Strombedarf im Campervan Kabel und Sicherungen

STROM IM CAMPERVAN TEIL 2: STROMBEDARF ERMITTELN

Warum man zuerst den Strombedarf ermittelt und wie es geht

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Nachdem wir in Teil 1 die Grundlagen zum Thema Strom im Campervan geklärt haben, gehen wir an die nächste Aufgabe: den Strombedarf des Reisefahrzeugs. Denn hier bedarf es einer recht genauen Planung, damit am Schluss alles funktioniert und man nicht unvermittelt im Dunklen steht, weil die Bordbatterien schneller leer gesaugt sind als man gedacht hat.

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Güma

Den Strombedarf für den Wohnbereich kann man relativ genau ermitteln. Der Aufwand hält sich in Grenzen, sollte aber unbedingt betrieben werden. Zunächst benötigt man eine Liste aller Verbraucher, die im Fahrzeug angeschlossen und betrieben werden sollen. Man beginnt also quasi von hinten und listet alles auf, was man später im Reisemobil mit Strom betreiben will. Diese Auflistung ist nötig, um den Strombedarf zu ermitteln. Den Wert dafür zu kennen ist wichtig, um die Akkus richtig zu dimensionieren. Dazu werden nicht nur alle Verbraucher in einer Liste erfasst, sondern dazu auch ihre Leistung notiert. Die Leistung ist in Watt auf dem Gerät oder den Glühbirnen angegeben.

Strombedarf ermitteln

Anhand dieser Geräteliste lässt sich nun ermitteln, wieviel Strom man in seinem Wohnmobil verbraucht. Als Grundlage werfen wir vorab einen Blick auf die dazugehörigen Formeln:

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Leistung in Watt (W) / Spannung in Volt (V) = Strom Ampere (A)

und

Strom (A) x Zeit in Stunden pro Tag (h)/d = Stromverbrauch in Amperestunden pro Tag (Ah)/d

In einer einzigen Formel ausgedrückt also:

W / V x h = Ah

Dazu müssen wir noch wissen, dass eine Bordbatterie, wenn sie voll aufgeladen ist, im Wohnmobil üblicherweise eine Spannung von 12 Volt hat. Ist das Stromnetz im Wohnbereich auf 24 Volt ausgelegt, muss dieser Wert verwendet werden.

Damit können wir nun den Stromverbrauch der einzelnen Geräte und Leuchten berechnen. Als Beispiel nehmen wir zwei Leseleuchten, wie man sie oft im Sitzbereich des Reisemobils hat, und gehen davon aus, dass sie – schon energiesparend – mit LED-Leuchtmitteln bestückt sind. Wählen wir also welche mit 1,2 Watt. Die Rechnung sieht nun also wie folgt aus:

1,2 W / 12 V = 0,1 A x 2 (Leuchten) = 0,2 A

Nun benötigen wir die Zeit, die die beiden Leuchten am Tag brennen. Das wird im Winter länger sein, im Sommer kürzer. Da wir jedoch für die kürzeren Tage im Jahr genügend Saft in den Akkus benötigen, nehmen wir eine Zeitangabe für den Winter und gehen davon aus, dass sie etwa fünf Stunden am Tag brennen werden. Unsere Rechnung geht daher wie folgt weiter:

0,2 A x 5 h/d = 1,0 Ah/d

Die beiden Leseleuchten verbrauchen also eine Amperestunde pro Tag.

Etwas komplizierter sieht es bei den 230-Volt-Verbrauchern aus. Hier müssen wir zur Wattangabe noch einmal 15 Prozent Verlust durch den Wechselrichter hinzurechnen. Nehmen wir als Beispiel eine der Kaffeemaschinen für Pads mit 1450 Watt, die am Morgen zweimal für etwa je fünf Minuten in Betrieb ist. Die Rechnung lautet also:

1450 W x 1,15 = 1667,5 / 12 V = 138,95 A

Bei der Rechnung in Minuten wird es nun ein klein wenig kompliziert, da wir die 60 Minuten in 100 umrechnen müssen, die sogenannte Industriestunde. So schwierig wie das zunächst scheint, ist es jedoch nicht, denn die Anzahl der Minuten wird dafür einfach durch sechzig geteilt. Fünf Minuten ergeben als 0,083 Industrieminuten, unsere zweimal fünf Minuten 0,166 Industrieminuten. Unsere Rechnung geht also folgendermaßen weiter:

138,95 A x 0,166 h/d = 23,06 Ah/d

Eine Datei zur Umrechnung von Minuten in Industrieminuten ist schnell erstellt.

