Fahren mit dem Auto oder dem Camper bei Hochwasser

Fahren mit dem Auto oder dem Camper bei Hochwasser

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Bei Hochwasser sollte man sich schnell in Sicherheit bringen. Egal mit welchem Fahrzeug man unterwegs ist, bei Hochwasser sollte schauen, dass man so schnell wie möglich aus dem Gefahrenbereich kommt. Das Fahren mit dem Auto oder dem Camper bei Hochwasser hat seine Tücken. Wir erklären, was man beim Fahren durch das Wasser unbedingt beachten sollte und wie es gelingen kann.

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Flutkatastrophen – in Deutschland immer häufiger

Hochwasser gibt es bei uns leider immer häufiger. Daher sollte man wissen, wie man sich in Sicherheit bringen kann.

Die Ahrtal-Katastrophe ist noch in unser aller Erinnerung, wir haben es zum Jahreswechsel von 2023 auf 2024 erlebt und aktuell ist vor allem Nordrhein-Westfalen betroffen. Hochwasser ist in vielen Regionen Deutschlands mittlerweile leider fast schon eher die Regel als die Ausnahme. Zuerst zeigen viele Pegelstände Höchstmarken, dann hofft man kurzzeitig auf Entspannung, doch dann sind weitere, sintflutartige Regenfälle angesagt. Staßen werden überschwemmt, Keller laufen voll und grade die Campingplätze in Flussnähe werden komplett überschwemmt.

Bei drohendem Hochwasser sollte man sich so schnell es geht in Sicherheit bringen.

Während einem bei Häusern nur die Möglichkeit bleibt, sie mit Sandsäcken zu sichern, kann man sich selbst und auch sein Fahrzeug jedoch in Sicherheit bringen und das Katastrophengebiet verlassen. Doch was, wenn die Straßen bereits überflutet sind? Ab ins Auto, das Wohnmobil oder den Campervan, Gas geben und möglichst schnell durch? Nein! Bitte, bitte nicht. Denn gerade bei Wasserdurchfahrten sind ein paar wichtige Dinge zu beachten, damit das Fahrzeug unbeschadet wieder aus den Fluten auftaucht.

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Wie ermittelt man wie tief das Fahrzeug ins Wasser fahren kann?

Geländewagen haben bei Wasserdurchfahrten zwar einen Vorteil, tückisch und gefährlich bleibt es trotzdem.

Der erste Punkt ist die sogenannte Wattiefe. Sie gibt an, wie tief das Wasser sein darf, durch das das Fahrzeug unbeschadet durchfahren kann. Fahrer von Geländewagen haben es gut, denn die Wattiefe ist in der Regel im Handbuch oder im Internet zu finden. PKW- und Wohnmobilfahrer haben es da schlechter. Sie müssen versuchen die Wattiefe ihres Wagens selbst zu ermitteln, denn sie ist in der Regel nirgendwo angegeben. Klar, Wasserdurchfahrten – abgesehen von Pfützen auf der Straße – sind für diese Fahrzeuggattung nicht vorgesehen. Und um es ganz klar zu sagen: Man sollte es auch vermeiden! Doch was tun, wenn es nicht anders geht? Klären wir also zunächst, was die Wattiefe ist und wie man sie ermittelt.

Die Elektrik und vor allem das Motorsteuergerät eines Fahrzeugs können beim Kontakt mit Wasser ausfallen. Ein Weiterkommen ist dann nicht mehr möglich.

Die Wattiefe wird von verschiedenen Faktoren wie den Entlüftungen von Achsen und Getriebe oder der Elektrik, vor allem aber durch die Höhe der Luftansaugung bestimmt. Denn kommt Wasser in den Ansaugtrakt, war es das in der Regel mit dem Motor. Im Gegensatz zur Luft, die hier für die Bildung des Kraftstoff-Luft-Gemischs angesaugt wird, lässt sich Wasser nicht komprimieren. Läuft es in den Brennraum, stoßen die Kolben mit der Wucht ihres aktuellen Drehmoments dagegen und damit wie vor eine Wand. Denn Wasser lässt sich – im Gegensatz zum Kraftstoff-Luft-Gemisch – nicht komprimieren. Also muss die Kraft irgendwo anders abgeleitet werden. Ein Loch im Zylinder oder ein nach unten herausgerissener Kolben können die Folge sein.

