Wer heute „Roadfans“ googelt, landet zuerst bei einer Pleite. Insolvenzberichte, verlorene Anzahlungen, verärgerte Kunden. Wer dagegen auf dem Caravan Salon in Düsseldorf durch Halle 11 läuft, steht plötzlich vor 281 Quadratmetern Messestand mit sechs neuen Fahrzeugen und einem Logo, das genauso aussieht wie damals. Zwei Wahrheiten, ein Name – und die Frage, wie das zusammenpasst. Wir von vanlifemag.de haben uns am Stand mit dem Mann verabredet, der diese Frage am wenigsten gern hört und sie trotzdem am ausführlichsten beantwortet: Joscha Stephan, Gesellschafter der ROADfans Vertriebs GmbH, der Chief Operating Officer.
Vier Händler, ein neuer Firmensitz in Bocholt

Die ROADfans Vertriebs GmbH gibt es seit rund einem Jahr. Sitz ist Bocholt, nicht mehr Mönchengladbach. Getragen wird sie von vier alteingesessenen Caravaning-Handelsbetrieben, die sich zusammengetan haben: Freizeit-Center Albrecht, Caravan Center Bocholt aus Nordrhein-Westfalen, Tremp Caravanland aus dem Berliner Raum und Wohnwagen Vogt aus dem Saarland. Geschäftsführer ist Simon Böing. „Die vier Händler haben sich zusammengetan und aus der damals insolventen Roadfans GmbH die Marke herausgekauft – nur die Marke, das Logo, quasi die Hülle“, erklärt Stephan. Gekauft wurde beim Insolvenzverwalter; der Kaufpreis floss damit in die Insolvenzmasse und an die Gläubiger der alten Gesellschaft. Übernommen wurden ausdrücklich keine Verträge, keine Verbindlichkeiten, kein Unternehmen.
Warum kauft man den Namen einer insolventen Firma?
Die Frage stellen wir ihm direkt, denn ein solcher Name ist erst einmal verbrannt. Stephan weicht nicht aus. „Da schlagen zwei Herzen in unserer Brust“, sagt er. „Es gibt viele, die unter der Insolvenz gelitten haben, und das tut uns leid. Aber es gab davor auch vier Jahre lang viele Kunden, die mit dieser Marke sehr viel Positives verbunden haben.“ Die alte Roadfans GmbH war ein großer Vermieter, der Tausende Menschen erfolgreich in den Urlaub geschickt hat. Genau daraus leitet er die betriebswirtschaftliche Kalkulation ab, die hinter dem Kauf steckt: „Markenbekanntheit ist immer schwerer aufzubauen, als ein Image vom Schlechten ins Gute zu drehen.“ Bekanntheit war da. Vertrauen muss neu erarbeitet werden. Das ist die Wette.
Die eine Person, die in beiden Firmen vorkommt
Es gibt eine personelle Überschneidung, und Stephan spricht sie von sich aus an, bevor wir nachfragen können. Er hat die alte Roadfans GmbH 2018 in Mönchengladbach mitgegründet. „Ende 2022 bin ich ausgeschieden, habe meine Anteile verkauft. Die Insolvenz war 2024 – da war ich schon zwei Jahre weg.“ Nachlesbar ist das in jedem Handelsregisterauszug und auf der eigenen Website, die eine gesonderte Transparenzseite zum Thema führt. Das ist ungewöhnlich offensiv für ein Unternehmen, das die Vorgeschichte auch schlicht verschweigen könnte. „Wir wollen gar nicht verleugnen, was passiert ist“, sagt er. „Mir ist nur wichtig klarzustellen, dass das jetzt für etwas anderes steht.“ Die neue Gesellschaft ist keine Rechtsnachfolgerin – juristisch wie wirtschaftlich ein anderer Betrieb.
Das Prinzip Handelsmarke: die Ja-Milch unter den Reisemobilen
Das Geschäftsmodell ist bewusst unspektakulär, und Stephan erklärt es mit einem Bild aus dem Supermarkt. „Ich vergleiche das immer ein bisschen mit dem Rewe-Supermarkt: die Ja-Milch, in der aber Bärenmarke drin ist.“ Genau das sei Roadfans. Auf dem Stand stehen Fahrzeuge, die von etablierten Herstellern produziert werden – Hobby, Weinsberg und LMC bauen für die Handelsmarke, auf Fiat- und Citroën-Chassis. Roadfans nimmt große Stückzahlen ab, das Herstellerlogo weicht dem eigenen. „Dadurch haben wir einen massiven Preisvorteil“, sagt Stephan. Wer im Supermarkt zur Eigenmarke greift, kenne das Prinzip. „Es ist keine Raketenwissenschaft. Es ist einfach dieses Handelsmarkenprinzip, damit es wieder faire Preise gibt.“
Keine Restposten, sondern frische Produktion
Ein naheliegender Verdacht bei solchen Konstruktionen: Hier werden Ladenhüter umetikettiert, Fahrzeuge, die die Hersteller ohnehin nicht losgeworden sind. Wir haben nachgefragt. Stephan widerspricht deutlich. „Nein, die werden frisch produziert, weil wir den Anspruch haben, die Ausstattung schon mitzubestimmen.“ Das ist der eigentliche Hebel. Die vier Gesellschafter bringen jahrzehntelange Verkaufserfahrung an einen Tisch und definieren daraus eine Standardausstattung, die – so die These – ohnehin fast jeder Kunde bestellt. Für die Hersteller ist das attraktiv, weil sie eine Baureihe ohne Konfigurationschaos durchproduzieren können. „Das ist für die Hersteller gut, und deshalb sind die Fahrzeuge auch so preisgünstig.“ Die Fahrzeuge selbst kommen aus deutscher Produktion.
