Vanlife mit kleinem Budget: So spart ihr unterwegs wirklich Geld

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Langzeitreisen müssen nicht zwangsläufig teuer sein. Kostenlos sind sie allerdings auch nicht – ganz egal, wie viele romantische Bilder von einsamen Stellplätzen und dampfenden Kaffeetassen vor Bergkulisse uns Instagram präsentiert. Das Fahrzeug möchte betankt werden, der Kühlschrank füllt sich nicht von allein und irgendwann verlangt selbst der genügsamste Vanlifer nach einer ausgiebigen Dusche. Aber: Vanlife mit kleinem Budget ist absolut möglich. Wir waren mehrere Jahre mit unserem Expeditionsmobil Charly unterwegs und hatten dabei kein unbegrenztes Reisebudget zur Verfügung. Wir mussten also durchaus darauf achten, wofür wir unser Geld ausgaben. Das bedeutete für uns allerdings nicht, jeden Euro dreimal umzudrehen und auf alles zu verzichten, was Freude macht. Wir wollten schließlich reisen – und nicht an den schönsten Orten Europas sitzen und traurig an einer trockenen Scheibe Brot knabbern. Mit der Zeit entwickelten wir deshalb unsere eigenen kleinen Sparstrategien. Einige davon waren naheliegend, andere erforderten etwas Planung und manche führten zu Begegnungen, mit denen wir nun wirklich nicht gerechnet hatten.

Vor dem Grenzübertritt noch schnell tanken – oder lieber nicht?

Wenn wir wussten, dass wir in den nächsten Tagen eine Grenze überqueren würden, schauten wir vorher nach, in welchem der beiden Länder der Diesel günstiger war. Je nachdem füllten wir den Tank noch im aktuellen Land oder fuhren mit möglichst viel Restreichweite über die Grenze. Bei unserem großen Expeditionmobil machte sich das durchaus bemerkbar. Ein Preisunterschied von 15 Cent klingt zunächst nicht besonders spektakulär. Bei 100 Litern sind das allerdings schon 15 Euro – und unser Tank fasste 300 Liter. Da konnte der Unterschied zwischen „Wir tanken besser noch heute“ und „Das schaffen wir bis morgen“ schon einmal den nächsten Einkauf bezahlen. Einen ersten Überblick über die durchschnittlichen Preise in den EU-Ländern bietet das wöchentlich aktualisierte Oil Bulletin der Europäischen Kommission. Für die tatsächlichen Preise vor Ort nutzten wir Tank-Apps und Kartendienste. Denn natürlich kostet der Diesel nicht an jeder Tankstelle eines Landes dasselbe. Wäre ja auch zu einfach.

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Autobahntankstellen sind bequem – und wissen das leider auch

Dass Tankstellen direkt an der Autobahn meistens teurer sind, dürfte niemanden überraschen. Trotzdem steht man schnell dort, wenn die Tankanzeige bereits bedrohlich tief gesunken ist und die nächste günstige Tankstelle laut Navigation irgendwo zwischen einem Maisfeld und dem Ende der Zivilisation liegt. Wir versuchten deshalb, rechtzeitig zu tanken und Stationen abseits der Autobahn anzufahren. Oft musste man dafür nur wenige Kilometer von der eigentlichen Strecke abweichen. Allerdings lohnt sich auch hier ein kurzer Realitätscheck: Wer 20 Kilometer Umweg fährt, um pro Liter zwei Cent zu sparen, hat möglicherweise mehr Diesel verfahren, als er anschließend einspart. Unser Ziel war also nie, die billigste Tankstelle des gesamten Landes aufzuspüren. Wir wollten lediglich die besonders teuren vermeiden. Sparen darf ein bisschen Planung erfordern. Sobald dafür komplizierte Berechnungen, drei Apps und eine einstündige Irrfahrt notwendig werden, ist der Punkt erreicht, an dem man vielleicht einfach tanken sollte.