Die Luftansaugung ist der kritischte Faktor bei einer Wasserdurchfahrt. Kommt hier Wasser hinein, war es das mit dem Motor.

Der wichtigste Punkt ist also zunächst zu klären in welcher Höhe die Luftansaugung liegt. Das misst man bei geöffneter Motorhaube mit einem Zollstock. In unserem Beispiel auf den Fotos liegt die Ansaugung in einer Höhe von knapp 75 Zentimetern. Doch diese Höhe sollte man keinesfalls ausreizen, sondern mindestens gute 20 Zentimeter abziehen. Die Wassertiefe, die man durchfahren will, darf also höchstens 55 Zentimeter betragen.

Doch Vorsicht! Auch wenn die zu durchfahrende Wassertiefe innerhalb der ermittelten Wattiefe liegt, kann es dazu kommen, dass der Motor einen guten Schluck nimmt. Fährt man zu schnell ins Wasser hinein, schwappt es schnell über die Haube. Die Gefahr, dass dabei auch Wasser in die Luftansaugung läuft, ist groß. Ein weiterer Punkt, der dafür sorgen kann, dass das Wasser da landet, wo es nicht soll, ist der Lüfter. Dreht er munter seine Runden, verteilen die Flügel das Wasser im gesamten Motorraum. Dabei kann es dann auch schnell in den Luftfilter gelangen.

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Unbedingt checken – wie tief ist das Wasser, durch das man fahren muss?

Daher gilt: Unbedingt erst checken, wie tief das Wasser ist und ob der Untergrund fest oder weich und schlammig ist, das Fahrzeug also noch tiefer einsinken kann. Das große Problem bei Überschwemmungen ist, dass man den Straßenverlauf meist nicht mehr sieht. Kommt man also von der Fahrbahn ab, kann es schnell zu tief werden. Auf Feldwege sollte man sich mit einem Straßenfahrzeug daher auch besser gar nicht erst einlassen.

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Iglhaut-Sprinter im Gelände
Auch wenn grade ein 4×4-Campervan es kann, auf überschwemmte Feldwege sollte man sich bei Hochwasser nicht einlassen.

Um die Wassertiefe zu ermitteln, sucht man sich einen stabilen Stock, mit dem man in den Fluten stochern kann. Das sollte man auch unbedingt tun, bevor man mutig einen Schritt vor den anderen setzt. Die Wassermassen können nämlich problemlos Gullideckel anheben und fortschwemmen. In einen offenen Kanalschacht zu stürzen, ist auch schon Feuerwehrleuten passiert. Daher lautet bei Feuerwehr und THW die Anweisung sich zu Fuß nur mit einem Seil gesichert ins Hochwasser zu begeben. Eine Anweisung, die auch Privatpersonen beherzigen sollten.

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Hat man Gummistiefel dabei, bleiben die Füße bis zu einer gewissen Tiefe trocken. Zur Not muss es aber auch ohne gehen. Allerdings können Gummistiefel auch als Anzeige dienen, wenn sie hoch genug sind. Läuft oben Wasser hinein, kann es, je nach Fahrzeug, zu tief zum Durchfahren werden. Denn weitere, limitierende Faktoren für die Wattiefe sind die Entlüftungen von Achsen, Getriebe und die Elektrik. Während die Lichtmaschine das Abtauchen in die Fluten eventuell noch überstehen kann, wird es beim Motorsteuergerät problematisch. Das sitzt jedoch meist weit oben im Motorraum.

Hat man Gummistiefel dabei, können sie bei der Bestimmung der Wassertiefe helfen. Läuft das Wasser oben hinhein, kann es zum Durchfahren schon zu hoch sein.

Ein genauer Blick unter die Haube ist also wichtig. Anders bei den Entlüftungen von Achsen und Getriebe. Sie sitzen weit unten am Fahrzeug. Hier kann, je nach Ausführung der Entlüftung, schnell Wasser eindringen. Um in einem Notfall durchzukommen, kann man den Punkt zwar vernachlässigen, sollte aber im Anschluss unbedingt eine Werkstatt aufsuchen und checken lassen, ob und wie viel Wasser eingedrungen ist. Oft reicht es die Öle abzulassen, alles zu reinigen und neu aufzufüllen.

