Der 3D-Druck revolutioniert gerade die Vanlife-Szene und macht Selbstbauer unabhängig von teuren Ersatzteilen und Standardlösungen. Wer heute in einen 3D-Drucker wie den Prusa CORE One+ investiert, kann innerhalb weniger Stunden maßgeschneiderte Halterungen, Organizer oder Ersatzteile für seinen Camper produzieren – ohne Vorkenntnisse und mit minimalem Aufwand. Das Beste: Hunderttausende fertige Designs warten kostenlos zum Download, sodass du nicht einmal selbst konstruieren musst. Dieser Artikel erklärt dir als Einsteiger alles, was du wissen musst: vom Drucker über die richtigen Materialien bis hin zum ersten gedruckten Teil für deinen Van.
Warum 3D-Druck perfekt zum Vanlife passt
Vanlife bedeutet Improvisation. Jeder Camper ist einzigartig, und Standardteile aus dem Baumarkt passen selten optimal in die individuell ausgebauten Fahrzeuge. Genau hier spielt der 3D-Druck seine Stärken aus. Das Armaturenbrett deines Sprinters braucht eine Smartphone-Halterung, die exakt in die vorhandene Lücke passt? Drucke sie dir selbst. Der Kunststoffhebel am Wasserablassventil deines Wohnmobils ist abgebrochen? Ersatzteil drucken – oft stabiler als das Original. Die Schublade in deiner Campingküche braucht einen Gewürzhalter für genau diese fünf Dosen? Kein Problem.
Die konkreten Vorteile für Vanlife-Enthusiasten

Erstens ermöglicht dir der 3D-Druck individuelle Anpassungen, die perfekt zu deinem Fahrzeug passen. Statt Kompromisse mit Standardteilen einzugehen, gestaltest du Halterungen, Clips und Organizer exakt nach deinen Maßen. Zweitens sparst du erheblich Geld: Ein gedrucktes Ersatzteil kostet oft nur wenige Cent an Material, während das Original vom Händler schnell zweistellige Eurobeträge verschlingt. Der Hebel für ein Reich-Wasserablassventil – ein beliebtes Druckprojekt auf Printables – ist das perfekte Beispiel: Das Originalteil bricht häufig, der selbst gedruckte Ersatz hält oft länger. Und drittens optimierst du den begrenzten Stauraum im Camper mit maßgeschneiderten Lösungen, die jeden Zentimeter ausnutzen.
Der Prusa CORE One+: Technik für Einsteiger und Anspruchsvolle
Für den Vanlife-Bereich empfiehlt sich ein zuverlässiger Drucker, der auch anspruchsvolle Materialien verarbeitet. Der Prusa CORE One+ aus Tschechien vereint Einsteiger-Freundlichkeit mit professionellen Features. Mit einem Druckvolumen von 250 × 220 × 270 Millimetern bietet der Drucker ausreichend Platz für die meisten Camper-Projekte – 30 Prozent mehr als der Vorgänger MK4S. Das reicht für große Halterungen, mehrteilige Organizer oder Ersatzteile wie Türgriffe und Lüftungsgitter. Die Druckgeschwindigkeit von bis zu 320 mm/s sorgt dafür, dass auch größere Projekte in vertretbarer Zeit fertig werden. Das vollständig geschlossene Gehäuse macht den CORE One+ besonders interessant für Camper-Anwendungen: Es ermöglicht das Drucken von hitzebeständigen Materialien wie ABS und ASA, die für Außenanwendungen und sonnenexponierte Bereiche unverzichtbar sind. Die Kammertemperatur erreicht bis zu 55°C, was perfektes Drucken ohne Warping ermöglicht.

Für Einsteiger besonders relevant: Der Drucker kalibriert sich vollautomatisch. Jetzt ein paar FAchbegriffe: Ein Loadcell-Sensor an der Düse vermisst das Druckbett durch physisches Antippen, das Mesh Bed Leveling sorgt für perfekte erste Schichten. Von der Ersteinrichtung bis zum ersten Druck vergehen bei der vormontierten Version nur etwa zehn Minuten. Der 3,5-Zoll-Farb-Touchscreen führt intuitiv durch alle Menüs, ein Filament-Sensor pausiert den Druck automatisch bei leerem Material. Der Preis liegt bei 1.049 Euro für den Bausatz und 1.349 Euro für die vormontierte Version. Erhältlich ist der Drucker direkt bei Prusa sowie bei autorisierten Händlern wie 3DJake oder Filafarm. Wir empfehlen die vormontierte Version, die auch wir nutzen.
Welches Filament für welche Anwendung im Camper?

