Unter dem Titel Merkblatt 769 „Photovoltaikanlagen in/an Fahrzeugen“ (MB FZMO 769:2025-08-11) hat der TÜV ein neues Merkblatt für das Anbringen von Solaranlagen an Campern herausgegeben. Es soll als Montage-Leitfaden dienen, um spätere Beanstandungen der Prüfer zu vermeiden oder zumindest zu minimieren. Wir haben reingeschaut und fassen die wichtigsten Infos zusammen.
Warum ein Merkblatt für das Thema Solaranlage am Camper?

Die Antwort auf diese Frage liefert uns Frank Schneider, Referent für Fahrzeugtechnik beim TÜV-Verband: „Die Installation einer Photovoltaikanlage am Fahrzeug ist eine praktikable Lösung, um elektrischen Strom autark und emissionsfrei zu erzeugen – vorausgesetzt, sie wird fachgerecht montiert“, sagt er und führt weiter aus: „Sachverständige begegnen in der Praxis immer wieder abenteuerlichen Konstruktionen Marke Eigenbau, die grundlegende Sicherheitsanforderungen missachten.“

Das kann zum einen dazu führen, dass sich schlecht befestigte Teile der Solaranlage zum Beispiel bei Bremsmanövern lösen können. Im schlimmsten Fall sorgen sie dann für einen Unfall und Schaden oder gar Verletzungen. „Kritisch sind falsch dimensionierte Kabel, fehlende Sicherungen oder thermische Überlastung. Das führt im schlimmsten Fall zu Kurzschlüssen oder Bränden“, so Schneider weiter.

Und ja, man kann bei der Montage und der Verkabelung der Camper-Elektrik einen ganze Menge Fehler machen. Das fängt bei der Ermittlung des Strombedarfs an, geht bei der Wahl der Zweitbatterie oder des Bordakkus und über falsch dimensionierte Kabel weiter und endet bei der Montage und dem Anschluss der Solaranlage. Um dabei Fehler zu vermeiden, haben wir schon vor längerer Zeit ebenfalls einige Ratgeber-Beiträge veröffentlicht. Sie sind hier zu finden:
- Strom im Campervan Teil 1: Grundlagen
- Strom im Campervan Teil 2: Strombedarf ermitteln
- Strom im Campervan Teil 3: Kabel und Sicherungen
- Strom im Campervan Teil 4: Aufbau Batterien
- Strom im Campervan Teil 5: Solaranlage
Der Inhalt des TÜV-Merkblatts zu Solaranlagen im Camper

Das Merkblatt 769 des TÜV ist zwar an erster Stelle für TÜV-Prüfer, die Einzelbegutachtungen, Änderungsabnahmen oder Hauptuntersuchungen durchführen, gedacht, ist aber gleichzeitig ein Leitfaden für Ausbaubetriebe und Umrüstbetriebe sowie ein guter Ratgeber für alle Selbstbauer. Denn es enthält alle wichtigen Informationen, um Solaranlagen und die dazugehörigen Komponenten fachgerecht und sicher zu installieren.
Das insgesamt 12 Seiten umfassenden Merkblatt enthält alle wichtigen Informationen zu folgenden Bereichen:
- Fahrzeugstruktur: Berücksichtigung von Massen, Abmessungen und Dachlasten zur Gewährleistung der Fahrzeugsicherheit.
- Elektrische Sicherheit: Anforderungen an die Installation, Verkabelung und Absicherung gemäß DIN VDE 0100-721 und DIN EN 50618.
- Splitter- und Reflexionsverhalten: Sicherheitsvorgaben für PV-Module, insbesondere bei Montagehöhen und Blendgefahr.
- Energiespeicher: Vorgaben für die sichere Integration von Energiespeichern, einschließlich lithiumbasierter Akkus.
- Befestigung und Brandschutz: Sicherstellung der Stabilität und Einhaltung von Brandschutzvorschriften.
- Cybersicherheit: Schutz vor Cyberbedrohungen und Anforderungen an Softwareaktualisierungen gemäß UN-Regelungen Nr. 155 und 156.
Die beiden Hauptkapitel „Anforderungen an Photovoltaikanlagen“ und „Weitere Anforderungen“ sind in sechs beziehungsweise vier Unterkapitel aufgeteilt. Sie geben umfassend Auskunft über die wichtigsten Dinge, die man beachten muss und nach welchen Normen und Vorschriften einzelne Bauteile geprüft sein müssen. Denn auch das ist wichtig zu wissen. Was nutzt das günstigste Solarmodul auf dem Dach, was nutzen die günstigsten Kabel, was nutzt der billige Lithium-Akku, wenn erforderliche Normen nicht erfüllt sind, die verwendeten Kabel nicht richtig dimensioniert und angeschlossen sind oder der Akku nicht für die Verwendung in Fahrzeugen zertifiziert ist?
Eben, leider gar nichts, denn man macht die Arbeit dann nochmal und gibt vor allem nochmal Geld aus. Also besser man informiert sich vorab und macht es richtig, auch wenn man dafür kurzfristig vielleicht etwas tiefer ins Portemonnaie greifen muss. Doch unnötige Fehler lassen sich – zumindest weitgehend – vermeiden, denn: „Wer sich am Merkblatt orientiert, reduziert die Wahrscheinlichkeit teurer Nachbesserungen und erhöht die Chance, dass Umbauten bei der Begutachtung auf Anhieb bestehen“, sagt Schneider.
Fazit zum neuen TÜV-Merkblatt Solaranlagen am Camper
Das Merkblatt 769 „Photovoltaikanlagen in/an Fahrzeugen“ vom TÜV-Verband beinhaltet umfassende Richtlinien für die Installation und die Begutachtung von Solaranlagen und den zum Betrieb notwendigen Komponenten an Fahrzeugen. Es dient als Orientierung für Sachverständige, Fachbetriebe und Selbstausbauer, um den sicheren Einbau nachgerüsteter Photovoltaikanlagen auf Wohnmobilen zu ermöglichen. Das Merkblatt kann als PDF-Datei im Onlineshop des TÜV-Verbands heruntergeladen werden, allerdings nicht kostenlos. Der Preis beträgt EUR 24,90. Ein Betrag, den man investieren sollte, denn er hilft höhere Kosten zu vermeiden.
Weitere Tipps zu Solaranlagen …
… sowie Infos und Tricks zum Thema Ausbau von Reisefahrzeugen findet ihr übrigens im Buch „Living off the Road“ aus dem Pietsch Verlag.

ISBN 978-3-613-50922-1
Preis 29,90 EUR











