-orientierte Küche und clevere Sanitärlösung

Die Küchenzeile sitzt im vorderen Teil des Ausbaus. Ein seitlich aufklappbares Arbeitsbrett am Hochschrank legt einen zweiflammigen Gaskocher frei, der mit Kartuschen betrieben wird. Die Kartuschen lagern in einer Schublade unter dem Kocher; eine Öffnung in der Schubladenwand ermöglicht die sichere Verbindung zum Brenner. Eine ausziehbare Erweiterung der Arbeitsplatte verbirgt ein eingelassenes Spülbecken mit klappbarem Wasserhahn. Die Wasserzufuhr übernimmt eine elektrische Tauchpumpe, die einen Frischwassertank im Radkasten speist – damit bleibt der Schwerpunkt niedrig und der Innenraum frei von Kanistern.

Unter dem Spülbecken sitzt ein isolierter 12-Volt-Boiler, der heißes Wasser liefert. Über einen Mischhahn lässt sich die Temperatur fein dosieren. Angeschlossen ist ein etwa zwei Meter langer Duschschlauch, der auf beiden Fahrzeugseiten als Außendusche genutzt werden kann. Genau hier zeigt sich eine der faszinierendsten Funktionen dieses Defenders: die voll integrierte Warmwasserdusche draußen am Fahrzeug. Gespeist wird sie aus einem Unterflurtank, der das wertvolle Wasser gut geschützt unterbringt. Das ist nicht nur nach einem Bad im See angenehm, sondern macht längere Touren fernab klassischer Campingplätze deutlich komfortabler.
Trockentrenntoilette, Außenkühlbox und flexible Heckzone

Ein weiteres zentrales Element ist die Trockentrenntoilette auf der hinteren Beifahrerseite. Tagsüber kann sie in einem außen aufgebauten Duschzelt stehen und dieses als Toilettenzelt nutzen. Nachts wird sie einfach in den Gang im Fahrzeuginneren gestellt. Wer auf einer Reise keine Toilette benötigt, ersetzt sie durch eine passgenaue Staubox – so bleibt der Raum nie ungenutzt. Diese Herangehensweise zeigt, dass der Ausbau stark auf modulare Nutzung ausgelegt ist.

Im Hochschrank ist ein Kompressor-Kühlschrank mit rund 39 Litern Volumen verborgen, der von außen über die hintere Fahrertür zugänglich ist. Das bedeutet: Einkäufe landen direkt in der Kühlung, ohne dass jemand mit Tüten durch den Innenraum balancieren muss. Die gelochten Schrankflächen sorgen für ausreichende Belüftung des Kompressors. Ergänzt wird das Heck durch Slimline-Airlineschienen, an denen beispielsweise Wasserkanisterhalter oder eine klappbare Außenküche befestigt werden können. So wächst der Wohnbereich im Stand unkompliziert nach außen.
Außenaufbau: Dachträger, Hubdach und Markise
Auf dem Dach trägt der Defender einen robusten X-Vision-X-Dachträger. Er bietet Platz für Zusatzgepäck wie ein Kajak und harmoniert mit dem Hubdachkonzept. Eine 270-Grad-Markise vergrößert den geschützten Außenraum: Schatten im Sommer, Regenschutz bei Schlechtwetter und ein trockener Koch- oder Sitzplatz unmittelbar am Fahrzeug. Auf dem Reserverad sitzt ein Offroad-Fahrradträger, der zwei Mountainbikes aufnimmt – ein klares Zeichen, dass hier an aktive Reisen mit Bike- und Paddeltouren gedacht wurde.
Interessant ist auch das Klappfenster auf der Fahrerseite im Heckbereich. Es ersetzt die originale Scheibe und lässt sich öffnen. Dadurch wird die Küche bequem von außen nutzbar. Kochen unter freiem Himmel, aber trotzdem nah am Innenraum, wird so zur täglichen Routine. Wer auf engen Wegen unterwegs ist, weiß diese Kombination aus kompakten Außenmaßen und funktionalem Campinglayout zu schätzen.
Technik, Elektrik und gründliche Isolierung
Über der Küche sitzt ein Technikpanel, das als zentrales Steuerterminal dient. Schalter für LED-Licht in gemütlicher „Camper-Kerzenlicht“-Anmutung, USB- und USB-C-Ladebuchsen sowie eine Batterieanzeige bündeln die wichtigsten Funktionen an einem Ort. Für Würze im wahrsten Sinne sorgt ein integriertes, herausnehmbares Gewürzregal, das sowohl innen als auch draußen am Campingtisch verwendet werden kann – ein kleines Detail, das das Kochen unterwegs angenehmer macht.
Der Innenausbau beginnt klassisch mit dem Rückbau: Teppiche raus, Blech blank, alles gründlich entfettet. Statt schwerer Butylmatten kommt eine leichte, etwa 2 Millimeter starke Schalldämmung zum Einsatz, um Gewicht zu sparen und dennoch das typische Defender-Dröhnen zu reduzieren. Für die Wärmedämmung gegen Kälte und Kondenswasser werden selbstklebende Isolationsmatten mit rund 10 Millimetern Stärke direkt aufs Blech geklebt, alle Stöße sorgfältig abgeklebt. Darauf folgt ein neuer Boden, der die Basis für den restlichen Ausbau bildet. In Summe entsteht so ein Allrad-Camper, der das rustikale Erbe des Defenders mit viel Komfort für Vanlife und lange Reisen verbindet.
Bilder: Hersteller















