Ja, er ist teuer und vorne gibt es keine Starrachse mehr. Dennoch stellen sich uns zwei Fragen. 1. Kann der neue Mercedes G trotz vorderer Einzelradaufhängung noch Gelände? 2. Ist er noch eine Basis für einen Camper? Versuchen wir beides zu klären.
Die neue G-Klasse – immer noch ein echter Geländewagen

1983 bringt Elton John den Hit „I´m still standing“ heraus. Ein Song, der davon handelt, dass ein Kerl nach dem Ende einer Beziehung immer noch aufrecht steht und sich nicht unterkriegen lässt. Und irgendwie passt der Titel auch zum neuen G. Denn, glaubt man alten Offroad-Haudegen, ist der G mit seiner Einzelradaufhängung vorne ja kein echter Geländegänger mehr.

Dass dem keineswegs so ist, beweist ein anderer kerniger Offroader, der ganz am gegenüberliegenden Ende der Preisgestaltung angesiedelt ist, seit nunmehr fast 50 Jahren: der Lada Niva. Denn er wühlt sich mit seiner vorderen Einzelradaufhängung seit seiner „Geburt“ nicht nur tapfer, sondern auch erfolgreich durch die unwegsamsten und schlammigsten Pisten in die entlegensten Regionen dieser Welt. Diskussion Ende!

Und klar, günstig war der Geländegänger von Mercedes-Benz noch nie. Wo wir grade vom Preis sprechen: Knapp 170.000 Euro für den G 450d sind eine echte Ansage von den Stuttgartern. Ja, es geht auch günstiger, die niedrigsten Summen, die man dem Mercedes-Händler überweisen muss, starten jedoch immer noch bei über 100.000 Euro. Preise, bei denen der neue G für die meisten von uns unbezahlbar bleibt – egal in welcher Ausführung.


Zum Vergleich: Für die Summe bekommt man zwei neue Land Cruiser 250 von Toyota oder zwei Grenadiere von Ineos. In Nivas rechnen wir das besser gar nicht erst um. Auf der anderen Seite – wer kann schon mit zwei oder mehr Autos gleichzeitig fahren? Eben, keiner. Ganz abgesehen davon, die G-Klasse ist und bleibt nun mal so etwas wie die Königsklasse. Wer also über das nötige „Kleingeld“ verfügt, fährt eben G.
Kann der G trotz vorderer Einzelradaufhängung noch Gelände?

Und wer dann immer noch ein paar Taler übrig hat, gibt seinen G für geraume Zeit bei LeTech im schwäbischen Welzheim ab und lässt ein paar Dinge aus- und ein paar mehr Dinge einbauen. Und spätestens dann sollten auch die letzten Unkenrufe leiser werden und irgendwann dann ganz verstummen. Denn das G beim 2024er-G-Modell steht immer noch für Gelände. Erst recht, wenn LeTech ein paar zusätzliche Upgrades montiert hat.

Aus der LeTech-Werkstatt rollt der G nämlich rund 40 Millimeter höher, mit grobstolligen AT-Reifen versehen und mit einer Warn Zeon 10 in der Frontstoßstange. Selbstverständlich nur, falls er doch mal irgendwo steckenbleiben sollte. Also falls die drei serienmäßigen Sperren und die Maxtrax-Sandboards auf dem LeTech-Dachträger wirklich nicht mehr weiterhelfen. Und dass das passieren kann, wissen wir alle. Kein Grund also, doch schon wieder zu unken. Was im Gelände ebenfalls schnell passiert, dass Untergrund, Äste oder Steine Schäden unter dem Fahrzeug verursachen. Daher haben die Letech-Monteure – quasi als Versicherung – massive Platten aus drei Millimeter starkem Edelstahl unter Verteilergetriebe und Tank montiert.

