Toyota stellt die 9te Generation des Hilux vor. Der weltweit beliebte Pickup mit dem Nimbus des Unzerstörbaren kommt zunächst mit reinem Elektroantrieb. Wir von vanlifemag.de konnten ihn bereits auf und abseits der Straße testen. Und natürlich stellen wir uns die Frage, ob er als Basis für einen Pickup-Camper geeignet ist. Hier kommt unser erster Fahrbericht des neuen Toyota Hilux BEV.
Toyota hat die 9te Generation des Toyota Hilux vorgestellt

Um es gleich vorwegzunehmen: Der neue Hilux fährt sich wirklich klasse – auf, vor allem aber abseits der Straße. Und das trotz Elektroantrieb – oder grade deshalb? Ja, grade deshalb, denn Toyota hat ihm nicht nur zwei E-Motoren – einen an jeder Achse – spendiert, sondern dank diverser Elektronik und verschiedener Helferlein auch herausragende Offroad-Fähigkeiten. Doch der Reihe nach.

Der Hilux läuft bei den Japanern tatsächlich schon seit fast 60 Jahren vom Band. Rechnet man seinen Vorgänger, den Hino Briska, der später als Toyota Briska verkauft wurde, dazu, sind es sogar knapp 65. Die letzte, die 8te, Generation wurde 2015 vorgestellt. Das ist jetzt also bereits zehn Jahre her. Aber für die langen Modellzyklen ist Toyota ja bekannt.

Nun also die 9te Generation. Und die kommt als erstes mit reinem Elektroantrieb. Ja, richtig gelesen. Ein 48-Volt-Mild-Hybrid mit Dieselmotor soll ab Juli 2026 folgen. Der BEV, also der E-Lux, soll bereits ab Februar in die Verkaufsräume der europäischen Händler rollen. Für später ist noch ein Benziner geplant, der allerdings nur in Indien und Asien vertrieben werden soll. Und 2028 soll der Hilux dann mit Wasserstoff-Brennstoffzellenantrieb kommen. Wir sind gespannt.
Neuer Toyota Hilux BEV – erster Fahrbericht

Montagmittag, Anfang November auf einem Testgelände irgendwo im Umland von Paris. Toyota stellt einer Meute Journalisten den neuen Hilux vor. Und natürlich darf die vor Ort versammelte Presse auch hinters Lenkrad. Denn neben all den technischen Raffinessen, die die Toyota-Ingenieure sich haben einfallen lassen, interessiert uns natürlich, wie sich dieser E-Pickup fährt. Und das sowohl auf der Straße als auch im Gelände.

Onroad macht der neue E-Lux einen ordentlichen Job. Dank permanentem Allradantrieb bricht er auch in schnellen Kurven nicht aus und fährt sich auf der gewundenen Teststrecke außerordentlich stabil. Was jedoch beim ersten Mal „Pedal-bis-aufs-Bodenblech-Durchtreten“ auffällt: Der klassische Kickdown fehlt. Der Pickup beschleunigt linear. Sehr konstant zwar, aber ohne dabei jegliche Emotionen zu zeigen. Gut, ein Pickup ist schließlich auch kein Rennwagen. Hat man sich dran gewöhnt, ist es zu verschmerzen.

Doch wie fährt sich der E-Lux abseits der Straße? Offroad hat man tatsächlich nicht den Eindruck in einem langen und durchaus schweren – das zulässige Gesamtgewicht beträgt gute drei Tonnen, leer wiegt der Hilux BEV knappe 2,5 – zu sitzen. Das Ding lässt sich erstaunlich agil, sicher und vor allem ohne irgendwelche Traktionsprobleme durch den Parcours bewegen. Und der verfügt hier über nahezu alles: Schlamm- und Sandpassagen, Auf- und Abfahrten sowie verworfene Tracks.