Der Preis als eigentliches Produkt
Der Punkt, an dem Stephan spürbar in Fahrt kommt, ist die Aufpreisliste. Sie sei der Ort, an dem die Branche Vertrauen verspiele. „Es gibt Anbieter, die werben mit Kastenwagen ab 39.900 Euro. Aber wenn du ein paar Klicks machst, bist du bei 55 oder 60.“ Erst die Ausstattungsliste, dann ganz am Ende die Fracht: „Sind nochmal 1.500 Euro. Haben wir jetzt erst mal nicht drüber geredet, aber Fracht muss halt gemacht werden.“ Bei Roadfans soll der genannte Preis der Preis bleiben, inklusive Fracht. „Da ist nichts Verstecktes drin. Man kann bei uns auch nicht viel dazu bestellen.“ Übrig bleiben wenige echte Extras – eine Dachklimaanlage etwa oder eine Anhängerkupplung.
Sechs Modelle zwischen 49.999 und 69.900 Euro

Konkret sind es sechs Modelle, die auf dem Caravan Salon stehen und über das Händlernetz ausgeliefert werden. Den Einstieg macht der Hopper 600 Pure auf Citroën-Basis ab 49.999 Euro, aufs Wesentliche reduziert, aber mit Fahrassistenz-Paket. Darüber liegen die verschiedenen Hopper-Varianten mit Aufstelldach, verlängertem Radstand oder Sicherheitspaket, dazu der Kastenwagen Rocker 680. Die Spitze bildet das Reisemobil Journey 680 mit zwei Einzelbetten und großer Heckgarage ab 69.900 Euro. Serienmäßig an Bord sind Dinge, die anderswo Aufpreis kosten: Dieselheizung, Kompressorkühlschrank, Rückfahrkamera, Markise, Rahmenfenster, Isofix, DAB-Radio mit Apple CarPlay. Verkauft wird nicht zentral, sondern über mittlerweile 14 Handelsbetriebe in ganz Deutschland.
Warum die Struktur mehr zählt als das Versprechen
Genau hier liegt der Unterschied zum alten Unternehmen, und er ist strukturell, nicht rhetorisch. Der Vertragspartner des Kunden ist nicht eine Vertriebszentrale, sondern der Händler vor Ort – mit dessen Namen, dessen Werkstatt und dessen Haftung. Die häufigste Beschwerde gegen die alte Gesellschaft betraf Anzahlungen, die nicht zurückkamen. Vier Gesellschafter mit eigenen Standorten, von denen keiner allein auf Roadfans angewiesen ist, verteilen dieses Risiko anders. „Vor Ort gibt es dann den Handelsbetrieb, der wirklich weiß, was er tut, schon seit 40 Jahren“, sagt Stephan. „Diese Kombination aus Marke und Plattform einerseits und Handelsbetrieb andererseits finde ich ganz interessant.“ Ein Insolvenzschutz ist auch das nicht – aber eine nachvollziehbare Konstruktion.
Die Vermietung als Fernziel – in einem Markt voller Pleiten
Langfristig soll Roadfans mehr sein als eine Verkaufsmarke. Stephan denkt laut über eine gemeinsame Vermietmarke der Partnerbetriebe nach, damit Roadfans „als Freizeitmobilitätsmarke wahrgenommen wird und nicht nur für das Thema Verkauf steht“. Der Zeitpunkt ist heikel, und er weiß das. Die Vermietbranche hat gerade eine Pleitenserie hinter sich: 2024 die CamperBoys GmbH, die Marke Off, danach FreewayCamper, und im August 2026 stellte die Freeventure GmbH hinter der Vermietung Vanever den Betrieb ein. „Deshalb ist das alles gerade ein bisschen verschrien“, sagt Stephan. Vermietung sei ein anstrengendes Geschäft mit einem komplexen Produkt, das oft an unerfahrene Kunden gehe. „Das können die wenigsten Start-ups, die keinen Handelsbetrieb dahinter haben. Die unterschätzen komplett, was das für ein komplexes Produkt ist.“
Was bleibt
Was Roadfans versucht, ist ungewöhnlich: eine Marke reanimieren, deren Suchergebnisse man nicht kontrollieren kann, und gleichzeitig offensiv über die Insolvenz sprechen, die andere lieber begraben würden. Ob das Modell trägt, entscheidet sich nicht auf dem Messestand, sondern in den Werkstätten der 14 Partnerbetriebe. Bis dahin gilt die nüchterne Auskunft, die die Redaktion künftig geben kann, wenn wieder jemand fragt, ob Roadfans pleite ist: Die Roadfans GmbH aus Mönchengladbach ist es. Die ROADfans Vertriebs GmbH aus Bocholt ist eine andere Firma. Und deswegen ist RoadFans nicht pleite. Das neue Unternehmen trägt den gleichen Namen, aber ist eine stabile, aufrechte Firma, die getragen von lange etablierten Händlern, neue Fahrzeuge überaus professionell zu Campingfreunden bringt.















