Eine Wohnmobil-Tour durch die südliche Vendée zeigt die abwechslungsreiche Vielfalt von Landschaft, Kultur und Kulinarik dieser Region. Zahlreiche Camping- und Stellplätze sorgen für sicheren Aufenthalt an der westfranzösischen Atlantikküste.
Die Natur-Route durch die südliche Vendée
- Mervent: Outdoor-Paradies am Fluss unter der Alten Burg
- Thiré: in den barocken Gärten des Dirigenten
- Mareuil-sur-Lay-Dissais: Malerischer Genussort
- In Lavaud steht eine der letzten Brücken von Gustave Eiffel
- Nachhaltiges Naturerlebnis in der Lagune Belle Henriette
- Bird-Watching in der Bucht von L’Aiguillon
- Luçon: geistliches Zentrum und ein besonderer Garten
Gerade in der Nebensaison ist die Vendée ein lohnendes Ziel mit dem Wohnmobil. Man kann der sommerlichen Hitze entgehen, die Sweet Spots sind nicht überlaufen und zwischen Bergen, der Marais poitevin und den endlos langen Sandstränden am Atlantik warten unzählige Reiseerlebnisse auf neue Entdecker. Hier unser Touren-Vorschlag für eine Rundreise durch die südliche Vendée.
Mervent: Outdoor-Paradies am Fluss unter der Alten Burg
Wer mit dem Wohnmobil in die Vendée reist, wird üblicherweise von Deutschland aus über Poitiers fahren. Für einen ersten Halt bietet sich Mervent an, um sich etwas von der Anreise zu erholen. Darüber hinaus kann man hier ein erstes Schmückstück der vielseitigen Landschaft dieser Region entdecken. Für Outdoor-Fans ist hier einiges geboten: Wandern, Radfahren, Kanufahren, Angeln, SUP und einiges mehr ist hier möglich.

Mervent liegt an der Mündung der Mère in die Vendée, wo sich die beiden Flüsse tief in die Landschaft eingegraben haben. Hoch über den Flüssen ist der Ortskern, der von vielen Rad- und Wanderwegen passiert werden kann. Über dem Tal thront die alte Burg in einem Park. Das Vieux Chateau, deren Ursprünge ins 11. Jahrhundert zurück gehen, bietet einen schönen Ausblick über die Landschaft. Hier wirkte auch Père Montfort (1673 – 1716), der durch seine Schriften starken Einfluss auf Papst Johannes Paul II. ausübte.

Am Ortsrand von Mervent gibt es einen Wohnmobilstellplatz. Er befindet sich gegenüber dem (sehenswerten) Friedhof. Es gibt keinen Strom, aber Frischwasser und Entsorgung. Die Gebühren von 5.- Euro pro Nacht werden von Mitarbeitern der Gemeinde bar berechnet. Adresse: Chemin du Chêne Tord, 85200 Mervent. Wer es komfortabler will, geht auf den Campingplatz La Joletière im Teilort. Dort gibt es auch zwei Gastronomien. Eine weitere in der Ortsmitte, wo sich weitere Geschäfte finden.
Thiré: in den barocken Gärten des Dirigenten

In Thiré lohnt unbedingt ein Besuch der Jardins de William Christie. Der amerikanisch-französische Dirigent erwarb hier ein Anwesen und gestaltete es in den letzten Jahrzehnten zu einem Zentrum barocker Kunst aus. Das betrifft nicht nur die vielen Teilbereiche, die in der Tradition des Gartenbaus des Barock stehen, sondern auch das musikalische Zentrum, das hier installiert wurde. Im Sommer finden regelmäßig Konzerte statt, bei denen die historische Aufführungspraxis des Barock gepflegt wird. Anreise mit Google Maps


Wer hier auch übernachten will, fährt am besten ins benachbarte Sainte Hermine. Dort gibt es nicht nur einen Wohnmobilstellplatz, sondern mit dem Le Macis auch ein sehr gutes Restaurant, das regionale Spezialitäten auf der Karte hat. Tipp: Menü essen spart viel Geld. Ans Restaurant angeschlossen ist auch ein Weinhandel.
Mareuil-sur-Lay-Dissais: Malerischer Genussort

Es klingt fast ein bisschen kitschig, aber Mareuil-sur-Lay-Dissais hat nicht ohne Grund das Zeug zu einem der beliebtesten Postkartenmotive der südlichen Vendée. Das malerische Ensemble aus Kirche, Schloss und Fluss vereint Kultur und Natur in einmaliger Weise. Ein Besuch der Kirche zeigt einen gotischen Sakralbau, der seine Ursprünge im 11. Jahrhundert hat und seit einigen Jahren umfassend restauriert wird.

