Der Seilspezialist aus Braunschweig hat zwei Survival-Sets in sein Sortiment aufgenommen. Da sie nur wenig kosten, sind die beiden Seilflechter-Survival-Kits ein schönes Camper-Gadget zum Üben für Notsituationen. Wir haben uns beide Sets angesehen.
Seilflechter – Spezialist mit langer Tradition

Das Familienunternehmen aus Braunschweig besteht mittlerweile seit über 280 Jahren. Andreas Halle führt es heute in der 9. Generation. Und mit seinem Sohn Tobias schickt sich bereits die 10. Generation an die Tradition fortzusetzen. Denn auch er arbeitet seit geraumer Zeit im Unternehmen mit.

Den Betrieb haben wir zuletzt vergangenes Jahr besucht und auf vanlifemag.de vorgestellt. Denn zu sehen, wie Reepschnüre, Seile oder dicke Taue fast von selbst entstehen, entbehrt nicht einer gewissen Faszination. Doch auch wenn Seile nach wie vor das Kernprodukt sind, die Seilspezialisten haben fast 300 Jahre nach Gründung des Unternehmens noch mehr Produkte in ihrem Sortiment. Ganz neu dazugekommen sind zwei Survival-Sets, die mit einem niedrigen Preis punkten.
Die Survival-Sets von Seilflechter – was können sie?

Um es vorwegzunehmen: Ernsthafte Sets für den Notfall sind sie sicher nicht. Das war aber auch nicht so gewollt. „Bei jemandem, der sich sein persönliches Survival-Set zusammenstellt, wird wahrscheinlich allein das Messer ein vielfaches von dem kosten, was wir für das große Survival-Set aufrufen“, verrät uns Tobias Halle im Interview. „Die Sets sind eher etwas, um damit ein wenig zu üben. Hat man dann Erfahrung gesammelt, stellt man sich ohnehin sein persönliches Set zusammen“, führt er weiter aus.

Dass er damit wohl richtig liegt, zeigte der erste Tag auf der Offroad- und Outdoormesse Abenteuer & Allrad in Bad Kissingen. „Die Leute haben uns die Sets nahezu aus den Händen gerissen. Nach dem ersten Tag waren fast alle, die wir mitgenommen hatten, verkauft“, sagt er lachend. Oft waren es auch Väter, die die Sets für ihre Kinder gekauft haben, damit sie sich ein wenig mit dem Thema vertraut machen können. Doch klar, wir sind neugierig uns schauen selber rein in das kleine und das große Survival-Set.
Was in beiden Survival-Sets enthalten ist
Selbstverständlich gibt es ein paar Dinge, die in beiden Sets enthalten sind, also sowohl im kleinen als auch im großen. Klar, denn manche Sachen gehören eben einfach in so ein Set rein. Zu den Dingen, die in beiden Sets enthalten sind, gehören:

Eine Taschenlampe, die mit einer AA-Batterie bestückt werden kann. Beim Einsetzen nicht wundern, die Batterie sitzt etwas locker in der Lampe, passt aber. Der Lichtstrahl kann vorne am Kopf fokussiert von breit auf Spot werden. Besonders hell ist die Lampe nicht, aber um etwas Licht ins Dunkel zu bringen geht sie völlig in Ordnung. Weiterhin gehört dazu ein Survival-Armband aus Paracord, das über einen kleinen Kompass, eine Pfeife sowie einen kleinen Feuerstahl mit Anreiß-Element verfügt. Der Feuerstahl ist zwar sehr klein, aber in der Not ausreichend.

Beim Thema Feuermachen geht es weiter, denn ein großer Feuerstahl und vier Zunderseile sind ebenfalls mit in beiden Sets zu finden. Mit etwas Übung klappt das Anzünden auch problemlos. Sinnigerweise dröselt man das Zunderseil dafür etwas auf. Da man nur wenig davon benötigt, macht es Sinn, die einzelnen Seile in kleinere Abschnitte zu unterteilen.

Das kann man zum Beispiel mit dem Göffel, der über ein Messer am gegenüberliegenden Ende verfügt, tun. Die Schneide verschwindet bei Nichtgebrauch in einer Kunststoff-Scheide, die über eine Pfeife verfügt. Ist sie aufgesteckt, fungiert sie auch gleich als Griff, was den Gebrauch etwas angenehmer macht. Außerdem befindet sich auf der Oberseite des Messers gleich noch ein Flaschenöffner.

Holz fürs Feuer könnte man mit der Drahtsäge sägen. Das funktioniert bei dickeren Ästen jedoch nur mäßig, da sich der Draht der Säge schnell verklemmt. Diese Art von Sägen ist seit Jahrzehnten bekannt. Allerdings muss man festhalten: Hier gibt es ganz klar bessere Ausführungen.

Damit man auch für Grillgut auf dem Feuer sorgen und den Hunger stillen kann, ist ein kleines Handangelset dabei. Es besteht aus Schur, Haken, Senkblei, Schwimmer und einem Kunstköder. Allerdings alles einzeln. Bevor also der Köder ins Wasser kann, sollte man sich mit den richtigen Knoten zum Befestigen des Hakens an der Angelschnur vertraut machen. Wenn das geklappt hat – Petri Heil.