Wie stark ist die Strömung des Wassers, durch das man mit dem Auto oder Camper fahren muss?

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Querströmung. Ist sie zu stark, kann das Fahrzeug seitlich abgetrieben werden. Die Stärke der Strömung merkt man aber sehr schnell, wenn man einige Meter zu Fuß ins Wasser gewatet ist. Spürt man den Wasserdruck deutlich an den Beinen oder kann man sich gar nur noch schwer auf den Beinen halten, sollte man unverzüglich den Rückweg antreten. Die Gefahr, selbst weggerissen und Opfer des Hochwassers zu werden, ist zu groß. In diesem Fall sollte man auch nicht versuchen mit dem Fahrzeug durchzufahren und sich lieber einen anderen Weg suchen.

Wenn man sich sicher ist, die Wasserdurchfahrt einigermaßen unbeschadet überstehen zu können, gilt es Ruhe zu bewahren und nicht in Hektik zu verfallen. Auf gar keinen Fall sollte man Hals über Kopf ins Wasser fahren und schauen, dass man schnell durchkommt. Hier gilt: langsam hineinfahren und dann stetig, aber nicht zu schnell durch die Fluten. Dabei sollte man die entstehende Bugwelle möglichst konstant vor sich herschieben. Das verhindert, dass das Wasser mit einer Welle zurück in den Motorraum fließen kann. Um das zusätzlich zu verhindern, kann man den Kühlergrill mit einer Folie oder großen Mülltüte abkleben. So hat man mehr Fläche, die das Wasser nach vorne schiebt. Beim Herausfahren, gerade wenn das Ufer etwas steiler sein sollte, kann dann etwas mehr Gas gegeben werden, damit man nicht kurz vor dem Ziel doch noch stehen bleibt.

Den Kühlergrill vor der Wasserdurchfahrt abzukleben erschwert das Eindringen von Wasser in den Motorraum und hilft, die entstehende Bugwelle vor sich herzuschieben.

Grundregel – das eigene Leben geht vor!

Grundsätzlich gilt jedoch: Bevor man die eigene Gesundheit oder gar das Leben aufs Spiel setzt, bringt man sich lieber zu Fuß in anderer Richtung in Sicherheit und überlässt das Fahrzeug den Fluten – egal wie teuer es war und wie wenig Geld man hat. Selbst Opfer des Hochwassers zu werden ist immer noch die größte Katastrophe.

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Schritt für Schritt – Wasserdurchfahrt

  • Die maximale Wattiefe des Fahrzeugs ermitteln: In welcher Höhe sitzen Luftansaugung, Lichtmaschine und Motorsteuergerät.
  • Prüfen, wie tief das Wasser und wie der Untergrund beschaffen ist. Unbedingt einen Stock verwenden und vor einem im Wasser stochern, bevor man den nächsten Schritt macht. Gummistiefel sorgen für trockene Füße.
  • Die Querströmung beachten. Kann das Fahrzeug seitlich abgetrieben werden?
  • Nur langsam ins Wasser hineinfahren. Dabei keine großen Wellen oder Wasserfontänen verursachen.
  • Stetig und mit konstanter Geschwindigkeit hindurchfahren.
  • Dabei die Bugwelle möglichst vor sich herschieben.
  • Beim Herausfahren etwas Gas geben. Ist die Ausfahrt etwas steiler oder rutschig, kommt man so leichter wieder heraus.
Das Fahren durch Hochwasser kann mit guter Vorbereitung gelingen. Gefählich bleibt es aber trotzdem. Gibt es andere Möglichkeiten sich in Sicherheit zu bringen, sollte man sie nutzen.

Was man bei einer Wasserdurchfahrt auf keinen Fall tun sollte

  • In zu tiefes Wasser fahren. Immer die maximale Wattiefe des Fahrzeugs beachten.
  • Zu schnell ins Wasser hineinfahren. Das Wasser kann dabei in den Ansaugtrakt geraten und Schäden am Motor verursachen.
  • Mit wechselnder Geschwindigkeit durchs Wasser fahren. Das Wasser kann dabei zurückschwappen und dorthin gelangen, wo es nicht hin soll.

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