Ok, genug gequatscht, ab hinters Lenkrad, angeschnallt und den Startknopf gedrückt. Zielkoordinaten: Gelände. Was sonst? Zuvor müssen wir allerdings ein paar Kilometer Straße absolvieren. Ein Tritt aufs Gas, 365 Pferde werden wach und 750 Newtonmeter katapultieren uns in Sekunden auf über 100 km/h. Und schon fängt es an zu piepen. Und das schon seit wir die 70 überschritten haben.

Denn der G erkennt natürlich, dass da vorhin ein Schild am Straßenrand stand und wir rund 30 km/h zu schnell sind. Gut, um Strafzettel zu vermeiden, aber leider auch nervig. Lässt sich aber nicht ändern, denn diese Safety-Features wie Spurhalte-Assistent, Gurtwarner und so weiter, sind nun mal Vorschrift. Naja, dann fahren wir eben nach Vorschrift.

Doch zum Glück sind wir schnell da, wo wir eigentlich hinwollen. Eine Wiese, bei der es am einen Ende reichlich steil bergauf geht und die dahinter tiefe Furchen und Verwerfungen bietet. Hier können wir ausprobieren, was so G-eht. Es ist schon fast ernüchternd, denn der LeTech-G fährt einfach hoch und in die steile, verworfene Furche hinein. Lediglich als wir die Verschränkung testen wollen, legen wir die zweite der drei Sperren ein. Dass ein Hinterrad durchdreht, ist jedoch eher dem nassen Gras geschuldet. Auch das kennt man zur Genüge. Gut zu wissen also, dass wir im Zweifelsfall noch die vordere Sperre aktivieren könnten.
Ist der neue Mercedes G noch eine Basis für einen Camper?

Kommen wir zur zweiten Frage. Und die muss man erst einmal mit einem klaren Ja beantworten. Denn das Platzangebot im neuen G ist ja nicht kleiner geworden. Was in den Vorgängermodellen oder in alten Militär-Gs ging, das geht natürlich auch hier. Kühlbox und Campingausrüstung hinten rein, Dachzelt obendrauf, und es kann losgehen.


Um das zu beweisen, hat LeTech seinem Vorführmodell dann auch gleich eine Basisausrüstung mitgegeben. Schauen wir sie uns an. An der Hecktür ist ein Klapptisch montiert, auf dem man einen Kocher platzieren kann oder den man einfach als Tisch für die Kaffeepause nutzt. Im Gepäckabteil sind unten zwei Schubladenfächer untergebracht, die für Ordnung sorgen. Noch mehr Ordnung gibt es unter dem Dachhimmel. Denn hier ist ein Klappfach zu finden, in dem man ebenfalls so einigens unterbringen kann.

Eine Kühlbox fände dann oben auf dem Schubladenelement Platz. Daneben bleibt genug Raum, um Campingtisch und -stühle, andere Ausrüstung oder Gepäck unterzubringen. Das Schlafzimmer ist bei dieser Fahrzeuggröße nach wie vor am besten auf dem Dach aufgehoben. Den Dachträger hat LeTech ja schon montiert. Und die Auswahl an Dachzelten ist so groß, dass man hier sicher das passende für sich finden wird.

Damit ist klar: Auch der aktuelle G ist nicht nur nach wie vor gelängegängig, sondern auch eine Basis für einen Camper. Bleiben die Fragen übrig, ob man mit einem so teuren Fahrzeug auch ins Gelände will und ob man ihn als Camper für den Urlaub nutzen möchte. Fragen, die jeder für sich beantworten muss. In jedem Fall G-eht es.

Fest steht: Wer keinen Schmerz damit hat, mit einem Fahrzeug, das derart umgebaut bei einem Preis von über 200.000 Euro liegt, ins Gelände, zum Campen oder gar beides zu fahren, dem dürfte das wohl egal sein. Und ist es nicht letztlich das Gleiche, wenn man das mit einem weniger teuren 4×4-Camper, den man sich vielleicht grade so leisten kann, tut? Alles eine Frage der Relation.











