Wer Vanlife zu zweit plant und dabei bewusst auf ein überschaubares Format setzt, landet früher oder später bei Fahrzeugen wie dem Ram Promaster 2500 High Roof mit 159-Zoll-Radstand. Die hier umgebaute Version aus dem Jahrgang 2023 zeigt, wie viel Komfort sich auf rund 6,10 Metern Länge und etwa 2,74 Metern Höhe unterbringen lässt, ohne dabei die Alltagstauglichkeit völlig zu verlieren. Zugelassen ist der Van für zwei Personen, gedacht ist er klar für Menschen, die längere Zeit unterwegs sein wollen – vom Wochenendtrip bis zur längeren Reise, vorzugsweise dort, wo es nicht an jeder Ecke Landstrom gibt.
Technische Basis für Vanlife zu zweit

Der Ram Promaster 2500 tritt in dieser Ausführung als Cargo Van mit Frontantrieb und 3,6-Liter-V6-Benziner an. Übersetzt in europäische Maße: etwa 6,10 Meter Fahrzeuglänge, rund 2,74 Meter Höhe und eine Anhängelast von rund 2.940 Kilogramm eröffnen Spielräume, etwa für einen Motorradtrailer oder zusätzliche Transportaufgaben. Mit einem Verbrauch von umgerechnet etwa 23,5 bis 19,6 Litern auf 100 Kilometern liegt der Van im Rahmen großer Kastenwagen mit Benzinmotor, ist also nichts für striktes Sparprogramm, sondern eher für Reisende, die Komfort und Leistungsreserve höher gewichten.
Der Frontantrieb ist im Vanlife-Kontext nicht nur für moderates Winterwetter interessant, sondern bringt auch auf nasser Wiese oder Schotterpiste Vorteile, sofern die Bereifung stimmt. Hier wurde mit Toyo Open Country A/T III Reifen und Black Rhino Yellowstone Felgen in mattem Bronze bewusst Richtung All-Terrain gedacht. Ergänzt wird das Ganze durch eine 1,5-Zoll-Höherlegung (rund 3,8 Zentimeter) von Van Compass und SumoSprings an Vorder- und Hinterachse. Für die Praxis bedeutet das: etwas mehr Bodenfreiheit, weniger Durchschlagen auf schlechten Wegen und ein insgesamt satteres Fahrgefühl, vor allem, wenn der Ausbau vollständig beladen ist.
Auftritt mit Offroad-Optik und praktischen Details

Optisch fällt der Van durch seine Lackierung in „Spitfire Orange“ auf – ein Ton, der sich deutlich von den üblichen Weiß- oder Grauschattierungen vieler Kastenwagen absetzt. Dazu kommen ein Scout-Frontbumper von Backwoods Adventure Mods und ein DRIFTR-Dachträger samt Leiter vom gleichen Hersteller. Beides ist nicht nur Show, sondern bietet funktionale Vorteile: Der Dachträger schafft Platz für zusätzliche Ausrüstung, Boards oder Outdoor-Equipment, die Leiter erleichtert den Zugang nach oben.
Vorn integriert ist zudem eine Badland Apex Seilwinde mit einer Zugkraft von rund 5.440 Kilogramm, Stahlseil und Funkfernbedienung. Im Vanlife-Alltag sind Winden sicher kein Muss, in abgelegenen Regionen oder auf einsamen Pisten kann diese Reserve jedoch den Unterschied machen, wenn sich der Van doch einmal festfährt oder ein anderes Fahrzeug Unterstützung braucht. Ergänzt wird das Paket durch zusätzliche Flood Lights von SD Lighting, schaltbar über vordere Rocker-Switches. Gerade bei Nachtankünften auf unbekannten Stellplätzen oder beim Rangieren im Dunkeln erweist sich eine solche Lichtreserve als klarer Sicherheits- und Komfortgewinn.
Innenraum: Holz, Wärme und klare Linien

Im Innenraum setzt der Ausbau auf eine warme, natürliche Anmutung. Wände und Decke sind mit Red-Cedar-Holz verschalt, das nicht nur optisch, sondern auch haptisch deutlich von rein weißen Kunststoff- oder HPL-Flächen abweicht. Die Möbel bestehen aus mattschwarz laminiertem Birkenmultiplex, was einen schönen Kontrast zum warmen Holzton schafft. Diese Materialkombination wirkt modern, ohne steril zu sein, und schlägt die Brücke zwischen urbanem Studio-Loft und klassischem Cabin-Charme.
Der Ausbau ist klar auf zwei Personen ausgelegt: schlafen und fahren zu zweit, mehr nicht. Das reduziert Komplexität und erlaubt großzügigere Flächen pro Person. Ein Highlight im Wohnbereich ist der ausziehbare Butcher-Block-Tisch mit individueller „Lava“-Epoxidharz-Einlage. Dieses Detail ragt aus dem sonst eher funktional gehaltenen Ausbau heraus und verleiht dem Fahrzeug eine eigene Handschrift. Der Tisch lässt sich bei Nichtgebrauch platzsparend verstauen, bei Bedarf entsteht eine vollwertige Arbeits- oder Essfläche – ein wichtiger Punkt, wenn das Fahrzeug als mobiles Zuhause und Arbeitsplatz dienen soll.
Starke Bordelektrik als Herzstück