Die Materialwahl entscheidet über Erfolg oder Misserfolg eines Druckprojekts – besonders im Camper, wo extreme Temperaturen und UV-Strahlung herrschen können. Hier die wichtigsten Filamente im Überblick. PLA (Polylactic Acid) ist das Einsteiger-Material schlechthin. Es druckt bei niedrigen 190–220°C, riecht kaum und verzeiht Einstellungsfehler großzügig. Für etwa 11–30 Euro pro Kilogramm ist es zudem günstig. Allerdings hat PLA einen kritischen Nachteil für Camper: Es beginnt bereits bei 55–60°C weich zu werden. In einem Fahrzeug erreichen Temperaturen an sonnigen Tagen schnell 70°C oder mehr – ein PLA-Teil auf dem Armaturenbrett wird sich garantiert verformen. Nutze PLA daher nur für Prototypen, Schubladenorganizer oder Teile in schattigen, gut belüfteten Bereichen.
Die weiteren Filamente
PETG (Polyethylenterephthalat-Glycol) ist der Allrounder für Camper-Projekte. Mit einer Glasübergangstemperatur von 75–85°C hält es den meisten Innenraum-Temperaturen stand. PETG ist schlagfester und flexibler als PLA, wasserfest und sogar in lebensmittelechten Varianten erhältlich. Drucktemperaturen liegen bei 220–260°C, das Material kostet 17–35 Euro pro Kilogramm. Nutze PETG für Befestigungsclips, Wassertank-Zubehör, Küchenutensilien und Elektronik-Gehäuse im geschützten Innenraum.
ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol) glänzt mit exzellenter Hitzebeständigkeit bis 105°C – perfekt für Armaturenbrett-Teile und Bereiche nahe Wärmequellen. Die Schlagfestigkeit ist hervorragend, LEGO-Steine bestehen aus diesem Material. Der Haken: ABS benötigt zwingend ein geschlossenes Druckergehäuse, was der Purse Core One + bietet. ABS setzt gesundheitsschädliche Dämpfe frei, die abgesaugt werden müssen. Zudem vergilbt und versprödet ABS unter UV-Einwirkung – für Außenanwendungen ist es ungeeignet.
ASA (Acrylester-Styrol-Acrylnitril) ist der Champion für Außenanwendungen am Camper. Mit einer zehnmal besseren UV-Beständigkeit als ABS behält es über Jahre seine Farbe und Festigkeit, selbst bei dauerhafter Sonneneinstrahlung. In Langzeittests zeigte ASA nach zwei Jahren natürlicher Alterung nur minimale Verfärbung. Nutze ASA für Solarpanel-Halterungen, Markisen-Zubehör, Außenleuchten-Gehäuse und alles, was dem Wetter ausgesetzt ist. Der Preis liegt bei 30–40 Euro pro Kilogramm.
TPU (Thermoplastisches Polyurethan) ist das flexible Filament für Dichtungen, Vibrationsdämpfer und Stoßfänger. Die Shore-Härte gibt an, wie weich das Material ist – von semi-flexibel (95A, wie eine Schuhsohle) bis extrem weich (60A, wie weiches Silikon). Für Camper-Anwendungen eignet sich TPU für Türstopper, Fensterdichtungen, Kabeldurchführungen und gummierte Handyhalterungen. Allerdings erfordert TPU Erfahrung: Es muss langsam gedruckt werden (20–30 mm/s) und kann sich im Extruder verheddern.
Konkrete Projekte aus der Vanlife-Community
Die 3D-Druck-Plattformen Printables und Thingiverse bieten tausende fertige Designs speziell für Camper und Wohnmobile. Hier eine Auswahl der beliebtesten Projekte, die du sofort herunterladen und drucken kannst.
Der Hebel für Reich-Wasserablassventile auf Printables zählt mit über 430 Downloads zu den Klassikern im Campervanbereich. Das Originalteil ist oft zu schwach dimensioniert und bricht ab – die gedruckte Version ist stabiler. Ähnlich praktisch: Innenverkleidungs-Clips für Mercedes Sprinter und VW Crafter, die als Ersatz für verlorene oder gebrochene Original-Clips dienen. Empfohlen wird hier PETG (siehe oben) wegen der Hitze im Van.
Für die Küchenorganisation gibt es Fensterrahmen-Getränkehalter, die sich ohne Bohren am Wohnwagenfenster einhängen lassen, inklusive Taschen für Stifte. Der Campervan Table Holder ermöglicht das platzsparende Verstauen eines Klapptisches an der Heckklappe. Für die Ordnung sorgen diverse Gewürzhalter und Schubladenorganizer. Und immer ganz genau auf die eigenen Bedürfnisse und Platzverhältnisse abgestimmt!