Lebensmittel kaufen, die auch Einheimische kaufen

Wer unterwegs unbedingt dieselben Produkte kaufen möchte wie zu Hause, zahlt in vielen Ländern ordentlich drauf. Importierte deutsche Markenprodukte gehören selten zu den preiswertesten Dingen im Regal. Deshalb griffen wir bevorzugt zu regionalen Lebensmitteln – also zu dem, was vor Ort produziert und auch von den Menschen dort gekauft wurde. Besonders gern hielten wir an kleinen Straßenständen. Hier in Rumänien stehen vor vielen Grundstücken im Sommer kleine Tische mit Tomaten, Paprika, Kirschen, Äpfeln oder anderem Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten. Manchmal gibt es außerdem Honig, Sirup, Wein, selbst gebrannten Schnaps oder regionaltypische eingekochte Speisen. Und ja, bei Flaschen ohne Etikett kann ein bisschen Abenteuerlust durchaus hilfreich sein. Wir waren jedenfalls sehr oft überrascht, wie gut die angebotenen Sachen schmeckten. Gleichzeitig bekamen wir für wenig Geld Lebensmittel, die tatsächlich aus der Region stammten und unterstützten direkt die Menschen im jeweiligen Dorf.

Markt ist nicht automatisch ein anderes Wort für günstig

Nun ja, bevor jetzt jemand begeistert zum nächsten Markt im touristischen Zentrum läuft: Nicht jeder Markt ist automatisch günstig. In beliebten Urlaubsorten findet man ebenfalls hübsche Stände mit dekorativ aufgetürmten Tomaten, regional aussehenden Gläsern und Preisen, bei denen man kurz überprüft, ob versehentlich Blattgold verarbeitet wurde. Wir orientierten uns deshalb gern daran, wo die Einheimischen selbst einkauften. Besonders gut gefielen uns die überdachten Märkte in der Türkei. Dort gab es neben Obst und Gemüse auch Gewürze, Haushaltswaren und allerlei Dinge des täglichen Bedarfs. Mit Worten konnten wir uns mit den Verkäufern meist kaum verständigen – also wurde gezeigt, probiert und mit Händen und Füßen verhandelt. Dafür funktionierte auch der Taschenrechner erstaunlich gut: Wir tippten den Betrag, den wir zahlen wollten, ins Smartphone, der Verkäufer zeigte uns seine Preisvorstellung auf seinem Handy oder Taschenrechner und schon konnte verhandelt werden. Dieses Prinzip verstanden die Händler eigentlich überall ziemlich schnell. Oft bot man uns bei Kaufinteresse Kostproben an. Gerade an den Gewürzständen durften wir häufig probieren. Einmal hatten wir unsere Einkaufstüte schon mit allerlei Gewürzen gefüllt, als der Verkäufer noch auf ein weiteres zeigte, das offenbar unbedingt mitmusste. Optisch sagte es mir überhaupt nichts. Ich durfte erst riechen und dann kosten: säuerlich, fruchtig und ziemlich lecker. Also kauften wir es, obwohl wir weder wussten, wie es hieß, noch was wir damit anfangen sollten. Später half Google weiter: Wir hatten Sumach gekauft. Und fanden ziemlich schnell heraus, dass sich dafür durchaus Verwendung finden würde – etwa für Salate, Joghurt-Dips oder Fleischgerichte. So landeten unterwegs immer wieder Lebensmittel in unserer Küche, die wir zu Hause vermutlich nicht einmal beachtet hätten.

Auf türkischen Märkten landete öfter etwas in unserer Einkaufstüte, dessen Namen wir erst später googeln mussten. (Bild: Isabel Wotruba)

Dass solche Einkäufe manchmal auch erstaunlich günstig waren, erlebten wir unter anderem in Albanien. An einem Marktstand konnten wir uns durch verschiedene eingelegte Oliven probieren, bis wir eine Sorte gefunden hatten, die uns schmeckte. Wir nahmen eine große Schale mit und waren beim Bezahlen erst einmal irritiert. Umgerechnet kostete sie nur etwas mehr als einen Euro.

