Ein Land Rover Defender 110 Station Wagon als Reisemobil ist für viele Vanlife-Fans ein Traum. Robust, ikonisch und geländegängig – aber im Innenraum eher spartanisch. Spannend wird es, wenn aus dem klassischen Offroader ein vollwertiger Camper entsteht, der lange Reisen genauso gut meistert wie enge Waldpisten. Genau darum geht es bei einem Ausbau, der einen schwarzen Defender 110 SW TD4 in ein komfortables Reisefahrzeug verwandelt und zeigt, wie viel Vanlife-Potenzial in diesem Typ steckt.
Defender 110 SW Camper Ausbau für lange Reisen

Der Basis-Defender ist alles andere als nur ein Showcar. Mit Fox-Stoßdämpfern, Durchlauftank und Überrollkäfig ist das Fahrzeug auf ernsthafte Offroad-Touren vorbereitet. Tatsächlich war der Wagen bereits pannenfrei fast bis in die Mongolei unterwegs – ein klares Statement für die Reisetauglichkeit des Fahrzeugs. Was bisher fehlte, war ein Innenausbau, der auch mit Fahrerinnen und Fahrern zurechtkommt, die über 1,90 m groß sind und länger unterwegs sein wollen, ohne auf Komfort zu verzichten. Genau hier setzt das Camperkonzept an.
Gemeinsam mit dem reisefreudigen Besitzerpaar wurde ein Grundriss entwickelt, der sich eng an einem bewährten Vorgängerfahrzeug orientiert. Per Planung und 3D-Modellierung konnte schon früh sichtbar gemacht werden, wie der fertige Innenraum später wirkt – ein großer Vorteil, gerade bei einem so kompakten Basisfahrzeug. Der Defender 110 gehört zur Kategorie der eher kleinen Camper, und jede Fehlplanung rächt sich im Alltag sofort. Umso bemerkenswerter ist das Ergebnis im begrenzten Raum.

U-förmiger Grundriss mit cleverer Küche

Das Innenlayout setzt auf eine U-Form mit zwei großen Sitzbänken: eine längs an der Fahrzeugseite, eine quer im vorderen Bereich des Wohnraums. Auf der Fahrerseite zieht sich die Küchenzeile mit hohem Schrank und Arbeitsfläche entlang, inklusive eingelassenem Spülbecken und Kaltwasserhahn. Über der Arbeitsfläche schaffen Küchenoberschränke zusätzlichen Stauraum – ein Muss, wenn Lebensmittel, Geschirr und Kleinteile übersichtlich und griffbereit bleiben sollen.

In den Hochschrank integriert ist ein Waeco CDF 26 Kompressor-Kühlschrank. Für ein Fahrzeug dieser Größe ist das ein entscheidender Komfortgewinn: Auch bei sommerlichen Temperaturen bleiben Getränke kalt und frische Lebensmittel länger haltbar. Gerade wer abseits von Campingplätzen steht, schätzt eine zuverlässige Kühlung. Zusammen mit der Sitzgruppe entsteht so ein Wohnraum, der sich tagsüber zum Sitzen und Arbeiten eignet und nachts zum Bett umgebaut werden kann.

Leichtbau und Dämmung für echte Reisetauglichkeit

Damit der Defender seine Offroad-Fähigkeiten behält, spielt das Gewicht des Ausbaus eine zentrale Rolle. Die Möbel bestehen aus leichtem Pappel-Sperrholz beziehungsweise Pappel-Multiplex. Das Material ist durch seine kreuzverleimten Schichten stabil, bleibt aber deutlich leichter als viele Alternativen. Die vergleichsweise empfindliche Oberfläche wird mit drei bis vier Schichten Klarlack versiegelt, was sie unempfindlicher gegen Kratzer und kurzfristige Feuchtigkeit macht – ein wichtiger Punkt im harten Camperalltag zwischen nassen Jacken, Sand und Kochdunst.
Damit der Innenraum nicht auskühlt und sich weniger Kondenswasser bildet, wurden alle erreichbaren Blechflächen mit ein bis zwei Lagen 9 mm starkem Armaflex gedämmt. Vorher sind Hohlräume und Falze gründlich mit Korrosionsschutzfett behandelt worden. Rund um die Fenster und am neu gestalteten Himmel kommt schwarzer Kfz-Filz zum Einsatz, der nicht nur akustisch beruhigt, sondern dem Innenraum auch eine angenehm warme Haptik verleiht. Der Boden besteht aus einem 2 mm starken zu verklebenden Vinylbelag, wie er auch in Feuchträumen verwendet wird – damit ist er bestens geeignet für das Leben im Reisefahrzeug, wo nasse Schuhe und Schlamm zum Alltag gehören.