Besonders clever: Ein Wassereinfüllstutzen für Fiat Ducato kostet als Material unter zwei Euro – kommerzielle Lösungen kosten ein Vielfaches. Der Mercedes Sprinter Drehknopf ersetzt das oft verlorengegangenen Einstellrad am Sitz.
Deko ist ganz personalisiert machbar

Neben den wirklich nützlichen Dingen, die mit einem 3D-Drucker gedruckt werden können, eröffnen sich hinsichtlich personalisierter Deko ganz neue Welten. Ob nun Namensschilder oder kleine, persönlich gestaltete Untersetzer, Vasen mit Namen oder mit Zusatzteilen beleuchtete Bilder: fast alles ist möglich. Der eigenen Kreativität sind praktisch keine Grenzen gesetzt.
Der Weg zum ersten gedruckten Teil

Der Workflow vom Download bis zum fertigen Teil ist heute erstaunlich einfach. Die kostenlose Software PrusaSlicer übernimmt die komplexe Arbeit, ein 3D-Modell in Anweisungen für den Drucker umzuwandeln. Im ersten Schritt suchst du auf Printables.com nach dem gewünschten Modell – etwa „Sprinter cup holder“ oder „Caravan window clip“. Achte auf die Bewertungen und „Makes“, also Fotos von erfolgreichen Drucken anderer Nutzer. Lade die STL- oder 3MF-Datei herunter und entpacke sie. Öffne die Datei in PrusaSlicer. Die Software zeigt das Modell auf einem virtuellen Druckbett. Mit wenigen Klicks positionierst, drehst oder skalierst du es bei Bedarf. Für Einsteiger bietet PrusaSlicer einen Simple Mode, der komplexe Einstellungen versteckt und trotzdem gute Ergebnisse liefert. Wähle das passende Filament-Profil – etwa „Prusament PETG“ für robuste Camper-Teile. Über 180 vorgefertigte Profile für verschiedene Materialien sind bereits integriert. Dann klickst du auf „Slice Now“, und die Software berechnet alle Druckschichten. Die Vorschau zeigt dir Schicht für Schicht, wie das Teil entstehen wird, inklusive geschätzter Druckzeit und Materialverbrauch.
Tolle Connectivität per WLAN
Den fertigen G-Code überträgst du per USB-Stick an den Drucker oder sendest ihn direkt über WLAN via Prusa Connect. Am Drucker startest du den Druck und beobachtest die erste Schicht – sie ist entscheidend für den Erfolg. Bei modernen Prusa-Druckern wie der Core One + erledigt die automatische Kalibrierung den Rest. Nach dem Druck lässt du das Teil abkühlen, biegst die flexible Druckplatte leicht, und das Teil springt meist von selbst ab. Je nach Modell entfernst du noch Stützstrukturen und schleifst bei Bedarf die Oberfläche glatt. Typische Druckzeiten: Ein Smartphone-Halter ist in zwei bis vier Stunden fertig, ein größerer Organizer braucht einen halben Tag. Das berühmte Testschiffchen „Benchy“ druckt wenigen Minuten und zeigt dir, ob deine Einstellungen stimmen.
Die häufigsten Anfängerprobleme und ihre Lösungen
Drei Probleme begegnen Einsteigern am häufigsten. Wenn die erste Schicht nicht am Druckbett haftet, reinige das Bett mit Isopropanol und passe den Z-Offset an – die Düse muss nah genug am Bett sein, um das Filament leicht zu quetschen. Entstehen dünne Fäden zwischen Druckteilen (sogenanntes Stringing), senke die Drucktemperatur um fünf bis zehn Grad und aktiviere die Retraction-Einstellung. Lösen sich bei ABS oder ASA die Ecken vom Druckbett (Warping), nutze einen Brim und schließe die Druckertür. Die Prusa-Community hilft bei Problemen schnell weiter: Das offizielle Forum unter forum.prusa3d.com bietet ein deutsches Unterforum, der Discord-Server mit über 13.000 Mitgliedern liefert oft Antworten in Echtzeit. Die Knowledge Base unter help.prusa3d.com erklärt Schritt für Schritt alle Grundlagen.
Fazit: Mehr Unabhängigkeit für Selbstausbauer
Der 3D-Druck ist heute keine Nischentechnologie mehr, sondern ein praktisches Werkzeug für alle, die ihren Camper individuell gestalten wollen. Mit einem Drucker wie dem Prusa CORE One+ und dem richtigen Filament produzierst du Ersatzteile, Halterungen und Organizer, die perfekt zu deinem Fahrzeug passen – und das für einen Bruchteil der Kosten kommerzieller Lösungen. Der Einstieg ist einfacher als je zuvor: Fertige Modelle warten kostenlos zum Download, moderne Slicer-Software macht komplexe Einstellungen unsichtbar, und automatische Kalibrierung sorgt für Druckerfolg vom ersten Tag an. Die wichtigste Erkenntnis für Vanlife-Anwendungen: Vermeide PLA in sonnenexponierten Bereichen, etze auf PETG für den Innenraum und auf ASA für alles, was dem Wetter trotzen muss. Mit diesem Wissen steht deinem ersten Camper-Projekt nichts mehr im Weg. Wir werden in Zukunft eine Serie zu nützlichen 3D-Drucken veröffentlichen..