All das macht der E-Lux völlig problemlos. Ohne irgendwelche Gänge vorwählen zu müssen, ohne bei der Bergabfahrt in die Untersetzung und den ersten Gang schalten zu müssen, ohne den Knopf für die Bergabfahrhilfe – den es durchaus gibt – drücken zu müssen und ohne irgendwelche Sperren aktivieren und deaktivieren zu müssen. Wow! Das ist wirklich beeindruckend.
Ein paar Daten zum neuen Toyota Hilux BEV

Klar, möglich macht das die Elektronik, die dahintersteckt. Ein E-Motor mit guten 205 Newtonmetern Drehmoment an der Vorderachse und einer mit über 268 Newtonmetern an der Hinterachse sorgen für den Vortrieb. Der vordere E-Motor sitzt – ganz klassisch – unter der langen Haube. Der hintere ist mittig auf der De-Dion-Starrachse angeordnet, die – ebenfalls ganz klassisch– an zwei Blattfedern hängt. Zusammen mobilisieren die beiden Aggregate knappe 200 Pferde.

Die Zuladung beträgt trotz schwerer Batterie im Rahmen stolze 715 Kilo. Etwas magerer sieht es dagegen bei der Anhängelast aus. Gebremst dürfen lediglich 1.600 Kilo an den Haken. Ob das reicht, um einen Anhänger mit einem kleinen Bagger oder anderem schwereren Gerät zur Baustelle zu ziehen, darf bezweifelt werden. Die Batterie, die über eine Kapazität von 59,2 Kilowattstunden verfügt, sitzt, vor Beschädigungen oder Wassereintritt geschützt, im Leiterrahmen des Hilux. Die Wattiefe beträgt stolze 70 Zentimetern. Damit kann der neue E-Lux Wasserdurchfahrten genauso gut wie das aktuelle Verbrennermodell.

Die Zielgruppe für den Toyota Hilux BEV hat Toyota klar definiert. Und das sind nicht die Offroader oder die Overlander, sondern die Flottenkunden, die Handwerker, die Garten-Landschaftsbauer und alle die, deren Mitarbeiter irgendwelches Werkzeug oder Material auch mal abseits der Straße an abgelegene Arbeitsorte transportieren müssen. Außerdem hat man die öffentliche Hand im Auge. Denn auch als Kommunalfahrzeug würde der Elektro-Hilux durchaus einen gute Figur machen. Diese Zielgruppe, so hat man bei Toyota ermittelt, verfügt zum einen meist nicht über wirklich viel Offroad-Erfahrung und fährt täglich meist eher kurze Strecken. Aufgeladen wird dann nach Feierabend. Am nächsten Morgen ist der E-Lux somit „gestärkt“ und wieder bereit loszulegen.

Und damit kommen wir zur Gretchen-Frage. Wie hoch ist die Reichweite? Toyota gibt sie mit 240 Kilometern an. Ziemlich wenig angesichts der Tatsache, dass es mittlerweile E-Autos gibt, die deutlich weiter kommen. Für die Zielgruppe aber wohl dennoch passend. Denn ein größerer und eben auch schwererer Akku hätte Zuladungskapazität gekostet. Und die braucht man in diesen Branchen eben durchaus. Reichweite spielt dagegen in der Regel die kleinere Rolle.
Ist der neue Toyota Hilux eine gute Basis für einen Pickup-Camper

Diese Frage müssen wir mit einem ganz klaren „Nein“ beantworten. Mit der Reichweite wird kein Camper und kein Overlander glücklich. Doch es gibt ja zum Glück Licht am Horizont. Mitte nächsten Jahres soll der Toyota Hilux mit einem 48-Volt-Mild-Hybrid mit einem 2,8-Liter-Dieselmotor zu haben sein. Und damit sollen dann Nutzlasten von bis zu einer Tonne transportiert und Anhänger mit einem Gewicht von bis zu 3.500 Kilogramm gezogen werden können. Auch klar, die Reichweite wird dann ebenfalls deutlich höher sein.






Und damit wird die 9te Generation des japanischen Pickups genauso zum Camper wie seine Ahnen, über die wir hier schon mehrfach berichtet haben. Die Preise für Europa und für Deutschland stehen allerdings derzeit noch nicht fest. Da müssen wir uns also auch noch ein wenig gedulden.
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Fest steht aber unzweifelhaft schon jetzt: Den neuen Hilux BEV zu fahren, macht richtig viel Spaß. Ihn durchs unwegsame Gelände zu manövrieren noch viel, viel mehr. Ein rundum tolles Fahrzeug!

Fotos: Toyota, Michael Scheler, Martin Zink, Black Sheep Innovations