Der Wohnmobil-Stellplatz von Mareuil-sur-Lay-Dissais befindet sich zentral in der Ortsmitte. An der Le Lay-Brücke befindet sich ein Geschäft der Vignerobles Mourat, einem regionalen Weingut. Wer die Landschaft der Winzer besser kennenlernen will, fährt am besten direkt zum zwei Kilometer entfernten Weingut. Dort kann man nicht nur Weine von Mourat kaufen. Im Laden gibt es auch noch eine große Auswahl anderer Genussgetränke.
Vignobles Mourat bewirtschaftet nicht nur biologische Weingüter, sondern bietet auch Oeno-Touren an. Natur und Genuss verbinden sich in einmaliger Weise. In der Hauptsaison gibt es zusätzlich das Bistrot Mourat mit stimmungsvollen Sitzgelegenheiten.

In Lavaud steht eine der letzten Brücken von Gustave Eiffel
Die Eiffel-Brücke in Lavaud wurde 1877 von Gustave Eiffel erbaut, der wegen des Pariser Eiffel-Turms weltberühmt wurde. Die 56 Meter lange Metallbrücke überspannt den Fluss Lay und verbindet in der südlichen Vendée Péault und La Couture auf Höhe des Dorfes Lavaud miteinander. Vor dem Bau der Brücke war die Überquerung des Flusses ausschließlich mit kleinen Booten möglich. Die Errichtung der Metallbrücke erleichterte regionalen Verkehr und Handel maßgeblich.

Die Eiffel-Brücke in Lavaud wurde vom Département Vendée aufwendig renoviert und mit einer Beleuchtung ausgestattet. Das macht sie zu einer der letzten Eiffel-Brücken, die vom großen Ingenieur selbst konstruiert wurden und noch heute in Betrieb sind. Heute ist sie ein beliebtes historisches Denkmal und ein friedlicher Ort für Picknicks an der Lay entlang vieler Rad- und Wanderrouten. Direkt an der Brücke gibt es auch eine Einkehrmöglichkeit.
Nachhaltiges Naturerlebnis in der Lagune Belle Henriette

Zwischen La Faute-sur-Mer und La Tranche-sur-Mer liegt das Naturreservat der Lagune La Belle Henriette. Es gehört wie viele andere Schutzgebiete in der südlichen Vendée zu einem Programm, das Forschung, Naturschutz und nachhaltigen Tourismus vereinen will. La Belle Henriette gehört zu den letzten natürlichen Meereslagunen an der französischen Atlantikküste. In diesem 337 Hektar großen Gebiet werden natürliche Küstenmechanismen nicht beeinflusst. Die Sandküsten und Dünenlandschaften formen sich fortwährend durch Gezeiten und Winde um.

Über 250 Vogelarten nutzen die Schilfgebiete, Salzwiesen und Strände als ganzjähriges Lebensumfeld oder als Rastplatz für Zugvögel. Die Biodiversität betrifft auch die Fischwelt. Durch den Einstrom von nährstoffreichem Meerwasser bildet die Lagune mit ihrem Planktonreichtum eine biologische Aufzuchtstation für Jungfische wie Wolfsbarsche, Meeräschen, Goldbrassen und Aale, die hier heranwachsen, bevor sie ins offene Meer abwandern. Aber auch der botanische Reichtum von rund 360 registrierten Pflanzenarten in den sensiblen Übergangszonen zwischen Salz-, Brack- und Süßwasser gehören zur Vielfalt der Belle Henriette.
Es liegt nahe, mit Besucherlenkung und Umweltbildung diesen Naturraum zugänglich zu halten. Ein einmaliges Naturerlebnis ist hier garantiert. Alle Informationen dazu gibt es auf der Website des Reservats Lagune Belle Henriette.

Für einen Spaziergang oder kleine Wanderung ins Naturreservat Belle Henriette bietet sich der Wohnmobil-Stellplatz Les Pins in La Faute-sur-Mer an. Er liegt zentral, bekommt Schatten von den Pinien und man kann von hier aus essen gehen oder in den Bars etwas trinken. Wir haben das Lay 4 Sens besucht, wo es zahlreiche Gerichte mit Fisch und Meeresfrüchten gibt.
Bird-Watching in der Bucht von L’Aiguillon

Die Bucht von Aiguillon gehrt zweifelsohne zu den Höhepunkten einer reise in die südliche Vendée. Wer sich für Naturphänomene interessiert, wird hier Begeisterndes erleben. Wir hatten Gelegenheit zu einer Führung mit der Rangerin Louise. Solche Führungen können für alle über die Liga für Vogelschutz oder den Tourismusverband Vendée du Sud (Link ganz unten) gebucht werden. Die Artenvielfalt gilt hier als einmalig.