Duschen, ohne ständig einen Campingplatz zu brauchen

Beim Duschen hatten wir es mit unserem Expedionsmobil vergleichsweise komfortabel. Wir hatten nicht nur eine Dusche im Fahrzeug, sondern zusätzlich auf beiden Seiten eine Außendusche. Das war ausgesprochen praktisch: Je nachdem, wie wir standen und auf welcher Seite wir etwas Sichtschutz schaffen konnten, nutzten wir einfach die passendere. Meistens duschten wir deshalb direkt am oder im Fahrzeug. Trotzdem gab es immer wieder Tage, an denen wir ganz bewusst einen Campingplatz ansteuerten. Dann gönnten wir uns eine ausgiebige Dusche und füllten gleichzeitig unsere Wasservorräte wieder auf. Gerade auf einer Langzeitreise muss schließlich nicht jede Nacht kostenlos sein. Manchmal bezahlt man eben für Infrastruktur und ein bisschen Komfort. In Griechenland nutzten wir gelegentlich auch die öffentlichen Duschen an Stränden. Für eine schnelle Dusche waren sie praktisch, mit einem Badezimmer sollte man sie allerdings nicht verwechseln. Auch auf größeren Raststätten und Lkw-Parkplätzen findet man teilweise Duschen. Und manche Campingplätze erlauben gegen eine kleine Gebühr die Nutzung ihrer Sanitäranlagen, ohne dass man dort übernachten muss. Wer keine eigene Dusche im Wohnmobil hat, kann damit deutlich günstiger wegkommen als mit einer zusätzlichen Campingplatznacht.

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Wasser auffüllen – manchmal einfacher gesagt als getan

In Skandinavien, Italien und Spanien fanden wir viele Ver- und Entsorgungsstationen für Wohnmobile. Häufig konnten wir dort kostenlos Wasser tanken oder zahlten nur wenige Euro. Auch an Tankstellen fragten wir regelmäßig nach. Wenn wir dort Wasser bekamen, tankten wir meist gleich Diesel oder kauften zumindest etwas. Natürlich versuchten wir vorher herauszufinden, was da eigentlich aus dem Hahn kam. Aber ein Chemielabor zur Wasseranalyse hatten wir nun einmal nicht an Bord. Und selbst wenn eine kleine Menge zunächst völlig unauffällig aussah, bedeutete das noch lange nicht, dass später auch der komplette Tank sauber war. Mehr als einmal stellten wir erst nach dem Befüllen fest, wie viel Schmutz wir uns tatsächlich eingefangen hatten. Mancherorts gab es schlicht keine große Auswahl. In der Westsahara brauchten wir dringend Wasser. Ortschaften waren rar, Versorgungsmöglichkeiten entsprechend ebenfalls. Umso erleichterter waren wir, als wir eine Stelle fanden, an der Fahrzeuge offiziell Wasser aufnehmen konnten. Besonders vertrauenerweckend sah die Anlage nicht aus. Vor uns ließ sich ein Einheimischer mehrere große Fässer füllen, danach waren wir an der Reihe. Der Mitarbeiter war ausgesprochen freundlich und bastelte eine ziemlich abenteuerliche Verbindung zu unserem Tank: Plastikrohre und dicke Schläuche, die an mehreren Stellen mit Klebeband zusammengehalten wurden. Das Befüllen dauerte eine Weile. Mittendrin kam eine Kamelherde vorbei, die ebenfalls Durst hatte. Also zog der Mann den Schlauch kurzerhand aus unserem Wassertank und füllte erst einmal die Tränke der Kamele. Danach ging es mit unserem ExMo weiter. Spätestens in solchen Momenten waren unsere Ansprüche ziemlich schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen. Wir brauchten Wasser und waren froh, überhaupt welches gefunden zu haben.