Ein Flaschenhalterclip, der am Gürtel angebracht werden kann und die gängigen Trinkflaschen zuverlässig an Ort und Stelle hält. Zum Trinken und um die Flasche zu befestigen, wird der Clip per Klickverschluss abgezogen. Außerdem ist in beiden Sets noch ein Karabinerhaken dabei, mit dem man den Flaschenhalterclip – oder andere Dinge – schnell irgendwo befestigen kann.

Ein Multifunktionswerkzeug im Scheckkartenformat. Es kann unter anderem zum Schneiden, Messen, Sägen und zum Lösen oder Festziehen kleinerer Schrauben und Muttern verwendet werden. Eine Beschreibung, was wofür gedacht ist, liegt bei.

Rettungsdecke, Pflaster & Co. – etwas, das in keinem Überlebens-Set fehlen darf. Hier sind in beiden Sets eine Rettungsdecke, Pflaster und Alkohol-Pads zum Desinfizieren dabei. Im kleinen Set sind noch zwei sterile Wundauflagen, die im großen Set fehlen. Dafür fehlt hier die Mullbinde, die im großen Set enthalten ist.
Was nur im kleinen Survival Set enthalten ist


Zum Feuermachen ist im kleinen Survival-Set noch ein Teleskop-Blasrohr aus Edelstahl dabei. Damit kann man sein Feuer gezielt anblasen, ohne sich dabei zu verbrennen. Ein praktisches Teil, das auch beim Anzünden des Grills ziemlich nützlich sein dürfte.



Damit man seinen Weg findet, ist ein Kompass vorhanden. Außerdem gibt es ein Schraubendreher-Set, das einen Kreuz- und einen Schlitzschraubendreher umfasst. Und last but not least, gibt es einen Multifunktions-Stift mit Glasbrecher. Das ganze Set ist in einer Kunststoffbox unterbracht.

Was nur im großen Seilflechter-Survival-Set zu finden ist

Das große Set umfasst einiges mehr. Unter anderem ist eine kleine Klappschaufel mit Spitzhacke enthalten. Damit lässt sich zum Beispiel ein Loch für ein Feuer graben, damit es von weitem möglichst nicht gesehen wird. Oder man nutzt die Schaufel, um Sand oder Erde über die Glut zu schaufeln, wenn man weiterziehen will.



Zange, Hammer ein kleines Beil und ein paar weitere Tools im Griff bietet die Multitool-Axt. Bäume kann man damit freilich nicht fällen, dazu ist sie schlicht zu klein, aber ein wenig üben, wie man damit arbeiten muss, das geht in jedem Fall. Einziges Manko: Das Messer im Griff ist leider alles andere als scharf. Hier muss man nacharbeiten.


Ein klappbares Rettungsmesser mit Glasbrecher und Gurtschneider ist ebenfalls enthalten. Und das ist scharf. Außerdem sind ein Paracord-Seil sowie eine Pfeife als Schlüsselanhänger dabei. Damit beinhaltet das große Survival-Set dann gleich drei Pfeifen. Sollte man also ein Pfeifkonzert veranstalten wollen …

Für Situationen, in denen man nachts auf etwas hinweisen muss, sind die beiden roten Knick-Leuchtstäbe gedacht. Sie leuchten im Dunkeln ausreichend hell, um auch aus einer gewissen Entfernung gesehen zu werden.


Etwas übertrieben wirkt die Ausstattung des Erste-Hilfe-Sets. Das große Päckchen Wattestäbe erschließt sich nicht ganz und Pflaster sind so viele enthalten, dass man damit den ganzen Campingplatz versorgen kann. Aber besser zu viel als zu wenig. Schere und Pinzette sind zwar dabei, aber auch hier gibt es deutlich Besseres. Insgesamt reicht der Inhalt aber aus, um auf die Schnelle kleinere Wunden zu versorgen.

Fazit und Anregung
Ganz klar: Wer nachts irgendwo mit dem Wohnmobil oder dem Campervan auf irgendeiner weitabgelegenen Landstraße liegenbleibt, wird kaum losziehen, um sich einen Fisch zu fangen, um ihn auf dem selbst entfachten Lagerfeuer zu braten. In so einer Situation sind eher ein geladenes Handy mit Empfang oder gutes Schuhwerk für einen längeres Marsch in den nächsten Ort gefragt.

Wer sich jedoch im Urlaub ein wenig die Zeit vertreiben oder mit den Kids ein wenig Abenteuer spielen möchte, für den sind die beiden Sets genau richtig. Mit knapp 30 für das kleine und knapp 45 Euro für das große Survival-Set sind sie nicht allzu teuer und beinhalten trotz der einen oder anderen Schwäche noch genug Dinge, die auch im Camper-Alltag nützlich sind.



Wer sich ein persönliches Survival-Set zusammenstellen will, der findet hier eine Basis, auf der er aufbauen kann. Dies und jenes raus, dafür ein paar andere Dinge rein. Grade die große Tasche mit ihrem Molle-Pad, auf das man sie kletten und schnell abreißen kann, ist dafür ideal.
Wer sich fragt, was ein Notfall-Set für das eigene Wohnmobil oder den Campervan enthalten sollte, der findet in unserem Artikel „Die Tasche für den Notfall unterwegs“ Tipps und Anregungen. Denn was ist, wenn das Fahrzeug plötzlich Feuer fängt und man so schnell wie möglich raus muss? In dieser Tasche, die man schnell schnappen kann, sollte dann alles enthalten sein, damit man die nächste 24 oder 48 Stunden auf das Nötigste zurückgreifen und die nächste Schritte organisieren kann.