Rund 400 verschiedene Vogelarten sind hier heimisch oder zu Gast und die Gezeiten versprechen zu jeder Tageszeit andere faszinierende Blicke auf den Kilometer langen Sandstränden. So ist es zum Beispiel nur bei Ebbe möglich, Die Pfähle zu sehen, an denen in natürlicher Umgebung Austern gezüchtet werden. Die Vogelarten werden in ausgesuchten Monaten von Vogelschützern gezählt und erfasst. Es gehören große Kenntnisse dazu, die Arten durch ihre Verhalten oder ihre Töne zu unterscheiden und zu zählen. Deshalb treten sie immer zahlreich in Ballungen auf und teilen sich Dokumentation und Erfassung, damit verlässliche Zahlen entstehen können.


Ein zusätzliches Highlight für Wohnmobilfahrer ist die Möglichkeit, mitten im Schutzgebiet frei zu stehen. Es ist zwar offiziell nicht erlaubt, aber es wird toleriert. Also bitte an die üblichen und speziellen Regeln vor Ort halten, damit das so erhalten bleibt.
Luçon: geistliches Zentrum und ein besonderer Garten

Zu den größeren Orten der südlichen Vendée gehört Luçon. Es ist bereits seit 1317 Bischofssitz des gleichnamigen Bistums. Sichtbar wird das geistliche Zentrum an der beeindruckenden Kathedrale aus dem 14. Jahrhundert. Der gotische Bau ist entsprechend gut erhalten. Besonders beeindruckend an der Architektur ist die Verbindung einer Kathedrale mit einem ehemaligen Benediktiner-Kloster. Der Kreuzgang ist bis heute erhalten, obwohl das Kloster zeitgleich mit der Gründung des Bistums – also vor über 600 Jahren – aufgelöst wurde.

Für die meisten Mönche bedeutete das die Säkularisierung, außer sie wechselten in ein anderes Kloster. Personell änderte sich jedoch nicht sehr viel. Der damalige Abt Pierre de La Veyrie wurde von Papst Johannes XXII. zum ersten Bischof des neu gegründeten Bistums ernannt und die Priester unter den Mönchen stellten das erste Domkapitel. Die personelle Stärke und der Besitz des Klosters waren die Grundlage für die Handlungsfähigkeit des Bistums. der berühmte Kardinal Richelieu war hier ab 1607 Bischof.
Luçon liefert auch eine interessante sprachgeschichtliche Anekdote. In dieser Zeit entstand der Begriff der „Grauen Eminenz“. Richelieu freundete sich während seines Episkopats mit Père Joseph, einem Kapuziner, an. Dieser trug eine graue Kutte und nahm während der Freundschaft starken Einfluss auf die Kirchengeschicke in Luçon. Er sprach den Bischof aber stets mit seinem Ehrentitel Eminenz an. So erwarb sich Père Joseph den Titel „Graue Eminenz“, was bis heute für eine machtvolle rolle im Hintergrund und ohne Amtsbefugnis steht.

Liebhaber von Garten- und Parkkultur kommen in Luçon auch auf ihre Kosten. Ein Besuch im Jardin Dumaine gehört zu den schönsten Erlebnissen in Luçon. Die grüne Lunge der Stadt ist rund vier Hektar groß und bietet eine stille Oase mit Bauwerken, Wasserspielen und beschützten Hecken. Von der Kathedrale aus ist er zu Fuß erreichbar: 3 Rue de L Hôtel de ville, 85400 Luçon, Frankreich. Parken mit dem Wohnmobil ist auf dem Parkplatz neben der Kathedrale möglich.
Wer sich eine kulinarische Empfehlung wünscht, sollte unbedingt das Hotel-Restaurant Au Fils des Saison am Stadtrand besuchen. Im Innenhof kann man auch gut mit dem WOhnmobil parken. Während unseres Besuchs in der südlichen Vendée war es das beste Restaurant. Es hat uns durch seine saisonale und kreative Küche sowie den Service begeistert. Infos und Reservierung.

Noch mehr Linktipps
- Tourenbericht auf vanlifemag.de: Willkommen in der Vendée: Camping in West-Frankreich am Atlantik
- Biografisches über Louis-Marie Grignon de Monfort
- Mehr Touristisches über die Vendée du Sud
Transparenz: Die Recherchen über diese Tour wurden auf Vermittlung von Atout France durch die Destinationen und von Benimar durch die Bereitstellung eines Presse-Wohnmobils unterstützt. Auf den Inhalt wurde kein Einfluss genommen.
