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Wasser war in der Westsahara rar. Und manchmal mussten wir eben warten, bis die Kamele fertig waren. (Bild: Isabel Wotruba)

Einmal volltanken bei der slowakischen Feuerwehr

In der Slowakei hatten wir bereits an fünf oder sechs Tankstellen erfolglos nach Wasser gefragt. Schließlich trafen wir auf einen Tankstellenbesitzer, der Deutsch sprach. Auch er konnte unseren Tank nicht befüllen, hatte aber eine andere Idee: Wir sollten doch bei der nächsten Feuerwehr fragen. Mir war das zugegebenermaßen etwas unangenehm. Meiner Meinung nach hatten Feuerwehrmänner durchaus wichtigere Aufgaben, als den Wassertank deutscher Reisender zu füllen. Aber die Wache lag nur wenige Kilometer entfernt und wir versuchten es. Kaum fuhren wir auf das Gelände, kamen uns schon mehrere skeptisch blickende Männer in Feuerwehrkleidung entgegen. Rico erklärte unser Anliegen auf Englisch, Deutsch und mit Händen und Füßen. Kurz darauf öffneten sich die Tore, Schläuche wurden ausgerollt und unser Expeditionmobil Charly bekam Wasser. So schnell konnten wir kaum gucken. Damit war die Sache allerdings noch lange nicht beendet. Die Männer interessierten sich für Charly und unsere Reise, luden uns auf einen Kaffee ein und boten uns sogar an, zu duschen oder ihre Waschmaschine zu benutzen. Das lehnten wir dankend ab. Irgendwann muss man schließlich auch wissen, wann man die Gastfreundschaft ausreichend strapaziert hat.

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Kaffee, Google Übersetzer und plötzlich zwei Mechaniker unterm Camper

Wenig später saßen wir im Gemeinschaftsraum der Feuerwehr und unterhielten uns mithilfe von Google Übersetzer. Teilweise war es ein ziemlich wildes Durcheinander: Einer fragte etwas auf Slowakisch, der Nächste versuchte es auf Englisch, dann wurden uns Handys mit übersetzten Fragen über den Tisch gereicht. Zwischendurch bekam Rico ein Telefon in die Hand gedrückt, weil ein Feuerwehrmann einen Freund angerufen hatte, der offenbar ebenfalls unbedingt mit uns sprechen wollte. Dann standen plötzlich zwei weitere Männer in der Tür. Einer der Feuerwehrleute hatte seinen Bruder angerufen, weil vor der Wache ein interessanter Truck stand. Der Bruder brachte direkt noch einen Freund mit und sprach sogar etwas Deutsch. Durch Zufall erwähnte Rico, dass wir irgendwann eine Werkstatt brauchten. Plötzlich waren alle hellwach: Zwei der Männer waren Mechaniker. Wenig später kroch eine kleine Gruppe Feuerwehrmänner unter unseren LKW und kümmerte sich um unsere defekte Fahrerhausverriegelung. Tatsächlich bekamen sie diese wieder geöffnet. Nein, die Feuerwehr ist sicherlich keine verlässliche Anlaufstelle zur Wasserversorgung. Aber aus unserer erfolglosen Suche wurde eine wunderbare Reiseerinnerung. Solche Begegnungen bekommt man nicht, wenn man einfach nur wortlos den Automaten einer Versorgungsstation füttert.

Eigentlich wollten wir bei der slowakischen Feuerwehr nur Wasser holen. (Bild: Isabel Wotruba)

Freistehen spart Geld – wenn es erlaubt und passend ist

Wir standen am liebsten frei. Das sparte nicht nur Übernachtungskosten, sondern gab uns auch die Freiheit, länger an einem Ort zu bleiben oder spontan weiterzufahren. Allerdings ist Freistehen nicht überall erlaubt – und selbst dort, wo es geduldet wird, ist nicht jeder kostenlose Platz automatisch eine gute Idee. Wenn wir uns an einem Ort unwohl fühlten, fuhren wir weiter. Auch ein schiefer Parkplatz direkt neben einer viel befahrenen Straße wird nicht dadurch romantisch, dass er nichts kostet. Gelegentlich bezahlten wir lieber für einen ruhigen Stellplatz, eine sichere Nacht oder eine dringend benötigte Ver- und Entsorgung. In vielen Ländern bieten inzwischen Privatpersonen kleine Stellmöglichkeiten an. Dort kommt man oft leichter mit Einheimischen ins Gespräch und bekommt Tipps, die in keiner App stehen. Weil uns solche Plätze selbst so gut gefielen, bieten wir inzwischen auf unserem Hof in Rumänien ebenfalls eine Stellmöglichkeit an. Der Kreis hat sich also irgendwie geschlossen.