Wir sehen also, dass 230-Volt-Verbraucher, wie die Kaffeemaschine oder der Föhn, um ein Vielfaches mehr an Amperestunden verbrauchen als die 12-Volt-Verbraucher. Entsprechend stark muss also unsere Bordbatterie ausgelegt sein. Und entsprechend sinnvoll ist es, möglichst viele Verbraucher auf 12 respektive 24 Volt auszulegen, was bei Föhn und Kaffeemaschine zugegebenermaßen jedoch nicht so wirklich funktioniert. Bei Laptops, Notebooks oder Pads besteht jedoch die Möglichkeit, sie mit Netzteilen, die von 12 Volt auf die passende Spannung regeln, zu betreiben, da sie ohnehin nicht mit 230 Volt laufen, sondern über ihr Netzteil heruntergeregelt werden. Auf den Leistungsverlust, der entsteht, wenn man erst 12 Volt auf 230 Volt hoch- und anschließend wieder auf 16 oder 18 Volt herunterregelt, kann man also getrost verzichten.  

Auf diese Weise geht man durch das gesamte Wohnmobil, prüft wieviel Watt jeder Verbraucher hat, schätzt die ungefähre Anschaltdauer und rechnet den Strombedarf aus. Anschließend werden die Werte addiert und man erhält den Strombedarf im Wohnmobil.

Als kleine Hilfe haben wir eine Liste dere üblichen Verbraucher zusammengestellt.

  • Beleuchtung Alkoven
  • Beleuchtung Sitzgruppe
  • Beleuchtung Gang
  • Beleuchtung Küche
  • Beleuchtung Bad
  • Außenbeleuchtung
  • Klimaanlage
  • Ventilator
  • Heizung (sofern elektrisch)
  • Heizungsgebläse
  • Warmwasserboiler (sofern elektrisch)
  • Frischwasser-Pumpe
  • Abwasser-Pumpe
  • Kühlschrank (sofern mit 12 oder 24 V betrieben, wie zum Beispiel Kompressor-Kühlschränke)
  • Radio & CD-Spieler
  • Fernseher
  • Sat-Anlage
  • Laden Handy
  • Laden Tablet
  • Laden Kamera
  • Laden mobiler WLAN-Router
  • Laptop & Notebook (wenn möglich auf passendes Netzteil umrüsten)
  • Kaffeemaschine
  • Mixer
  • Föhn
  • Rasierapparat

Wer sich mit Tabellenkalkulationsprogrammen, wie Excel oder Calc von Open-Office auskennt, kann sich hier eine Tabelle erstellen, die die Werte automatisch ausrechnet und addiert. Auch hierzu haben wir ein Beispiel erstellt.

Das Ermiteln des Strombedarfs im Campervan oder Reisefahrzeug sollte immer der erste Schritt sein. Denn nur so lässt sich ermitteln, wie hoch die Batteriekappazität sein muss.

Vanlifemag.de-Tipp

Um den Strombedarf niedrig und damit die benötigte Akku-Kapazität gering zu halten, empfiehlt es sich, ältere, stromfressende Verbraucher gegen moderne Varianten auszutauschen, die weniger Strom benötigten. Also zum Beispiel herkömmliche Leuchtmittel durch LED-Leuchtmittel zu ersetzen. Mittlerweile sind für viele Lampen im Wohnmobil-Bereich die passenden LED-Einsätze erhältlich.

Die anderen Artikel der Serie „Strom im Campervan“ …

… findet ihr hier:

  • Teil 1 – Die Grundlagen zum Thema Strom im Campervan
  • Teil 3 – Kabel und Sicherungen

Weitere Tipps zum Selberbauen …

… findet ihr in unserer Rubrik “DIY und Ausrüstung”.

Living off the Road
Living off the Road
ISBN 978-3-613-50922-1
Preis 29,90 EUR

Infos und Tricks zum Thema Ausbau von Reisefahrzeugen findet ihr übrigens im Buch “Living off the Road” aus dem Pietsch Verlag.

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