Autarke Stromversorgung und verstecktes Solarpanel

Der Defender 110 SW Camper verfügt über ein Doppelbatteriesystem. Eine 105-Ah-Gelbatterie versorgt den Wohnbereich, während ein Trennrelais Motor- und Verbraucherbatterie verbindet oder trennt. Beim Fahren lädt die Lichtmaschine die Bordbatterie, im Stand übernimmt ein Solarpanel mit 120 Wp die Versorgung. Besonders interessant ist die Art der Montage: Über eine eigens gefertigte Halterung sitzt das Panel verborgen zwischen dem Überrollbügel. Von unten ist es praktisch nicht zu sehen – ideal für unauffälliges Stehen in der Natur oder im urbanen Umfeld.
Die Kontrolle über das Bordnetz erfolgt über ein Bedienpanel oberhalb der Küchenzeile. Dort sind mehrere USB- und 12-Volt-Steckdosen, Lichtschalter und ein Batteriecomputer gebündelt. Der Computer überwacht die Bordbatterie, zeigt Spannung, Ladezustand sowie momentane Stromaufnahme oder -erzeugung an und berechnet, wie lange die verbleibende Kapazität bei aktuellem Verbrauch noch ausreicht. Die Batterien selbst sitzen in einem eigens angefertigten Halter unter dem Sitz – sicher fixiert und platzsparend untergebracht.
Stauraumwunder im kompakten Offroader

Der Innenraum des Defender ist ab Werk beengt. Durch den Ausbau wird er allerdings zu einem echten Stauraumwunder. Unter beiden Sitzbänken, in der Rückenlehne, im Hochschrank und in den Oberschränken stehen großzügige Verstaumöglichkeiten zur Verfügung. Die lange Bank ist zusätzlich mit Schubladen ausgestattet, die auch dann zugänglich bleiben, wenn sich zwei Personen im Fahrzeug aufhalten. Klappen im Sitzkissen erlauben einen Zugriff von oben – besonders wichtig, wenn das Fußraum-Brett für den Bettumbau eingelegt ist und die Schubladen verschließen würde.
Dieses Brett hängt tagsüber vor dem Seitenfenster und dient als Rückenlehne der Bank. Über vier Sterngriffe lässt es sich lösen, aus der Halterung nehmen und zwischen Sitzbank und Küchenzeile einhängen. Die Auflageflächen sind präzise in das Holz gefräst, sodass im Innenraum keine scharfkantigen oder vorstehenden Teile stören. Durchdachte Details wie diese machen sich auf langen Reisen täglich bemerkbar.
Klapptisch innen, Kochplatz außen – ein Detail begeistert
Ein kleines, aber äußerst praxistaugliches Element ist der klappbare Esstisch im Inneren. Die Tischplatte ist zugleich der Deckel eines Staufachs in der Küche. Mit wenigen Handgriffen wird sie aufgeklappt und über stabile Regalhalter (bis 50 kg belastbar) abgestützt. So verwandelt sich der Küchenbereich in Sekunden in eine Ess- oder Arbeitsfläche – ein großer Vorteil, wenn schlechtes Wetter zum Drinnenbleiben zwingt.
Mindestens ebenso spannend ist das Outdoor-Kochkonzept. An der Hecktür kommt zwar je nach Defender-Baujahr viel Technik in die Quere, dennoch konnte ein kleiner Tisch integriert werden – perfekt für den Morgenkaffee mit Aussicht aus dem Bett. Für ein vollwertiges Kocherlebnis draußen wurde eine zusätzliche Arbeitsplatte entwickelt, die mithilfe von Magneten und Sterngriff an der hinteren Seitentür auf der Fahrerseite fixiert wird. Das Brett lässt sich seitlich an die Küchenzeile einhängen und mit einem Gurt am Überrollkäfig abspannen. Da der Gurt verstellbar ist, bleibt die Fläche auch auf unebenem Untergrund waagerecht. Von dieser Position sind Spüle und Vorratsfächer von außen hervorragend erreichbar – eine äußerst gelungene Lösung, die sich als faszinierendes Detail dieses Ausbaus heraushebt.
Verfügbarkeit und Einordnung für Vanlife-Fans
Der Defender 110 SW TD4 ist ein Modell, das nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern auf den Straßen und Pisten unterwegs ist. Auf dem hiesigen Markt ist ein gut erhaltener, ausbautauglicher Defender jedoch nicht leicht zu finden. Wer in Deutschland ein solches Basisfahrzeug sucht, muss mit eingeschränkter Auswahl und teils hoher Nachfrage rechnen, besonders wenn Offroad-Ausstattung wie Überrollkäfig oder spezielles Fahrwerk gewünscht sind. Umso spannender ist jeder individuell aufgebaute Camper, der zeigt, wie sich der Klassiker zu einem alltagstauglichen, autarken Reisegefährten für zwei Personen verwandeln lässt.
Besonders für Vanlife-Fans, die viel abseits befestigter Straßen unterwegs sein möchten und trotzdem Wert auf Stauraum, Autarkie und gute Ergonomie legen – selbst bei Körpergrößen jenseits der 1,90 m – bietet dieses Konzept eine inspirierende Mischung aus Geländewagen und Wohnmobil.
Bilder: Endlos-Freisein