Für wenig Geld bei Bauern und Weingütern übernachten

In Italien nutzten wir Agricamper und landeten dadurch an Orten, die wir ohne das Gastgebernetzwerk vermutlich nie gefunden hätten. Über die Jahresmitgliedschaft von 39,90€ konnten wir bei teilnehmenden Bauernhöfen, Weingütern und anderen Betrieben bis zu 24 Stunden ohne zusätzliche Stellplatzgebühr stehen. Nicht jeder Stellplatz war spektakulär – manche wurden erst durch die Menschen besonders, die dort lebten. Einer davon gehörte Tonino, einem älteren Herrn auf einem großen Familienbetrieb in Apulien. Schon bei unserer Ankunft freute er sich sichtlich über seine Gäste und bot uns erst einmal eine Führung über den Hof an. Wir liefen an Zitronenbäumen vorbei, schauten uns das Gelände an und standen irgendwann vor einem riesigen Gewächshaus voller Erdbeeren. Unsere Hündin war beim Rundgang dabei, deshalb blieb ich zunächst draußen stehen. Tonino verstand überhaupt nicht, warum. Sein eigener Hund, erklärte er lachend, gehe schließlich regelmäßig ins Gewächshaus und stibitze Erdbeeren. Also durfte unsere Hündin selbstverständlich ebenfalls mit hinein. Der eigentliche Stellplatz wäre wahrscheinlich nicht der gewesen, von dem wir Jahre später noch erzählt hätten. Tonino schon. Wir kauften bei ihm reichlich Obst und Gemüse und nach einer Kostprobe auch Olivenöl. Zum Abschied bestand er noch auf einem gemeinsamen Selfie. Das machte er offenbar mit allen seinen Gästen – und man merkte ihm an, wie stolz er darauf war, Reisenden auf seinem Hof einen Platz anbieten zu können. Ganz anders, aber ebenso schön, war ein Weingut am Vesuv. Dort standen wir mit Blick über Neapel und gleichzeitig auf den Vulkan. Für Gäste wurde sogar ein kostenloser Shuttle nach Pompeji angeboten, den meine Tochter und ich gern nutzten. Während wir morgens auf die Abfahrt warteten, bekam ich allerdings noch eine etwas unerwartete Aufgabe: Prosecco verkosten. Es gibt unangenehmere Arten, auf einen Shuttlebus zu warten.

Agricamper-Stellplatz mit Blick auf den Vesuv – und am nächsten Morgen ging es per Shuttle nach Pompeji. (Bild: Isabel Wotruba)

Solche Plätze waren für uns der eigentliche Reiz von Agricamper. Oft kauften wir bei den Gastgebern ohnehin etwas – Käse, Wein, Olivenöl, Obst oder Gemüse. Nicht weil wir mussten, sondern weil wir die Sachen sowieso gebrauchen konnten und lieber direkt dort kauften, wo sie hergestellt wurden. Ähnliche Angebote gibt es mit France Passion in Frankreich und Schau aufs Land unter anderem in Österreich, Süddeutschland, Italien und Slowenien. Bei einer Bestellung außerhalb Frankreichs kostet France Passion für die Saison 2026 beispielsweise 37,90 Euro. Wer damit zwei oder drei kostenpflichtige Übernachtungen ersetzt, hat den Jahresbeitrag schnell wieder eingespart. Vorher sollte man trotzdem die Bedingungen lesen. Einige Gastgeberprogramme setzen ein vollständig autarkes Fahrzeug voraus. Wer weder Toilette noch Abwassertank besitzt, passt dann schlicht nicht ins Konzept. Auch Markise, Campingmöbel und Grill sollten nicht automatisch ausgepackt werden. Man steht schließlich auf einem privaten Hof und nicht auf einem All-inclusive-Campingplatz.