Die vielleicht faszinierendste Komponente dieses Vans ist das elektrische System. Anstelle eines klassischen 12-Volt-Setups kommt ein 48-Volt-Batteriesystem mit 13 kWh Kapazität zum Einsatz, basierend auf einem intelligenten Lithium-Bank-Setup von Battle Born. Zum Vergleich: 13 kWh liegen in einer Größenordnung, die man eher von kleinen Elektroautos kennt. Für den Vanlife-Alltag bedeutet das, dass über längere Zeiträume autark gekocht, geheizt, gearbeitet und gekühlt werden kann, ohne ständig nach der nächsten Steckdose suchen zu müssen.
Besonders interessant ist das bidirektionale Ladesystem von Wakespeed, das die 12-Volt-Fahrzeugseite mit dem 48-Volt-Bordnetz verbindet. Strom fließt damit nicht nur in eine Richtung vom Motor zur Bordbatterie, sondern kann intelligent gesteuert werden. In der Praxis macht ein solches System die Energieversorgung im Van sehr viel flexibler. Die Integration leistungsstarker Verbraucher wie eines zweiflammigen Induktionskochfelds oder einer 700-Watt-Mikrowelle wird dadurch erst sinnvoll möglich, ohne dass bei jeder Kaffeepause der Landstromanschluss Pflicht wird.
Kochen, Kühlen, Leben auf kleinem Raum

Die Küche setzt auf eine Kombination aus Dometic CRX 110S Kompressorkühlschrank mit Gefrierfach, Induktion mit zwei Kochzonen und Mikrowelle. In Summe eignet sich dieses Setup klar für längere Reisen, bei denen regelmäßig frisch gekocht wird. Der Edelstahlspülbereich mit flexibler Armatur ist funktional und gleichzeitig pflegeleicht, der „Magma“-Fliesenspiegel mit Wasserfall-Design fügt eine optische Besonderheit hinzu. Gerade in kompakten Vans entscheiden solche Details darüber, ob sich der Innenraum nach improvisierter Bastellösung oder nach bewusst gestalteter, wohnlicher Umgebung anfühlt.
Für die Klimatisierung und Belüftung wurde ein MaxxFan Plus mit zehnstufiger Zu- und Abluftfunktion sowie Regensensor verbaut. In Kombination mit der Eberspächer Airtronic-Benzinluftheizung (4 kW, 12 Volt) und einer Dämmung aus Hempwool von Hempitecture entsteht ein relativ gut kontrollierbares Raumklima. Die Wahl einer Hanf-Woll-Dämmung ist im Vergleich zu üblichen Kunststoffen nicht nur aus ökologischer Sicht interessant, sondern wirkt sich auch positiv auf Feuchtigkeitsmanagement und Raumgefühl aus.
Wasser, Dusche und Alltagstauglichkeit
Für den Wasserhaushalt stehen ein Frischwassertank mit rund 106 Litern und ein Unterflur-Grauwassertank mit rund 98 Litern zur Verfügung. Ergänzt wird dies durch einen elektrischen Boiler mit etwa 22,7 Litern Volumen. Diese Kapazitäten sind für einen Zweisitzer im Bereich langer Wochenendtrips bis hin zu ein- oder zweiwöchigen Reisen solide, sofern bewusst mit Wasser umgegangen wird. Besonders interessant ist die Tetra-Van-Dusche mit platzsparendem Konzept und faltbarem Vorhang. Sie nimmt im Alltag wenig Raum ein, erlaubt aber bei Bedarf eine vollwertige Dusche im Inneren des Fahrzeugs – ein Komfortplus, das viele kompakte Grundrisse bewusst weglassen.
Abwasserseitig ist der große Grauwassertank unterflur montiert, was das Innenraumvolumen schont und gleichzeitig längere Standzeiten ohne häufiges Entleeren ermöglicht. Für den Alltag bedeutet dies: weniger Zwangsfahrten zu Entsorgungsstationen und mehr Freiheit bei der Platzwahl, solange lokale Vorschriften respektiert werden.
Das Basisfahrzeug stammt aus dem Modelljahr 2023 und hat zum Zeitpunkt der Betrachtung rund 9.334 Kilometer Laufleistung. Es handelt sich um einen relativ jungen Van, dessen Automatikgetriebe und Technik im Regelfall noch weit von typischen Verschleißthemen entfernt sein sollten.
Bilder: Hersteller