Bei Vignetten nicht einfach irgendeine Kategorie auswählen

Auch bei Maut und Vignetten lässt sich Geld sparen. Allerdings sollte man dafür nicht auf fragwürdigen Schleichwegen um jede mautpflichtige Straße herumfahren, sondern sich vorher mit der richtigen Fahrzeugkategorie beschäftigen. Je nach Land zählen Gewicht, Fahrzeugart, Achszahl, Höhe oder der Eintrag in den Fahrzeugpapieren. Mit unserem 12,5 Tonnen schweren Expeditionsmobil Charly erlebten wir in Rumänien mehrfach, dass selbst Verkaufsstellen unsicher waren. Entscheidend war bei uns, dass Charly in den Papieren als Wohnmobil eingetragen war. Trotzdem wollte man uns teilweise eine teurere Kategorie verkaufen. Deshalb sollte man die aktuellen Vorgaben vor der Reise selbst überprüfen und sich nicht blind darauf verlassen, dass die Person an einer Tankstelle schon die richtige Auswahl treffen wird. Für Rumänien findet man die offiziellen Informationen und den Verkauf über das Portal der Straßenverwaltung CNAIR.

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Vorsicht vor zusätzlichen Gebühren beim Onlinekauf

Wer online nach einer Vignette sucht, landet schnell bei verschiedenen Vermittlungsportalen. Manche sehen so offiziell aus, dass man kaum auf die Idee kommt, noch weiterzusuchen. Die verkaufte Vignette kann durchaus gültig sein – nur kommen teilweise Service- oder Bearbeitungsgebühren hinzu.

Wir achten deshalb darauf, Vignetten möglichst direkt über die offizielle Stelle des jeweiligen Landes zu kaufen. Vor dem Bezahlen kontrollieren wir Kennzeichen, Zulassungsland, Fahrzeugkategorie und Gültigkeitsbeginn lieber einmal zu viel. Ein einziger Zahlendreher kann aus einer günstigen Vignette schließlich eine ziemlich teure Reisebekanntschaft mit dem jeweiligen Mautsystem machen. Die Buchungsbestätigung speichern wir anschließend ab. So müssen wir unterwegs nicht darauf hoffen, dass genau im entscheidenden Moment das Internet funktioniert. Denn selbstverständlich verschwindet der Handyempfang bevorzugt dann, wenn man dringend irgendeinen Nachweis öffnen möchte.

Bei Fähren lohnt sich Vergleichen – aber nicht nur beim Anbieter

Bei Fährbuchungen vergleichen wir grundsätzlich mehrere Möglichkeiten. Häufig ist die Buchung direkt bei der Reederei etwas günstiger als über ein Vermittlungsportal. Trotzdem buchen wir selbst gern über Direct Ferries. Der Grund ist ziemlich unspektakulär: Für uns als Langzeitreisende ist es praktisch, alle Buchungen an einem Ort zu haben. Dort sehen wir, welche Fähren noch vor uns liegen, finden die Unterlagen schnell wieder und haben gleichzeitig ein Archiv der bereits gefahrenen Strecken. Für diesen Komfort nehme ich ein paar Euro Vermittlungsgebühr durchaus in Kauf. Den Preis bei der Reederei kontrolliere ich trotzdem vor jeder Buchung. Nicht unbedingt, um anschließend dort zu buchen, sondern um zu sehen, wie groß der Unterschied tatsächlich ist. Sind es nur wenige Euro, ist mir die bequemere Verwaltung wichtiger. Viel mehr sparen konnten wir teilweise durch flexible Reisedaten. In Griechenland wollten wir mit der Fähre nach Italien übersetzen und stellten beim Vergleichen fest, dass die gleiche Verbindung einige Tage später knapp 100 Euro günstiger war. Da wir keinen festen Termin hatten, blieben wir einfach noch ein bisschen länger in Griechenland. Es gibt schließlich schlechtere Orte, an denen man auf eine günstigere Fähre warten kann. Wer zeitlich flexibel ist, sollte deshalb nicht nur verschiedene Reedereien vergleichen, sondern auch mit Abfahrtstagen und Uhrzeiten spielen. Die Preise können sich selbst bei ähnlichen Verbindungen deutlich unterscheiden.

Mit Charly auf der Fähre: Bei flexiblen Reisedaten konnten wir teilweise deutlich sparen. (Bild: Isabel Wotruba)

Bei längeren Überfahrten schauen wir außerdem darauf, ob sich eine Kabine für uns lohnt. Von Griechenland nach Italien waren wir beispielsweise rund elf Stunden über Nacht unterwegs. Noch länger dauerte unsere Fähre von Italien nach Barcelona mit fast 24 Stunden. Bei solchen Strecken haben wir uns auch eine Kabine gegönnt. Irgendwann ist „möglichst billig reisen“ nämlich weniger attraktiv als ein Bett und eine Tür, die man hinter sich schließen kann.

Der wahrscheinlich wirksamste Spartipp – den wir selbst kaum beherzigt haben

Einer der größten Kostenfaktoren unserer Reise war der Diesel. Rein rechnerisch wäre eine der einfachsten Möglichkeiten zum Sparen deshalb gewesen: weniger fahren und länger an einem Ort bleiben. Wir waren darin allerdings ziemlich schlecht. Uns wurde meist recht schnell langweilig und irgendwann kam zuverlässig der Moment, an dem einer von uns sagte: „Wollen wir weiter?“ Also fuhren wir weiter. Mal nach zwei Tagen, mal nach drei – und manchmal wahrscheinlich deutlich früher, als es für unser Reisebudget vernünftig gewesen wäre. Wer entspannter an einem Ort bleiben kann als wir, hat hier allerdings enormes Sparpotenzial. Jeder zusätzliche Fahrtag kostet Kraftstoff, je nach Strecke Maut und nicht selten noch den obligatorischen Einkauf oder Kaffee unterwegs. Bleibt man dagegen eine Woche in einer Region, statt nach zwei Tagen wieder 200 Kilometer weiterzufahren, sinken die Fahrtkosten automatisch. Gerade bei einer Langzeitreise kann sich langsameres Reisen deshalb finanziell deutlich bemerkbar machen. Man muss es nur schaffen. Wir konnten es meistens nicht.

Sparen soll die Reise erleichtern – nicht beherrschen

Bei Sicherheit, Fahrzeugwartung und Gesundheit hörte der Sparspaß für uns ziemlich schnell auf. Ein kostenloser Stellplatz ist nämlich nur so lange ein Schnäppchen, bis man die halbe Nacht wach liegt und sich fragt, ob das Geräusch draußen gerade ein Ast, ein Tier oder doch jemand am Fahrzeug war. Und eine Reparatur wird erfahrungsgemäß auch nicht günstiger, nur weil man das verdächtige Geräusch noch ein paar Tausend Kilometer erfolgreich ignoriert.

Es gibt Dinge, bei denen Sparen keine besonders gute Idee ist. Charly in der Werkstatt gehörte definitiv dazu. (Bild: Isabel Wotruba)

Vor allem wollten wir aber nicht jahrelang durch die Welt fahren und dabei ständig darüber nachdenken, ob irgendwo noch drei Euro zu sparen wären. Wir wollten regionale Spezialitäten probieren, auf einem Markt Dinge kaufen, von denen wir noch nicht einmal wussten, wie sie heißen, gelegentlich essen gehen und uns einen Kaffee gönnen, wenn uns danach war. Für uns bedeutete Reisen mit begrenztem Budget deshalb nie, immer die billigste Möglichkeit zu wählen. Wir sparten lieber dort, wo es uns nicht wehtat – beim Tanken, bei Vignetten, bei flexiblen Fährterminen oder bei Übernachtungen. Das Geld gaben wir dann für Dinge aus, die uns wichtiger waren. Denn am Ende erinnern wir uns nicht daran, ob eine Dusche irgendwo zwei oder drei Euro gekostet hat. An den Nachmittag bei der slowakischen Feuerwehr dagegen schon. Ob wir bei unserer Reise immer maximal effizient gespart haben? Sicher nicht. Aber wir wollten auch nicht zwei Jahre lang mit dem Taschenrechner durch Europa fahren.

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